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Brunnen im Klostergarten (c) Sylvia Heudecker/Schwabenakademie
Klosterring 4
87660 Irsee
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 9–12.30 Uhr und 14–17 Uhr
Telefon: 08341/906 661
Fax: 08341/906 669
Website
E-Mail: buero-noSpam-[at]schwabenakademie-noSpam-.de

Schwabenakademie Irsee

Aus einer Einsiedlergemeinschaft im Eiberger Wald entwickelt sich um das Jahr 1182 unter Förderung des Markgrafen Heinrich von Ronsberg ein Benediktinerkloster. Der Konvent findet auf dem Irseer Burgberg die erste Heimstätte. Bereits zehn Jahre später werden Kirche und Kloster am Fuße des Berges, am heutigen Standort, neu errichtet. Ab 1699 wird die Klosterkirche, auch aufgrund von Baufälligkeit, nach Plänen von Franz Beer neu gebaut; Abt Willibald Grindel errichtet in den folgenden Jahrzehnten die übrigen Gebäude der Anlage in barockem Stil neu.

Im Zuge der Säkularisation wird das Kloster im Jahr 1802 aufgelöst. Verschiedene städtische Behörden, darunter das Rentamt, und deren Beamte beziehen die Gebäude; die Abteikirche dient fortan als Pfarrkirche. Nach dem Auszug des Rentamts im Jahr 1828, sucht der Staat vergeblich Käufer für die leer stehende Klosteranlage. 1832 beschließen die Vorläufer der späteren Regierung und des Bezirkstags von Schwaben für Irsee die Einrichtung einer „Kreisirrenanstalt“. 1849 eröffnet, stößt die für damalige Begriffe moderne Anstalt rasch an Kapazitätsgrenzen. Daher werden bald Planungen für einen psychiatrischen Neubau in Kaufbeuren unternommen, der 1872 eröffnet wird. Irsee wird zur Außenstelle der Kaubeurer Anstalt.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten kommen im Rahmen des „Euthanasie“-Programms in den psychiatrischen Kliniken Kaufbeuren und Irsee mehr als 2000 Menschen zu Tode. Seit August 1940 werden Patienten zur Ermordung in KZs abtransportiert, später tötet man sie vor Ort durch Giftspritzen oder Hungerkost. Eine Skulptur des Künstlers Martin Wank erinnert seit 1981 an diese Opfer der NS-Biopolitik.

In der Nachkriegszeit wird die Heil- und Pflegeanstalt vom Bezirk Schwaben weiter geführt. Als die Anlage erneut als baufällig eingeordnet wird, entscheidet sich der Bezirk im Jahr 1964 zum Abbruch des Klosters. Weitere Jahre vergehen, ohne dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Endlich setzt sich der Denkmalschutz durch: Von 1974 bis 1981 wird die Anlage aufwändig saniert und restauriert. Seit 1981 beheimatet das einstige Reichsstift das Schwäbische Tagungs- und Bildungszentrum und seit 1982 die Schwabenakademie.

Irseer Impressionen (c) Schwabenakademie

Die Gründung der Schwabenakademie erfolgt in bewusster Rückbindung an die Blütezeit des Irseer Benediktinerklosters in der Barockzeit. Irsee war damals zu einem bedeutenden süddeutschen Geisteszentrum aufgestiegen. Die Irseer Benediktiner taten sich als Forscher hervor, als Gelehrte und Künstler, und zwar nicht nur auf den Gebieten der Spiritualität und Theologie, sondern auch in Musik, Malerei und Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie. Das Kloster war Heimat so bedeutender Künstlerpersönlichkeiten wie Meinrad Spieß, ausgezeichneter Chor-und Orgelkomponist, und Magnus Remy, renommierter Maler, der nicht zuletzt das Irseer Kloster ausgestaltete.

Treppenaufgang, Blick von oben und barocke Stuckelemente (Harald Langer, xl-foto)

Getragen wird die Schwabenakademie gemeinsam vom Bezirk Schwaben und vom Schwäbischen Volksbildungsverband. Als Akademie im neuzeitlichen Sinn des Wortes ist sie eine Einrichtung zur Förderung von Bildung und Kunst einerseits, von Wissenschaft und Forschung andererseits. Wesentliches Strukturprinzip ist der Dialog: ein geistiger Austausch, der alle Gebiete der Kultur umfasst.

Das Programm der Schwabenakademie umfasst alle Bereiche der kulturellen Erwachsenenbildung. Ihren wichtigen Namen in der bayerischen Literaturlandschaft verdankt sie insbesondere zwei Veranstaltungen. Die eine ist das Autorentreffen Irseer Pegasus, das 1998 erstmals ausgerichtet wurde und bei dem Autorinnen und Autoren gemeinsam mit einer Jury über ihre Texte diskutieren. In jedem Jahr wird in diesem Rahmen auch der gleichnamige Literaturpreis vergeben. Den Irseer Pegasus veranstaltet die Schwabenakademie gemeinsam mit dem Verband Deutscher Schriftsteller in Bayern. Der Schwäbische Kunstsommer, eine der ältesten Sommerakademien der schönen Künste, ist das zweite bedeutende Literaturforum der Einrichtung. Er bietet seit 1988, also von Beginn an, immer auch literarische Meisterklassen an.


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