Info
Amalienstraße 83a
80799 München
Website

Lyrik Kabinett

Das Lyrik Kabinett in München fördert die Lyrik und ihre Vermittlung durch Veranstaltungen, Publikationen, Bildungsangebote und eine eigene Bibliothek. Als ausschließlich der Dichtung gewidmetes Forum ist es in dieser Form in Deutschland einmalig.

Geschichte

„Ich hatte in anderen Buchläden Gedichte immer nur in der hintersten Ecke und in kleiner Auswahl gefunden – da wollte ich mit meiner Buchhandlung ausschließlich für Poesie endlich ein Zeichen setzen“, so die Kauffrau und Unternehmerstochter Ursula Haeusgen zur Begründung, weshalb sie im April 1989 mit einer Lesung von Wolfdietrich Schnurre eine auf Lyrik spezialisierte Buchhandlung eröffnet. Die Buchhandlung residiert anfangs in der Herzog-Rudolf-Straße 6, später in der nahe gelegenen Maximilianstraße. Doch Haeusgens „Hoffnung, das wohlhabende Publikum der Maximilianstraße würde anstelle von Cashmere-Pullovern ab und zu auch Lyrik kaufen“, erfüllt sich nicht. 1994 gibt sie die Buchhandlung auf, gründet einen Verein und schenkt ihm die verbleibenden Bestände der Buchhandlung, darunter erste, sehr wertvolle Künstlerbücher.

Seine nächste Beheimatung findet das Lyrik Kabinett in Seminarräumen des Instituts für Komparatistik in der Schellingstraße 3, 2003 gründet Ursula Haeusgen mit ihrem Privatvermögen eine Stiftung. Die Ludwig-Maximilians-Universität überlässt ihr ein altes Atelierhäuschen sowie das zugehörige Grundstück in der Amalienstraße zur Pacht. Die Stiftung finanziert einen Neubau, der sowohl den räumlichen als auch den ästhetischen Bedürfnissen der Sammlung Rechnung trägt. Im März 2005 wird das neue Lyrik Kabinett eröffnet: Den Weg in den Hinterhof pflastern Steine mit der Aufschrift „Poesie“, blaues Licht beleuchtet die Szenerie, im Vorhof wie im Innern findet man Werke der Bildenden Kunst. Hier sind nun die immer umfangreicheren Bestände, die Künstlerbücher und auch zahlreiche von Haeusgen gesammelte Kunstwerke für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf internationaler Ebene entspricht das Lyrik Kabinett den Poesiezentren in anderen Ländern, wie etwa den französischen Maisons de la Poésie oder der englischen London Poetry Library. Unterstützt wird das Lyrik Kabinett von einem Freundeskreis.

Im Sommer des Jahres 2010 zieht sich Ursula Haeusgen aus der operativen Leitung des Lyrik Kabinetts zurück. Im Januar 2021 stirbt die große Mäzenin der Poesie. Die Auszeichnung PRO MERITIS SCIENTIAE ET LITTERARUM des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, die ihr noch zu Lebzeiten verliehen worden war, kann ihr aus Gründen der Covid-Pandemie nicht mehr öffentlich übergeben werden. Staatsminister Sibler betont bei der posthumen Übergabe im Lyrik Kabinett: „Menschen wie Ursula Haeusgen sind beispielgebend dafür, was privates Engagement für Kunst bewirken kann“.

Tätigkeitsfelder

Die gemeinnützige Stiftung Lyrik Kabinett verfolgt ihre Ziele in vier Kernbereichen. Das Lyrik Kabinett unterhält die zweitgrößte auf Lyrik spezialisierte Bibliothek Europas: deutschsprachige und internationale Lyrik, darunter auch zahlreiche hochwertige Künstlerbücher, Audio- und Videomedien, Zeitschriften, etc. Die Bibliothek wird pro Jahr systematisch erweitert und steht jedermann zur Nutzung offen. Die Stiftung richtet jährlich Veranstaltungen zur internationalen Lyrik aus: Lesungen mit zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern aus aller Welt und Veranstaltungen zu Autorinnen und Autoren von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. In verschiedenen Reihen publiziert die Stiftung ausgewählte poetische oder poetologische Werke. 

Das Lyrik Kabinett unterstützt die Begegnungen von Dichterinnern, Dichtern und Initiativen der freien Szene und engagiert sich in Kooperationen zur Literaturförderung. Es wirbt für die Poesie in der Öffentlichkeit durch Projekte wie die Lyrik-Empfehlungen und steht allen Lyrik-Interessierten mit seinen Beständen für Auskünfte zur Verfügung. Mit sämtlichen Aktivitäten möchte die Stiftung allen Menschen ermöglichen (wie es die Stifterin Ursula Haeusgen formulierte), „die Schönheit und Faszination der poetischen Sprache – der Muttersprache des Menschengeschlechts (J.G. Hamann) – für sich zu entdecken und sich an ihr zu freuen: an ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und an ihrem Kommunikationspotential“.


Verwandte Inhalte
Städteporträts
Städteporträts
Literarische Wege
Literarische Wege
Journal
Mehr