Info

Das erste Allgäuer Literaturfestival bleibt in Erinnerung

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbblogs/instblog/2016/klein/Irsee Nora Gomringer Philipp Scholz 2_500.jpg
Nora Gomringer und Philipp Scholz am Eröffnungsabend des ersten Allgäuer Literaturfestivals im Kloster Irsee © Schwabenakademie Irsee

Begegnungen, die in Erinnerung bleiben – das Allgäuer Literaturfestival 2016 bot an 13 Tagen und Abenden seinen rund 1.800 großen und kleinen Besuchern nicht nur ein breites Spektrum an literarischen Genres und Erzählweisen, sondern auch den direkten Kontakt mit vielen Autorinnen und Autoren, die auf ganz unterschiedliche Weise ihr Publikum begeisterten.

*

Einen furioseren Auftakt hätte das Festival kaum nehmen können: Die Wortakrobatin Nora Gomringer, in der Nacht erst von einer Asienreise zurückgekehrt, begeisterte das Premierenpublikum im Kloster Irsee mit Wortwitz und gestenreicher Mimik, während ihr Philipp Scholz mit der stoischen Gelassenheit des Jazz-Trommlers den rhythmischen Teppich auslegte. Gert und Julian Heidenreich warfen sich in einer Vater-Sohn-Performance die lyrischen und musikalischen Bälle zu und widerlegten in der Lindenberger Hutfabrik das Diktum des Sohnes, der einmal zu seinem Vater gesagt hatte, auf Deutsch könne man doch keine Poesie schreiben. Während sich in Immenstadt und Mindelheim die Poetry-Slam-Szene duellierte, trug Mastermind Bas Böttcher im ausverkauften Kaffeehaus in Kempten auch einen Kaffeehaus-Text vor.

Überhaupt begeisterten die sorgfältig ausgesuchten Lesungsorte das Publikum: In Ottobeuren, im Museum für zeitgenössische Kunst, erzählte Axel Hacke über seine erste Kolumne, den „Kleinen Erziehungsratgeber“, da ertönte im Saal lautes Babygeschrei. Georg Ringsgwandl machte im historischen Kurtheater von Bad Wörishofen fast drei Stunden Programm, weil sich sein Publikum so gut amüsierte. Um zu Wolfgang Schorlaus Lesung in Memmingen zu gelangen, standen die Leute Schlange vor dem Landgericht und ließen geduldig eine Leibesvisitation über sich ergehen. Matthias Nawrat schwärmte in der wunderschönen Stadtbibliothek von Füssen von fränkischen Biersorten und seinem lakonischen Opa Jurek, Lena Gorelik führte durch die Literaturgeschichte und erzählte im Refektorium des Alten Schlosses von Bad Grönenbach von den Stimulantia und Marotten der Dichter, Tobias Elsäßer jammte mit den Nachwuchsmusikern von Buchloe und Nicola Förg schilderte in der ehemaligen Tenne des Oberstaufener Heimatmuseums, wie mafiöse Strukturen die scheinbare Idylle alpenländischer Landwirtschaft durchziehen.

Zum Ausklang trug Krimiautor Friedrich Ani im Foyer der Meckatzer Brauerei in Heimenkirch, passend zur Europameisterschaft, mit äußerster Hingabe den Monolog eines verwirrten Fußballtrainers vor und, als Hommage an den genius loci, die Rede eines Stammgastes der bayerischen Kneipen-Kultur. All dies konnte man beim Allgäuer Literaturfestival erleben!

Friedrich Ani und der künstlerische Leiter des Festivals, Thomas Kraft, am letzten Abend in Heimenkirch © Allgäuer Literaturfestival

„Das Allgäuer Literaturfestival war ein herausragender Erfolg“, so Sylvia Heudecker im Namen der Veranstalter. „Mit dem großen Einsatz des Festivalteams, der Partner und Unterstützer wurde die Grundlage dafür gelegt, dass das Allgäuer Literaturfestival einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Kulturregion Allgäu erhalten wird.“ Thomas Kraft, künstlerischer Festivalleiter, ergänzte: „Es war einfach wunderbar! Allein hätten wir das nicht gestemmt, großen Dank an alle Mitwirkenden!“

Das Allgäuer Literaturfestival wurde veranstaltet von Projektpartnern in 13 Allgäuer Kommunen mit Unterstützung des Kulturfonds Bayern, der LEW Lechwerke, des Bezirks Schwaben, der Landkreise Unter- und Ostallgäu, der Allgäu GmbH sowie der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung. Hinzu kommen zahlreiche Unterstützer der lokalen Veranstaltungen. Trägerin des Allgäuer Literaturfestivals ist die Schwabenakademie Irsee.