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20.06.2016, 10:39 Uhr
Redaktion
Gespräche

Interview mit Dr. Sylvia Heudecker, Organisatorin des Allgäuer Literaturfestivals

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Dr. Sylvia Heudecker, Organisatorin des Allgäuer Literaturfestivals (c) Schwabenakademie Irsee / Franz Issing

Dr. Sylvia Heudecker ist Studienleiterin der Schwabenakademie Irsee und Organisatorin des Allgäuer Literaturfestivals, das vom 31. Mai bis 11. Juni 2016 zum ersten Mal stattgefunden hat. Im Gespräch mit dem Literaturportal Bayern zieht sie Bilanz, spricht über persönliche Höhepunkte und gibt einen Ausblick auf die Planungen für 2017.

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Literaturportal Bayern: Das Allgäuer Literaturfestival hat 2016 zum ersten Mal stattgefunden. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Sylvia Heudecker: Bei allen Veranstaltungen war die Stimmung ausgezeichnet. Das Publikum hörte unglaublich aufmerksam zu, gab viel Beifall und quittierte gute Unterhaltung mit ausgiebigem Lachen. Weil die Formate vielfältig waren – Lesung mit oder ohne Moderation, Spoken Word, Crossover von Literatur und Musik, Poetry Slam und anderes mehr –, entfaltete jede Veranstaltung ihren eigenen Charakter.

Wir haben offenbar das richtige Programm fürs Allgäu zusammengestellt. Denn das literaturinteressierte Publikum ließ sich bereitwillig in die Veranstaltungen locken. An unseren 13 Veranstaltungsorten zählten wir insgesamt etwa 1800 Festivalgäste. Einige Mitveranstalter hatten volles Haus, sie hätten noch weit mehr Karten verkaufen können, wenn Plätze vorhanden gewesen wären. Überall waren die Verantwortlichen absolut zufrieden mit dem Erfolg.

Die Idee, im Rahmen eines Literaturfestivals prominente Autorinnen und Autoren mit ihren aktuellen Texten ins Allgäu zu holen, ist aufgegangen. Unser öffentlicher Auftritt in Print und online kam sehr gut an. Er spiegelt offenbar ganz überzeugend die Verbindung von anspruchsvoller Literatur und der Region Allgäu als Bühne wider. Das Medieninteresse im Vorfeld war hervorragend und hat bestens für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt.

 



Nora Gomringer: „Peng! Du bist tot!“ in der Schwabenakademie Irsee (c) Schwabenakademie Irsee

LPB: Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?

SH: Besondere Erwartungen habe ich natürlich mit der Auftaktveranstaltung in Irsee verbunden. Wir hatten vor dem eigentlichen Programmbeginn mit Nora Gomringer und Philipp Scholz zu einem kleinen, feierlichen Empfang eingeladen. Gekommen sind Mitveranstalter, Sponsoren, Politiker sowie Unterstützer des Allgäuer Literaturfestivals. Der Charme dieses allgäuweiten Kooperationsprojekts sollte mit den Sinnen greifbar werden, und das ist auch gelungen.

Der folgende Auftakt im Festsaal von Kloster Irsee mit „Peng! Du bist tot!“ war beeindruckend. Nora Gomringers Performance als Lyrikerin reißt einfach mit: Stimmlich-sprecherisch, mimisch, gestisch setzt sie ihre Dichtung in Szene. Philipp Scholz, der Jazz-Schlagzeuger an ihrer Seite, kann dieser inszenatorischen Wucht aber wunderbar standhalten. Das lyrisch-musikalische Gespräch dieses Abends ließ das Publikum erleben, wovon das Allgäuer Literaturfestival überzeugt ist: Gute Literatur kann jeden begeistern.



Volles Haus bei Tobias Elsässer in Buchloe, der aus seiner Liebesgeschichte Zwischenlandung las. (c) Herbert Wintersohl

LPB: Können Sie uns das Konzept des Allgäuer Literaturfestivals erklären?

SH: Das Allgäuer Literaturfestival bringt einmal im Jahr renommierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit ihren aktuellen Büchern ins Allgäu. Der auf etwa 2 Wochen begrenzte Veranstaltungszeitraum im Mai/Juni garantiert hohe öffentliche Aufmerksamkeit. Ein wesentliches Ziel des Festivals ist es, dass sich die literarische Kultur, wie sie sonst ganz überwiegend in den Metropolen stattfindet, eine Heimat in der Region schafft.

Dass wir das Projekt in einer doch recht weitläufigen Region realisieren können, verdankt sich den Kooperationspartnern, auf die wir zählen können. Viele Institutionen im Allgäu sind erfahren im Organisieren und Durchführen von Kulturveranstaltungen. Sie sind die zuverlässigen Partner vor Ort.

Gelesen wird an (kultur-)historisch bedeutenden Orten, die durch ihre geschichtliche Relevanz und/oder ihren architektonischen Reiz attraktive Anziehungspunkte darstellen. Dabei werden die Projektpartner versuchen, in jedem Jahr neue Bühnen für ihre lokale Festivallesung zu finden. Wir gehen davon aus, dass auch ein Teil der Projektpartner Jahr für Jahr wechselt. Dadurch kann die Teilnahme selbst für kleinere Allgäuer Gemeinden attraktiv werden.

Wichtiger Baustein des Allgäuer Literaturfestivals sind die variierenden Formate der Lesungen. Neben dem Crossover von Literatur und Musik, dem eine besondere Bedeutung zukommt, sind wir auch für das Einbeziehen anderer Kunstformen offen (Bildende Kunst, Theater, Film u.a.). Die besonderen Lesungsformate sowie die reizvollen Veranstaltungsorte sollen ein breites Publikum ansprechen.

Damit das Ganze aus einem Guss ist, haben wir Dr. Thomas Kraft als künstlerischen Leiter engagiert.

Vom Allgäuer Literaturfestival erwarten wir außerdem Synergieeffekte, die über die Veranstaltungswochen hinausgehen. Das Festival soll Aufmerksamkeit für bereits vorhandene literarische Angebote schaffen und Impulse für Neues geben. So planen wir, in den nächsten Jahren eine „Literarische Landkarte des Allgäus“ zu erstellen. Dazu ist das Engagement der Bevölkerung notwendig, die in Arbeitsgruppen das literarische Leben des Allgäus sichtbar machen. Eine Kooperation mit dem Literaturportal Bayern ist schon angedacht.



Axel Hacke liest im Museum für Zeitgenössische Kunst Diether Kunerth in Ottobeuren. (c) Brigitte Unglert-Meyer

LPB: Ein kurzer Ausblick: Wird es 2017 wieder ein Allgäuer Literaturfestival geben?

SH: In der Tat, 2017 soll es weitergehen! Während des diesjährigen Festivals hörte ich im Anschluss an die Lesungen mehrfach „Nächstes Jahr könnten wir dann...“. Das bestätigt natürlich den Plan, mit dem wir ohnehin an den Start gegangen sind: Ein Literaturfestival dieser Größenordnung braucht Zeit, um sich zu entwickeln.

Viele Mitveranstalter haben bereits zugesagt, im nächsten Jahr wieder mitzumachen. Daher wird das Programm entweder in ähnlichem Umfang wie 2016, vermutlich aber noch vielfältiger aussehen. Neben vertrauten Projektpartnern werden sicher einige neue mit von der Partie sein.

Der Veranstaltungszeitraum wird vermutlich wieder wie in diesem Jahr liegen, ab Mitte Mai bis Anfang Juni. Das an Literatur interessierte Publikum kann sich also schon jetzt auf rund zwei Wochen Allgäuer Literaturfestival freuen!


Externe Links:

Allgäuer Literaturfestival

Programmheft 2016

Schwabenakademie Irsee


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