Info
Geburtsjahr: 1639
in Preßburg/Pozsony
Gest.: 30.11.1715
Titel: Dr. jur.
Namensvarianten: Christian Heuchel, Heichelin, Heychelin

Christian Heuchelin

Der aus dem ungarischen Preßburg/Pozsony stammende Jurist Christian Heuchelin ist Sekretär der Reichsritterschaft in Franken und seit 1679 Mitglied der Oettinger Blumengenossen. Sein Vater N. Heuchelin ist wie sein aus Lauingen gebürtiger Großvater Simon Heuchelin lutherischer Prediger in Preßburg.

Von 1658 bis 1662 studiert Christian Heuchelin in Altdorf, im September 1662 schreibt er sich an der Universität in Straßburg, 1663 in Tübingen ein. Heuchelin hält sich bereits 1655 in Nürnberg auf; er beteiligt sich zusammen mit Christoph Franck an der Hochzeitsschrift für Pfarrer Christian Schröttel und Maria Magdalena Zanner. 1660 disputiert er unter dem Vorsitz von Johann Paul Felwinger und schickt ein Jahr später seinen Eltern ein Gedicht zum Tode seiner Schwester Clara Heuchelin.

Zur Geburt ihres dritten Sohnes verfasst Heuchelin ein Gratulationsgedicht für Markgräfin Johanna Elisabeth von Brandenburg-Ansbach (1651-1680). 1678 wendet er sich brieflich an den Pegnitzschäfer Sigmund von Birken, der ihm zwei Traktate zukommen lässt. Am 27. November 1679 dankt er dem Ordenspraeses für das übersandte Schäferband. Heuchelin ist damit in den engeren Kreis des Pegnesischen Blumenordens aufgenommen, zur Blume erhält er die Aloe mit folgender Beischrift:

Mein Leben auf der Erd gleicht einer Aloe/
Blüht jenes noch so hoch? so ist es doch mit Weh/
Mit Stachel-Blättern und mit Bitterkeit umgeben;
Das aber ist mein Trost/ ich weis ein beßres Leben/
Das giebt mir nicht die Erd/ der Himmel doch gewiß/
Da wächst für Aloe/ der Freuden Engelsüß.

Bekannt wird Christian Heuchelin vor allem durch seine Opernlibretti für das Hoftheater in Ansbach, darunter Die triumphierende Treue (1679) nach italienischem Vorbild (Musik: Johann Löhner). 1680 folgt dann unter seinem Pegnitzdichter-Pseudonym „Lysander“ sein Schäferspiel Die obsiegende Christenlieb, zu einem Sing- oder Misch-Spiel unterthänigst aufgesetzt, aber auch das Singspiel Der unwissende keusche Liebes-Genuß ENDYMIONS und HYPERIPPE. Es ist offenbar Birkens Theorie eines christlichen Schauspiels, die Heuchelin zur Abfassung einer Schäferkomödie veranlasst (vgl. Brief an Birken vom 19. Februar 1680). Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der zeitgenössischen französischen und italienischen Hofkultur.

Speziell für die Oettingischen Prinzessinnen schreibt Heuchelin im selben Jahr noch das Poetische Räthsel Lust-Gärtlein, zu sinn-reicher Gemüths-Ergötzung. 1682 widmet er den Prinzessinnen Dorothee Charlotte und Eleonore Juliane von Brandenburg-Ansbach sowie Gräfin Sophie Louise von Wolfstein seine Übertragungen von zwei Liebesgeschichten: Die Triumphirende Freundschafft und Die Reise der Königin in Hispanien nach Jean de Préchac (1647-1720). Ob Heuchelin unter dem Pseudonym „Isidore Fidele“ noch weitere Übersetzungen zugeschrieben werden können, bleibt ungewiss.

1695 taucht sein Name unter den Widmungsempfängern der Disputation De apoplexia von Christian Helwich (1666-1740) auf, einem christlichen Schriftsteller und Stadtphysikus zu Breslau.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Deutsches Literatur Lexikon (DLL). Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch, fortgeführt von Carl Ludwig Lang. 3., völlig neu bearb. Aufl. 1968ff. Ca. 33 Bde. und 6 Ergänzungsbde. Erg.-Bd. 5. Bern und Zürich, S. 25.

Jürgensen, Renate (2006): Melos conspirant singuli in unum: Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg (1644-1744). Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, S. 487f.

Pörnbacher, Karl (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 128.


Externe Links:

Literatur von Christian Heuchelin im BVB

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