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Jean-Paul-Denkmal (c) Stadt Bayreuth

Bayreuth

Am Anfang der Geschichte dieser Stadt steht vermutlich die Kreuzung zweier Handelsstraßen, an der sich mehr und mehr Menschen niederlassen. Der früheste Existenznachweis ist eine Urkunde aus dem Jahr 1194. Dort findet sich der Name „Baierrute“, was einerseits die bayerische Herkunft der Zuzügler und andererseits die Grundlage jeder Siedlung in einer solchen Gegend benennt („rute“ bedeutet Rodung). So erklärt sich auch das Wappen der Stadt, auf dem zwei gekreuzte Reuten abgebildet sind. Ein Dokument aus dem Jahr 1199 spricht noch von einer „villa“, als Stadt urkundlich erwähnt wird Bayreuth erstmals im Jahr 1231.

Obwohl sie keine zentrale politische Rolle spielt, wird die Stadt von den Zeitläuften nicht verschont. Im Jahr 1430 hinterlassen die Hussiten schwerste Verwüstungen. Das 17. Jahrhundert, das eigentlich eine Blütezeit zu werden verspricht, da der Markgraf Christian seine Residenz von Kulmbach nach Bayreuth verlegt, erweist sich als eines der furchtbarsten für Bayreuth. 1602 grassiert die Pest, mehrere Großbrände legen ganze Viertel in Schutt und Asche, während des Dreißigjährigen Kriegs wird die Stadt wiederholt eingenommen und geplündert.

Während der Regierungszeit des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine von Bayreuth, die von 1735 bis 1763 dauert, verändert sich die Stadt architektonisch von Grund auf. Das Neue Schloss mit Hofgarten, das markgräfliche Opernhaus, die Neugestaltung der Eremitage und ganzer Straßenzüge im prächtigen Rokoko-Stil genügen der Markgräfin allerdings nicht, denn sie hat noch etwas ganz Besonderes im Sinn: Im Jahr 1744 beginnt sie bei Wonsees mit dem Bau eines Felsengartens – der jedoch nicht den Prinzipien der Flora und Fauna gehorcht, sondern die Literatur in Gestalt des Abenteuer- und Bildungsromans Les Aventures de Télémaque, fils d’Ulysse des französischen Schriftstellers François de Salignac de La Mothe-Fénelon als Bauplan gebraucht. Sein Name: Sanspareil, das heißt: ohne Vergleich.

Wilhelmines Sinn fürs Theatrale äußert sich auch darin, dass sie selbst als Schauspielerin die Bühne betritt – und zwar mit dem Philosoph Voltaire an ihrer Seite, der 1743 zwei Wochen bei der Markgräfin in Bayreuth verbringt. Von ihm stammt auch der Ausspruch: „Ehedem mussten Dichter und Künstler nach Neapel, Florenz oder Ferrara wallfahrten, jetzt ist ihr Ziel Bayreuth.“

Das Neue Schloss von Bayreuth (c) Stadt Bayreuth

Im Jahr 1806 – vier Jahre bevor Napoleon das ehemalige Fürstentum Bayreuth an das noch junge Königreich Bayern abgibt – wird in Bayreuth Johann Caspar Schmidt geboren, der unter dem Pseudonym Max Stirner radikal metaphysik-kritische Texte publiziert und von vielen als Nihilist gebrandmarkt wird; sein Einfluss auf Denker wie Karl Marx, Edmund Husserl und Carl Schmitt bleibt deshalb meist unerwähnt.

Bereits 1804 übersiedelt der Schriftsteller Jean Paul nach Bayreuth. Hier scheint er zu finden, was er sucht (darunter nicht zuletzt das gute Bier), denn er verbringt die restlichen zwanzig Jahre seines Lebens in Bayreuth. Seine doppelzüngige Liebeserklärung ist längst legendär: „Du liebes Bayreuth, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichenen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten – man sollte sich einbohren in dich, um nimmer heraus zu können.“ Treffender hätte es wohl auch der zweifellos berühmteste Bayreuth-Zuzügler Richard Wagner, der ab 1872 in der Stadt wohnt, nicht formulieren können. Ein eigenes Museum bekommt am Ende jeder von beiden in Bayreuth.

Wagners Festspielhaus von außen und das 2012 zum Weltkulturerbe erklärte Opernhaus (c) Stadt Bayreuth

Im 19. Jahrhundert zieht die Stadt die originellen Genies an, im darauffolgenden fällt ihr das schwerer. Oskar Panizza erregt sich 1891 und freilich nicht als Letzter in seinem Stoßseufzer aus Bayreuth über Wagner und das „harmlose Kreis-Städtchen Bayreuth“. Und dennoch verbringt er hier noch viele Jahre: 1905 wird er in eine Anstalt für Gemütskranke in der Nähe der Stadt eingewiesen, später wechselt er in ein Bayreuther Sanatorium, wo er im Jahr 1921 stirbt. Fünf Jahre später kommt Max von der Grün in Bayreuth zur Welt, der in Oberfranken aufwächst und nach dem Krieg ins Ruhrgebiet siedelt. Auch Hilde Marx, 1911 in Bayreuth geboren und 1937 aus Deutschland emigriert, formuliert in ihrer letzten Publikation ein zwiespältiges Verhältnis: „Bayreuth, ein Wiedersehen. Eine Neuentdeckung. Als ich es verließ, war ich besorgt, wie ich den nächsten Tag überleben würde. Ich sah nicht um mich. Das tat ich jetzt. Und fühle mich, zum ersten Mal in 55 Jahren, als Emigrantin.“

Sekundärliteratur:

Rückel, Gert (19942): Literarischer Spaziergang durch Bayreuth. Bayreuth.


Externe Links:

Homepage der Stadt Bayreuth

Stoßseufzer aus Bayreuth von Oskar Panizza

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