Nürnberg: Irrhain des Pegnesischen Blumenordens

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Der Irrhain bei seiner Anlage im Jahr 1676

Der bis heute bestehende Pegnesische Blumenorden verschreibt sich zu seiner Gründung der Pflege der deutschen Sprache und der barocken Schäferdichtung. Seit 1678 treffen sich seine Mitglieder im „Irrhain“ in Nürnberg. Der einstige Irrgarten wird in den Jahrhunderten jedoch immer mehr vereinfacht, sodass sein Name heute nicht mehr Programm ist.  

Der Nürnberger Jurist und Schriftsteller Georg Philipp Harsdörffer und der Theologiestudent Johann Klaj, der eben aus seiner Heimatstadt Meißen nach Franken gekommen ist, gründen 1644 den Pegnesischen Blumenorden. Als Namensgeber sowie Ort der Versammlung und des poetisch-naturnahen Flanierens fungiert eine Halbinsel an der Pegnitz, „Poetenwäldchen“ genannt.

Als der Besitzer dieses Grundstücks den Platz durch einen Zaun unzugänglich macht, trifft man sich übergangsweise im Haus „Zum halben Mond“, das dem Mitglied Andreas Ingolstätter gehört. Zurück in die Natur verhilft dem Blumenorden – der mittlerweile von dem hervorragenden ‚Netzwerker’ Sigmund von Birken, dem einzigen freien Schriftsteller des Barock, geleitet wird – schließlich Martin Limburger, selbst seit 1644 Mitglied und Pfarrer in Kraftshof: 1676 macht er den Vorschlag, einen durch Abholzung zum Gestrüpp verkommenen Eichenhain in der Nähe seines Dorfes, das im Norden von Nürnberg liegt, zum Irrgarten auszubauen und fortan dort die Treffen der dichtenden Pegnitzschäfer abzuhalten. 1678 sind die Arbeiten am Irrhain abgeschlossen, 1681 erreicht den Orden die offizielle Bestätigung, dass sie das Grundstück zu ewigem Lehen erhalten.

Der Irrhain besteht anfangs aus ungleichmäßig verteilten Wegen und Wiesen, als Treffpunkte dienen mehrere Lauben und eine Gesellschaftshütte. In einem Teil des Gartens liegt ein Zickzackweg, der als Schlangengang bezeichnet wird, in einem anderen der Irrwald mit Gedenksteinen.

Doch diese ursprüngliche Gestalt büßt der Irrhain im Laufe der Jahrhunderte ein: 1796 wird der Schlangengang aufgelassen, 1802 folgen weitere Vereinfachungen, und 1878 wird die Wegführung derart vereinfacht, dass niemandem mehr das Verirren droht. Im Zweiten Weltkrieg wird der Irrhain beschädigt, er verwildert zeitweise und wird erst in den 1990er Jahren teilweise restauriert und an verschiedenen Stellen um Gedenktafeln ergänzt. Sogar das alljährliche Irrhain-Fest findet mehrmals statt – bis im Mai 2008 die Nutzung des Wäldchens als Veranstaltungsort unmöglich wird, da die Haftpflichtversicherung das Risiko nicht länger trägt, aufgrund der Gefährdung durch stehendes Totholz, von dem aus 30 Metern Höhe zentnerschwere Äste herab stürzen. In den Eichen im Irrhain leben Eremiten (Juchtenkäfer), weshalb das Gelände als europäisches FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) ausgewiesen ist. 

Der Pegnesische Blumenorden besteht bis heute. 

Sekundärliteratur:

Jürgensen, Renate (2006): Melos conspirant singuli in unum: Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg (1644-1744). Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden.

Scheitler, Irmgard (2007): Poesie und Musik im Umfeld der Nürnberger Pegnitzschäferinnen. Nürnberg als „Ort kulturellen Handelns“. In: Rode-Breymann, Susanne (Hg.): Orte der Musik. Kulturelles Handeln von Frauen in der Stadt. Böhlau Verlag, Köln u.a., S. 35-65.


Externe Links:

Website Pegnesischer Blumenorden e.V.

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