Info
Geb.: 7. 7.1764 in Balgheim
Gest.: 26.3.1835 in Ansbach
Reprint nach einer Lithografie 1848 (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)
Namensvarianten: Michael Tobias Zaunschliefer

Karl Heinrich von Lang

Der Sohn eines 1770 verstorbenen protestantischen Dorfpfarrers wächst bei seinen Verwandten im Nördlinger Ries auf. Nach nicht beendetem juristischen Studium an der Universität Altdorf (1782-85) tritt Lang in den Dienst seines Fürstenhauses, arbeitet in Kanzlei, Bibliothek und Archiv und geht auf Reisen. In Göttingen setzt er 1792 sein Studium fort, wo er sich – von Möser, Spittler, Schlözer und Wekhrlin beeinflusst – zum rigorosen Vertreter der Aufklärung entwickelt. Auf einer seiner Reisen lernt er den Fürsten und späteren Reichskanzler Karl August von Hardenberg kennen, der ihm 1795 die Stelle als Erster Archivar zu Bayreuth und Plassenburg verschafft. Zwei Jahre später wohnt Lang der preußischen Delegation beim Kongress in Rastatt bei, wird kurz darauf Kriegs- und Domänenrat in Ansbach und im Jahre 1806 auf Fürsprache des Grafen Montgelas als Regierungsdirektor des fränkischen Rezatkreises in bayerische Dienste übernommen. Seit 1808 durch Verleihung des Zivilverdienstordens nobilitiert, wird er zudem zum Direktor am neu errichteten Reichsarchiv ernannt. Seine Kritiklust bringt ihm allerdings eine Versetzung nach München ein, wo er 1812 das Adelsbuch des Königreichs Bayern bearbeitet. 1815 kehrt er aus Ärger über die unzureichenden politischen Reformen, auch in Bezug auf Verfassung und Adelsgesetzgebung, in sein altes Amt nach Ansbach zurück. Als „Adelsfresser“ verschrien und nur wenige Wochen nach Montgelas' Sturz fällt er 1817 in Ungnade und wird zwangspensioniert.

In rascher Folge setzt Lang seine schon vorher betriebenen historischen Studien fort; als Regionalhistoriograf und Gründer des Historischen Vereins des Rezatkreises, des ersten regionalen Geschichtsvereins Bayerns, hat er Einblick in die Geschichte der zollernschen Territorien in Franken und der neubayerischen Lande (vgl. seine Neuere Geschichte des Fürstenthums Baireuth, 3 Bde., 1798-1811). Von der Nachwelt geschätzt wird er jedoch wegen seiner scharfzüngigen satirischen Schriften, worin er sich als bedeutsamer Schilderer seiner Zeit erweist. Neben den skurril-witzigen Bildern deutscher Kleinstaaterei, den Hammelburger Reisen in elf Fahrten (1818-33), die wie bei Anton von Bucher Abraham a Sancta Clara zum literarischen Paten haben, sorgen vor allem seine 1830 abgeschlossenen Memoiren (2 Bde., 1842) für Zündstoff. Diese enthalten eine ätzend scharfe Abrechung mit den politischen Gegnern, stellen aber zugleich ein kulturhistorisch aufschlussreiches Dokument für die Entstehung des modernen bayerischen Staates dar. Den Vorwurf der verleumderischen Fälschung trifft Langs Werk deshalb nicht, obgleich seine Zeitgenossen sieben Jahre lang versuchen, den Druck der Langschen Memoiren zu verhindern.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Sicken, Bernhard: Lang, Karl Heinrich Ritter von. In: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 542f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd118726285.html, (18.02.2012).

Weichslgartner, Alois J. (2001): Schreiber und Poeten. Schriftsteller aus Altbayern und Schwaben im 19. Jahrhundert. Bayerland Druckerei und Verlagsanstalt, Dachau.


Externe Links:

Literatur von Karl Heinrich von Lang im BVB

Literatur über Karl Heinrich von Lang im BVB

Karl Heinrich von Lang in der BLO

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