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Geb.: 20. 1.1921 in Berlin
Gest.: 14.4.1994 in München
Bernt Engelmann liest bei den 1. Weidener Literaturtagen am 3. Mai 1985 im Weidener Kulturzentrum ‚Hans Bauer‘. Foto: Archiv Weidener Literaturtage

Bernt Engelmann

Bernt Engelmann, Urenkel des berühmten Berliner Verlegers Leopold Ullstein (1826-1899), wird als Sohn eines Verlagsdirektors in Berlin geboren. Ab 1932 wohnt er in Düsseldorf, wo er nach dem Abitur zuerst zum „Reichsarbeitsdienst“ (RAD) und dann zur Luftwaffe eingezogen wird. Wegen einer Dienstverletzung beginnt er 1942 zu studieren. Als Mitglied einer NS-Widerstandsgruppe wird er von der Gestapo wegen „Judenbegünstigung“ verhaftet und über diverse Gefängnisaufenthalte (Hannover, Leipzig, Bayreuth) am 22. September 1944 ins Landgerichtsgefängnis („Waldsassener Kasten“, heute: Regionalbibliothek) Weiden inhaftiert. Von dort aus wird er ins KZ Flossenbürg (Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab) eingeliefert und weiter ins Außenlager Hersbruck verschubt. Später gelangt er ins KZ Dachau, wo ihn die US-Army Ende April 1945 befreit.

Nach 1945 fängt Bernt Engelmann ein Journalistikstudium in Köln an, er studiert in Bonn, Genf und Paris, jedoch ohne Abschluss. Als Reporter arbeitet er zunächst für Gewerkschaftszeitungen, dann beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel und für das NDR-Fernsehmagazin „Panorama“. Engelmann wird SPD-Mitglied. Seit 1962 ist er freier Schriftsteller.

Viele seiner Romane und Sachbücher – Die Aufsteiger, Hotel Bilderberg, Die Laufmasche, Deutschland-Report, Schwarzbuch Helmut Kohl, Großes Bundesverdienstkreuz, Berlin, Du deutsch?, Die Beamten. Unser Staat im Staate, Wir Untertanen. Ein deutsches Geschichtsbuch, Wie wir die Nazizeit erlebten – sowie Ihr da oben, wir da unten (1973, zus. mit Günter Wallraff) werden übersetzt und erscheinen in den USA, in Russland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Finnland, Polen, Italien, Ungarn sowie Japan. Die Weltgesamtauflage seiner mehr als 40 Buchtitel überschreitet dabei die 15 Mio.-Marke. In Deutschland werden seine Bücher zuletzt im Steidl-Verlag wiederaufgelegt.

Engelmann, engagierter Gewerkschafter (IG Metall) und erfolgreicher Streiter für die Rechte der Autoren, ist 1976 Unterstützer der Aktion „Das andere Bayern“, von 1977 bis 1984 Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in der IG Druck und Papier, von 1972 bis 1984 Präsidiumsmitglied des P.E.N.-Zentrums BRD und gehört der Tarif- und Verhandlungskommission des VS an. Er ist zudem Initiator der „Künstlersozialversicherung“. Für Wirbel sorgen 1978 die Auseinandersetzungen („NS-Führungsoffizier“) mit Franz Josef Strauß (keine Prozesse „gegen Ratten und Schmeißfliegen“) und 1980 mit Edmund Stoiber. Anfang der 1990er-Jahre steht Engelmann in der Kritik, für seine Bücher auch Material des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit verwendet zu haben. Darüber hinaus behauptet 2004 die Tageszeitung Die Welt, dass Engelmann aufgrund eines Statistikbogens der „Rosenholz-Datei“ seit 1982 als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi (IM „Albers“) geführt worden sei.

1984 erhält Bernt Engelmann den Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR. Aufgrund seines Oberpfälzer Lokalbezugs 1944/45 kommt er am 3. Mai 1985 als Ehrengast zu den 1. Weidener Literaturtagen „1945 – Wie war das eigentlich?“ (mit dem Max von der Grün-Thema) sowie am 1. Mai 1989 zu einer weiteren Weidener DGB-Veranstaltung, obwohl er den „Gefängnisort Weiden“ eigentlich nicht mehr sehen möchte. „Äußerst erfolgreich und umstritten“, resümiert die Berliner Zeitung über Leben und Werk Bernt Engelmanns, der nach schwerer multipler Sklerose 1994 in München stirbt.

Der sozialkritische Schriftsteller, Journalist und Publizist hat seit 1964 mit seiner Familie in Rottach-Egern gelebt (Haus am Wald im Ortsteil Kalkhofen), „im Tal der glücklichen Kühe“, wo er auch begraben liegt.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Banse, Dirk; Behrendt, Michael (2004): Stasi führte Bernt Engelmann als IM „Albers“. In: Die Welt, 19. Juni. URL: https://www.welt.de/print-welt/article321605/Stasi-fuehrte-Bernt-Engelmann-als-IM-Albers.html, (05.03.2017).

Baron, Bernhard M. (20074): Weiden in der Literaturgeographie. Eine Literaturgeschichte (Weidner Heimatkundliche Arbeiten Nr. 21). Weiden i.d. OPf., S. 43.

Engelmann, Bernt (Hg.) (1980): Bestandsaufnahme V. Schriftstellerkongress VS (Goldmann TB 3955). München.

Gregor-Dellin, Martin; Langenbucher, Wolfgang R.; Schlöndorff, Volker (Hg.) (1976): Das andere Bayern. Lesebuch zu einem Freistaat. München, S. 131-149.

Heidenreich, Gert (1981): Die ungeliebten Dichter. Die Ratten- und Schmeißfliegen-Affäre. Mit einem Nachwort von Bernt Engelmann. Frankfurt am Main.

Jahn, Bruno (Hg.) (2005): Engelmann, Bernt. In: Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Bd. 1. München, S. 251.

Kipphardt, Heinar (Hg.) (1980): Aus Liebe zu Deutschland. Satiren zu Franz Josef Strauß. AutorenEdition, München, S. 78-87.

Knabe, Hubertus (2001): Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien. Berlin/München, S. 306-318.

Köhler, Otto (2004): Neues vom Rosenholz – Altes vom Hakenkreuz. In: Der Freitag, 23. Juli. URL: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/neues-vom-rosenholz-altes-vom-hakenkreuz, (05.03.2017).

Kosch, Wilhelm (2005): Deutsches Literatur-Lexikon. Bd. 7. München/Zürich, Sp. 501.

Peitsch, Helmut (2009): Nachkriegsliteratur 1945-1989. Göttingen, S. 290.

[Register] (1994): Gestorben: Bernt Engelmann. In: Der Spiegel Nr. 16, Hamburg, 18. April. URL: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9280525.html, (05.03.2017).

Schwarzer, Otmar; Baron, Bernhard M. (1994): 10 mal Weidener Literaturtage. Eine Dokumentation. Hg. vom Kulturamt der Stadt Weiden i.d. OPf. Weiden i.d. OPf., S. 8.

Wagenbach, Klaus; Stephan, Winfried; Krüger, Michael (1979): Vaterland, Muttersprache. Deutsche Schriftsteller und ihr Staat seit 1945. Ein Nachlesebuch für die Oberstufe (Quartheft 100). Berlin, S. 300.


Externe Links:

Literatur von Bernt Engelmann im BVB

Literatur über Bernt Engelmann im BVB

Bernt Engelmann in der DDB

Artikel bei Spiegel Online

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