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Jubiläumsveranstaltung zu 30 Jahre Lyrik Kabinett

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Foto: Heike Bogenberger

Vor rund 270 geladenen Gästen lasen zum 30-jährigen Jubiläum des Lyrik Kabinetts am 4. Dezember 2019 in der Ludwig-Maximilians-Universität Jürgen Becker aus Köln, Pia Tafdrup aus Kopenhagen, Uljana Wolf aus Berlin und Adam Zagajewski aus Krakau.

Der Leipziger Germanist und Herausgeber der Münchner Reden zur Poesie, Frieder von Ammon, erwähnte in seiner Vorstellung der Dichterinnen und Dichter nicht nur deren repräsentative Werke und einige ihrer Auszeichnungen (vom Georg-Büchner-Preis über den Prinz-von-Asturien-Preis und den Peter-Huchel-Preis bis zum Nordischen Preis der Schwedischen Akademie), sondern hob auch ihre besondere Verbundenheit mit dem Lyrik Kabinett hervor: Sie haben alle mehrfach hier gelesen – Adam Zagajewski zum ersten Mal vor fast genau 30 Jahren, im Herbst 1989. Das Lyrik Kabinett hat außerdem von allen vier Dichterinnen und Dichtern Bücher in seinen eigenen Reihen verlegt. Die Lyrikerinnen und Lyriker lasen jeweils zwanzig Minuten aus ihren Gedichten.

In seiner Begrüßung erinnerte Michael Krüger an die Anfänge des heutigen Lyrik Kabinetts als Buchhandlung im Epochenjahr 1989 und würdigte die Gründerin Ursula Haeusgen, „die gerade wegen der Schwierigkeiten zu immer größerer Form auflief“. Schon früh seien die Abende neben der neuesten Literatur immer auch den „fremden und älteren Literaturen, Stilen, Bewegungen“ gewidmet gewesen. Krüger erinnerte an die 30-jährige Geschichte der wachsenden Bibliothek, des mittlerweile umfangreichen Verlagsprogramms und der Suche nach dem „richtigen Ort für die Poesie“, der schließlich neben der Universität gefunden wurde.

V.l.n.r.: Adam Zagajewski, Ursula Haeusgen mit Holger Pils, Frieder von Ammon mit Uljana Wolf. Fotos: Heike Bogenberger

Der Kulturreferent der Landeshauptstadt München, Anton Biebl, sagte in seinem Grußwort, das Lyrik Kabinett sei „nicht mehr wegzudenken aus dieser Stadt“ und habe an „internationaler Strahlkraft“ immer weiter gewonnen. Er würdigte Ursula Haeusgens „unerschöpfliche Energie und leidenschaftliches Beharren“, dem das Lyrik Kabinett zu verdanken sei, und kündigte an, dass die Stadt München das Haus ab 2020 mit einem jährlichen Betrag dauerhaft fördern werde, um ein „Zeichen für dessen Zukunftssicherheit zu setzen“.

Grüße der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft überbrachte die Prodekanin Claudia Wiener, die die Verbundenheit der Fakultät mit dem Lyrik Kabinett betonte: Beide lebten „in einer wundersamen symbiotischen Beziehung“. Das Lyrik Kabinett habe sich mit seiner Bibliothek zu einer „Studier- und Forschungsstätte der LMU München entwickelt“. Außerdem wisse sie „keines unserer Institute zu nennen, das nicht schon die Gelegenheit wahrgenommen hätte“, im Lyrik Kabinett „Lesungen und Tagungen zu organisieren“.

Foto: Heike Bogenberger

In seinem Dank verwies der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung Lyrik Kabinett, Holger Pils, auf die Bedeutung des Freundeskreises und aller Förderer, Partner und Freunde in den Münchner Kulturinstitutionen. Ohne sie sei das vielfältige Programm nicht möglich. Anknüpfend an ein Zitat des nordirischen Dichters Michael Longley über das Lyrik Kabinett sagte er, dieses verstehe sich als ein weltoffener und neugieriger Ort, der die „Achtsamkeit im Umgang mit Sprache“ fördern wolle. Diesem freien Geist der Gründerin fühlten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet.

Im Anschluss an die Lesung lud Ursula Haeusgen die Gäste zu einem Empfang im gegenüberliegenden Lyrik Kabinett.


[Anmerkung der Redaktion: Der Beitrag stammt aus der Feder des Lyrik Kabinetts. Dass darin kein Bezug genommen wird zu der dem Jubiläum vorangegangenen Kontroverse um zwei diskussionswürdige Gedichte von Michael Krüger, spiegelt keinerlei Haltung oder Positionierung des Literaturportals Bayern wider. Im Vorfeld hatte die Schriftstellerin Birgit Müller-Wieland den Gedichten Krügers vorgeworfen, sie verunglimpften die Justiz und beschönigten die Taten des wegen sexueller Nötigung verurteilten Pianisten Siegfried Mauser. Sie blieb der Veranstaltung, die Krüger ein prominentes Podium bot, deshalb fern. Auch Kunstminister Bernd Sibler zog seine Teilnahme an dem Festakt daraufhin zurück, da er „für Null Toleranz bei sexueller Belästigung und körperlicher Gewalt [steht] und jede Verharmlosung derartiger Übergriffe ablehnt."]