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23.05.2018, 06:36 Uhr
Bernhard M. Baron
AutorInnen-Blog
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Foto: Anastasia Poscharsky-Ziegler.

Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg. Eine Spurensuche in der bayerischen Literatur

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Matthäus Merian (1593-1650): Darstellung des Zweiten Prager Fenstersturzes aus dem Theatrum Europaeum von Johann Philipp Abelinus

Mit dem sogenannten „Prager Fenstersturz“ am 23. Mai 1618 begann vor 400 Jahren der sogenannte Dreißigjährige Krieg, der mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück am 24. Oktober 1648 endete. Er war einer der hässlichsten und unnötigsten Hegemonial- und Religionskriege. In vielen bayerischen Orten ist er im lokalhistorischen Gedächtnis geblieben: „Schwedentrunk“, „Schwedenplatte“, „Kroatenstein“, „Tillyschanze“, aber auch die Wallenstein-Festspiele in Altdorf bei Nürnberg sowie die schwedische Version der „Dinkelsbühler Kinderzeche“ erinnern noch heute daran. Natürlich hat der Dreißigjährige Krieg – der ja aus mehreren Einzelkriegen bestand und zuletzt europäische Ausmaße hatte (mit der Beteiligung von Schweden, Dänemark, der Niederlande, Frankreich, der Schweiz und Spanien) – auch seinen Niederschlag in der deutschen Literatur, speziell der bayerischen Literatur gefunden. Bernhard M. Baron über die literarischen Spuren dieses welterschütternden Krieges.

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Am Anfang steht zweifellos der dickleibige Schelmenroman Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch – 1668 gedruckt in Nürnberg – des Autors Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1621-1676, aus dem hessischen Gelnhausen stammend). Grimmelshausen war gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges als „Regimentssecretarius“ im Regiment Elters, eines Schwagers des Obristen von Schauenburg, in Wasserburg am Inn stationiert. Dort notierte er: „An diesem strengen Fluss hat sich der Siegeslauf der Schweden und Franzosen gestoßen.“ In Bayern ereilte ihn am 24. Oktober 1648 der Friedensschluss. Es gilt als gesichert, dass Grimmelshausen dem besonderen Teil der bayerischen Armee angehörte, der im Winter 1648/49 in der Oberpfalz im Winterquartier lag. Sein „Calender“ erwähnt denn auch am 2. Februar 1649 das „Frühlingsfest“ in der Oberen Pfalz. Im Juli 1649 quittierte er dann in Vilshofen seinen Militärdienst. Seine realen Kriegserlebnisse beschwor Grimmelshausen nochmals später in der Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courasche (1670). Das große Werk des Barock, Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch, gehört bis heute zur Weltliteratur. Thomas Mann lobte es als „Erzählwerk von unwillkürlicher Großartigkeit, bunt, wild, roh [...]“.

Georg Greflinger, Pseudonym Celadon von der Donau (1620-1677), aus dem oberpfälzischen Neunburg vorm Wald, schrieb volkstümliche, zum Teil derb-muntere, gefühlsbetonte Lieder. Als Knabe hütete er die Schafe, während der väterliche Hof von Räubern überfallen wurde. Diese frühe und intensive Kriegserfahrung prägte sein gesamtes späteres Leben. In seinem Der Deutschen Dreyßig-Jährige Krieg. Poetisch erzählet durch Celadon von der Donau (1657) beschreibt der in Regensburg aufgewachsene Protestant Greflinger in Versform die Städte „Augspurg“, das „bewällte Weyden“, die „Trutz Amberg“ und die Burg „Waldeck“.

Wichtiger klerikaler katholischer Dichter ist Jakob Balde (1604-1668), Prediger in Landshut und Amberg, Pfalzgräflicher Hofprediger in Neuburg/Donau, dessen Gedichte das Zeitgeschehen des Dreißigjährigen Krieges in Bayern begleiten. Ein klassischer Repräsentant der Gegenreformation, ist seine Grundeinstellung deutsch-patriotisch, gegen Schweden und Türken gerichtet. Interessant in diesem Zusammenhang ist sein Spätwerk De eclipsi solari (1662, dt. „Die Sonnenfinsternis“). Jakob Balde versetzte die Leser ins Jahr 1654, in ein zwischen Weiden und der Burg Parkstein befindliches Wirtshaus, wo es zwischen Veteranen des Dreißigjährigen Krieges zu einem Duell gekommen war. Der Sieger entfloh in die böhmischen Wälder.

Die Wirren des Krieges führten den protestantischen Pastor und in schwedischen Diensten stehenden Feldprediger Tobias Clausnitzer (1619-1684) vom heimatlichen sächsischen Erzgebirge ins oberpfälzische Weiden, wo er auch nach Kriegsende blieb. Aufgrund seines lyrischen Schaffens stand er den Mitgliedern des Nürnberger Pegnesischen Blumenordens (Georg Philipp Harsdörffer, Johann Klaj) nahe. Sein markantes barockes Konterfei zierte denn auch die übliche Passionsblume. Seine am 1. Januar 1649 vor dem Alten Rathaus in Weiden gehaltene und später in Leipzig gedruckte Friedenspredigt Mit Jesu Dreyfaches Friedens=Kleinodt zur Feier des Westfälischen Friedens machten ihn überregional bekannt.

Mit Icaria (1637) lieferte der Ingolstädter Jesuit Johannes Bisselius (1601-1682) einen amüsanten Reisebericht: die Schilderung einer Flucht vor den Schweden durch die Oberpfalz. Der Schwede ist im Land und bedroht Regensburg. In seinem Bericht verschlüsselte Bisselius oft nur durch Buchstabenumstellung oder Übersetzung ins Lateinische die Orte, die er betrat: Schwandorf heißt Cycnosconum  (von lat. Cycnus = Schwan), Nabburg „Banurgum“, Weiden „Salicesurbs“ oder Neustadt „Neapolidien“. Aus der latinisierten Form „Nabis“ für Naab wird bei Bisselius der Fluß „Banis“.

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Ernest Crofts (1847-1911): Wallenstein: A Scene of the Thirty Years War (Öl auf Leinwand), Leeds Museums and Galleries (Leeds Art Gallery) U.K. / The Bridgeman Art Library.

Friedrich von Schiller, dessen mütterliche Vorfahren aus dem oberpfälzischen Erbendorf stammten, lässt in seinem Werk Wallensteins Tod (1799) den Lärm der Geschütze anklingen: „Von Neustadt oder Weiden schien’s zu kommen“ (4. Aufzug, 3. Auftritt). Auch der fiktive Held Max Piccolomini wird nach Vorbild der realen Schlacht bei Neustadt a.d. Waldnaab von 1634 „in der Klosterkirche bei Neustadt“ beigesetzt (4. Aufzug, 10. Auftritt). Ebenso nahm der oberpfälzische Heimatdichter Oswald Hafner (1806-1882) in seinen Vermischte[n] Gedichten (1828) das Gedicht „Max Piccolomini’s Tod bei Neustadt a.d. Waldnaab“ auf: „Tausend rote Feuer flimmern/ Flackernd in die Nacht herein/ [...].“

Der Freund des grenzübergreifenden Böhmerwaldes Adalbert Stifter (1805-1868) erzählt in seiner Novelle Der Hochwald (1842), wie der Dreißigjährige Krieg (wohl zwischen 1632 und 1634, als die schwedischen Truppen nach Böhmen drängten) das Liebesglück eines Mädchens vernichtet. Die Erzählung ist dabei weniger darauf aus, ein Bild der inneren Verfasstheit des Krieges zu zeichnen. Koloriert werden hingegen die Topoi Wald, Heimat, Schicksal, Werden und Vergehen sowie die Herrlichkeit der Natur, die das Grundgefühl der Stifterschen Geschichte fest ins literarische Biedermeier verankert.

In Nürnberg des Jahres 1631 spielt die Novelle Gustav Adolfs Page (1882) des Zürchers Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898). 1960 wurde sie von Filmregisseur Rolf Hansen mit den früheren Publikumslieblingen Curd Jürgens (Gustav Adolf) und Liselotte Pulver (Gustl Leubelfing) zeitgemäß in Rothenburg ob der Tauber ins Bild gesetzt. Das heldische Pathos der literarischen Vorlage: Ein schwärmerisches Mädchen in Männerkleidern gibt sein Leben für den geliebten Schwedenkönig, ohne ihn jedoch vor dem Schlachtentod bewahren zu können. Schon mit seinem Roman Jörg Jenatsch (1876) über den historischen Bündner Pfarrer und Militärführer hatte sich Conrad Ferdinand Meyer dem Thema Dreißigjähriger Krieg gewidmet.

Die im Jahr 1900 nach München verzogene und mit kleineren Unterbrechungen bis 1927 dort lebende Ricarda Huch (1874-1947) veröffentlichte ihre an Friedrich Schiller angelehnte dreibändige Darstellung Der große Krieg in Deutschland (1912-1914), „die in Vorahnung des I. Weltkriegs eine in Geistverlassenheit versinkende Epoche zeichnet. Dieses opulente Werk wird zum Höhepunkt ihres Schaffens“ (Peter Czoik). Ricarda Huch schrieb ihr wohl bedeutendstes Epos „mit einer solchen Versessenheit, als würde ich meine eigene Geschichte schreiben.“ Damit kreierte sie zum ersten Mal eine neue Form, die sich weder der Literaturgeschichte noch der Geschichtswissenschaft eindeutig zuordnen lässt und deshalb auch von beiden lange ignoriert worden ist: „Huch bietet keinen der herkömmlichen historischen Romane, der die Epoche am exemplarischen Schicksal eines Helden darstellt, sie verfaßt aber auch kein geschichtswissenschaftliches Werk mit Quellennachweisen und Zitaten. [...] [E]s ging ihr um das ‚ewig Menschliche‘ in der Geschichte“, so Eva Chrambach.

Alfred Döblin (1878-1957), Assistenzarzt 1905/06 in der oberpfälzischen „kgl. Kreisirrenanstalt Karthaus Prüll“ (heute Bezirksklinikum Regensburg), war 1916 wegen eines Magenleidens im unterfränkischen Bad Kissingen auf Kur. In einer Zeitungsanzeige las er von den „Gustav-Adolf-Festspielen“. Während seiner Stationierung als Lazarettarzt in Lothringen entstand sein historischer Roman Wallenstein (1920), worin er die realen Bezüge, mitunter den Werdegang der Figuren mit fiktionalen Elementen versieht. An dieser Stelle sei auf die seit 1894 alle drei Jahre im Sommer stattfindenden „Wallenstein-Festspiele“ im Hofe der ehemaligen mittelfränkischen Universität Altdorf bei Nürnberg verwiesen.

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Sebastian Vrancx (1573-1647): Marodierende Soldaten (1647), Deutsches Historisches Museum Berlin.

Von Gertrud Freiin von le Fort (1876-1971), seit 1922 in Bayern wohnhaft (zuerst Baierbrunn im Isartal, ab 1939 Oberstdorf im Allgäu), gestaltete als katholische Konvertitin religiöse und historische Themen im Spannungsfeld von Existenzangst und Mystik (Das Schweißtuch der Veronika, 1928). 1937 erschien ihr packender Roman Die Magdeburgische Hochzeit, wo sie das Bild von der „jungfräulichen“ Stadt Magdeburg zeichnet, die sich ihrem „Freier“, dem katholisch-bayerischen Feldherrn Tilly, nicht ergeben will. „Gertrud von le Fort setzt den Untergang der Stadt in kunstvoll symbolische Beziehung zum Schicksal eines jungen Paares, das in den umkämpften Mauern Hochzeit halten will“ (Friedemann Bedürftig).

Was würde im Werk des Augsburger Dichters Bertolt Brecht (1898-1956) das Fehlen des Dreißigjährigen Krieges bedeuten? In Anlehnung an Grimmelshausen schrieb „B. B.“ seine szenische Bänkelsangsballade Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg (UA 1941 in Zürich). Am Ende hat die Marketenderin Courage ihre Kinder und fast alle Habe verloren, spannt sich aber unverdrossen selbst vor ihren Karren: „Ich muss wieder in’n Handel kommen.“ Brechts Fazit gilt noch heute: „Die Masse [...] lernt so wenig aus der Katastrophe, wie das Versuchskarnickel über Biologie lernt.“ Seine Notiz zur Berliner Aufführung von 1949 lautet: „Die Courage [...] erkennt [...] das rein merkantile Wesen des Krieges.“

Eine der glänzendsten Erzählungen von Günter Grass (1927-2015) ist wohl Das Treffen in Telgte (1979), in dem er gewollt ein fiktives Literatentreffen anno 1647 parallel zu den Sitzungen der Schriftsteller-Gruppe 47 skizziert. Simon Dach, der damalige Organisator steht hier stellvertretend für Hans Werner Richter. Grass verschlüsselt die barocke Dichter-Phalanx. Unter den namhaften deutschsprachigen Dichtern, die anreisen, befindet sich auch der Oberpfälzer Georg Greflinger, der Züge von Rudolf Augstein trägt. Ironischerweise geht das 1647 in Telgte beschlossene Autoren-Communique bei einem Brand des Tagungshauses verloren, und Günter Grass resümiert in seiner Novelle treffend: „so blieb ungesagt, was doch nicht gehört worden wäre.“

1996 erschien posthum das Gedicht Kroatenstein des Weidner Pädagogen, Lyrikers und Romanciers Franz Joachim Behnisch (1920-1983) auf das gleichnamige rätselhafte Steinkreuz mit geheimnisvollen Buchstaben, gesetzt auf der historischen Alten Hochstraße, die vom Zollhaus durch den Wald des Weidner Fischerberges nach Letzau in die Landgrafenschaft  Leuchtenberg führt. Der Sage nach soll dort ein kroatischer Offizier während des Dreißigjährigen Krieges begraben worden sein.

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In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts setzte eine große Welle von historischen Romanen und Jugendbüchern zur Thematik des Dreißigjährigen Krieges ein. Aus der Fülle sind besonders erwähnenswert: die spannend-faszinierenden Schwarzen Reiter. Eine Kriminalgeschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg (1997) des Niederbayern Manfred Böckl (Jg. 1948) über geheimnisvolle Reiter, die dem schwedischen Herrscher den Untergang bringen; oder Die Schatten von La Rochelle (1996) der Bambergerin Tanja Kinkel (Jg. 1969), die den Leser ins Jahr 1640 nach Frankreich führt; oder Wenn die Liebe nicht endet (1986) von Charlotte Link (Jg. 1963), die ab 1986 in München studierte. Bayern wird hier zum Handlungsort im Dreißigjährigen Krieg mit einer „weiblichen“, nach Böhmen führenden Klosterflucht.

Interessant aktuell ist auch der vom gebürtigen Münchner Schriftsteller Daniel Kehlmann (Jg. 1975) in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges versetzte Schelmenroman Tyll (2017), der geographisch ebenfalls in Bayern beginnt.

Von Tilmann Röhrig (Jg. 1945), der seine Kindheitsjahre in Bad Tölz verbracht hat, stammt ferner der nachdenkliche Jugendroman In dreihundert Jahren vielleicht (1983), der in einem Dorf des Jahres 1641 spielt. Nur die Erwachsenen wissen noch, wie es ist, in Friedenszeiten zu leben. Auf die Frage seiner sterbenden Schwester, die Opfer eines Soldatenüberfalls wurde, wann denn Frieden sein und es keine Soldaten mehr geben würde, antwortet der vierzehnjährige Tobias: „Bald. So in hundert oder zweihundert Jahren. Aber bestimmt in dreihundert Jahren. Bald, Anne!“ Trotz alledem ist Tilmann Röhrig kein pessimistischer Autor. Sein 1984 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnetes Buch endet mit dem Appell an uns alle: „Nicht allein sein ist ein Anfang!“


Sekundärliteratur:

Burkhardt, Johann (1992): Der Dreißigjährige Krieg. Frankfurt am Main.

Kleinhubbert, Guido (2018): Geschichte: Weltenbrand. Es war eine Zeit der religiösen Wirrungen und der Fake News, der Flüchtlingsdramen und Wetterkapriolen – der Dreißigjährige Krieg, der vor 400 Jahren begann, wirkt erstaunlich aktuell. In: Der Spiegel Nr. 19, 5. Mai, S. 104-112.

Piper, Nikolaus (2017): Wie der Dreißigjährige Krieg die deutsche Wirtschaft bis heute prägt. In: Süddeutsche Zeitung (München), 29. Dezember. URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsgeschichte-wie-der-dreissigjaehrige-krieg-die-deutsche-wirtschaft-bis-heute-praegt-1.3809028, (03.01.2018).

Schmidt, Georg (2006): Der Dreißigjährige Krieg. München.

Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (2004): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Dachau.

Quellen:

Alfred Döblin: Wallenstein. Historischer Roman. Berlin 1920.

Ricarda Huch: Der Dreißigjährige Krieg. Leipzig 1929 (Neuaufl. von Der große Krieg in Deutschland. Historischer Roman. Bd. 1-3. Leipzig 1912/14).

Dies.: Wallenstein. Eine Charakterstudie. Leipzig 1915.

Golo Mann: Wallenstein. Sein Leben erzählt von Golo Mann. Frankfurt am Main 1971.

Herbert Rosendorfer: Deutsche Geschichte. Ein Versuch. Bd. IV: Der Dreißigjährige Krieg. München 2004.

Friedrich Schiller: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Berliner Ausgabe. Berlin 42016 (Nachdr. der Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs. Frankfurt und Leipzig 1792).


Kommentare

Wolfsmehl am 28.05.2018 um 17:06

Mit großem Interesse habe ich Bernhard M. Barons Autoren-Blog über den Dreißigjährigen Krieg gelesen. Dessen Spurensuche in der bayerischen Literatur macht Heimat lebendig. Das Gemälde von Sebastian Vrancx sagt mehr als tausend Worte. Die Urkatastrophe der Deutschen vererbt sich zuverlässig fort, erklärt extreme Staatsgläubigkeit, Duckmäusertum, den Erfolg politischer Rattenfänger. Wie lässt Schiller in Wallensteins Tod III sagen: „... Es ist der Geist, der sich den Körper baut.“



Thomas Bäumler am 29.05.2018 um 07:15

Vielen Dank, lieber Herr Baron, für den wunderbaren Abriss der Literaturgeschichte des Dreißigjährigen Krieges, hat dieser doch unsere Oberpfalz auch in Besonderen heimgesucht und sich in den Menschen sicher epigenetisch engrammiert. Wie heißt es im alten Kinderlied: “d'Schweden san kumma, hom alles mtgnumma, d'Leit homs daschlogn, hom all's davotrogn...“



Benno Hurt am 16.06.2018 um 14:19

Lieber Bernhard, ein Glück für alle „nicht billig und gerecht Denkende“ (BGH, Urteil vom 3. 7. 1967), dass Du „nur“ Literaturermittler und nicht Staatsanwalt bist. Wo immer sie sich versteckt hielten, sie wären nicht sicher vor Dir. Was Du in den vergangenen Jahren in Waldsassen, Weiden, in irgendwo, wo Hase und Fuchs sich gute Nacht sagen, in Sachen Literatur ans Licht gebracht, in den passenden Zusammenhang gestellt und niedergeschrieben hast, das liest sich spannender als jede Strafakte und beweist, dass die ganze Welt sich noch im Kleinsten und Entlegensten abbildet, wenn man nur, so wie Du, richtig darauf zeigt. Und so wünsche ich uns, dass Du weiter allgegenwärtig bleibst, wie die Parkuhrkontrolleurin am Emmeramsplatz in Regensburg oder der Staub in den Südstaatenromanen eines William Faulkner. Benno Hurt (ehemals Staatsanwalt und Richter)



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