Info
Geb.: 12.12.1892 in München
Gest.: 27.7.1960 in Garmisch-Partenkirchen
Liesl Karlstadt bei einer Aufführungsprobe von "Das Feuerwerk" von Erik Charell und Jürg Amstein, 8. Dezember 1952 - Januar 1953 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)

Liesl Karlstadt

Liesl Karlstadt wird als fünftes Kind des Bäckers Ignaz Wellano und seiner Frau Agathe, geb. Edenhofer, in München geboren. Ihr bürgerlicher Name ist Elisabeth Wellano. Nach dem Besuch der Volksschule macht sie eine Lehre als Verkäuferin im Textilgeschäft Eder am Viktualienmarkt, arbeitet als Verkäuferin im Warenhaus Tietz und tritt ab 1910 als jugendliche Soubrette bei einer Münchner Volkssängertruppe im Frankfurter Hof auf. 1911 begegnet sie Karl Valentin, der ihr außergewöhnliches Talent zur Komikerin sofort erkennt. 1913 beginnt ihre Zusammenarbeit. Sie drehen ihren ersten gemeinsamen Film, Karl Valentins Hochzeit, treten mit ihrer ersten gemeinsamen Szene, Alpenveilchen-Terzett, auf und erfinden den Künstlernamen Liesl Karlstadt.

1915 übernimmt Liesl Karlstadt, zusammen mit Karl Valentin, die Direktion des Kabaretts Wien-München im Hotel Wagner. Die beiden gastieren in allen wichtigen Münchner Kabaretts mit Couplets, Solovorträgen und Szenen. 1918 verkörpert  Liesl Karlstadt zum ersten Mal die Rolle des Kapellmeisters in Die komische Kapelle (auch unter den Titeln Tingel-Tangel, Theater in der Vorstadt, Die Orchesterprobe, Vorstadtorchester bekannt), die, neben dem Firmling, ihre berühmteste Männerrolle wird.

Liesl Karlstadt ist nicht nur die kongeniale Bühnenpartnerin Karl Valentins, sondern auch die Mitverfasserin der bekanntesten Stücke, wie ihr Nachlass im Münchner Literaturarchiv Monacensia belegt. Ihre Mitautorenschaft ist auch rechtlich in einem Vertrag fixiert, den der Piper Verlag mit der Valentin-Erbin abgeschlossenen hat. Er bezieht sich u. a. auf so bekannte Werke wie Der Firmling, Raubritter vor München und Vorstadtorchester. Alle Stücke des Komikerpaars haben ihren Ursprung in der Improvisation und sind nachträglich schriftlich fixiert worden. Der österreichische Journalist und Essayist Anton Kuh hat diese Arbeitsweise 1928 selbst beobachtet und in seinem Artikel „Der Valentin ist da! Eine Beschreibung mit Hindernissen“ (undatiert, Bühnenalbum Liesl Karlstadt) wiedergegeben: „Karl Valentin und Liesl Karlstadt, seine mitvergiftete, rührende Gesponsin in Melancholie und Heiterkeit, schrieben aus dem Gedächtnis eines ihrer improvisierten Stücke auf. Das tun sie immer, so nach der zweihundertsten Aufführung, wenn eine Sache ganz fest sitzt. Dann hocken sie sich wie Schulkinder in eine Ecke und legen den Text fest, den sie sich sozusagen ‚ersprochen‘ haben.“

In den 1920er Jahren unternimmt das Bühnenpaar Gastspielreisen nach Zürich, Wien und Berlin, über die in allen wichtigen Medien berichtet wird. 1930 erhält Liesl Karlstadt ihr erstes Einzelengagement an den Münchner Kammerspielen als „Frau Vogl“ in Bruno Franks Komödie Sturm im Wasserglas. 1932 folgt ein weiteres Engagement am Münchner Volkstheater in Heinrich Hincks und Josef Mooshofers Volksstück Die 3 Gschpusi der Zenta, mit dem sie auch auf Tournee geht. Ab 1932 werden die Valentin-Karlstadt-Szenen verfilmt.

Die Beteiligung an Karl Valentins Gruselkeller ist für Liesl Karstadt mit großem finanziellen Verlust verbunden. 1935 erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und unternimmt einen Selbstmordversuch. In den folgenden Jahren muss sie sich immer wieder stationären Behandlungen in der psychiatrischen Klinik in der Münchner Nussbaumstrasse unterziehen.

1940 absolviert sie ein Einzelgastspiel in Gondrells Bonbonniere. Von 1941-1943 zieht sie sich auf die Ehrwalder Alm in Tirol  zurück. Sie lebt dort als „Gefreiter Gustav“ unter Gebirgsjägern. Am 6. September 1947 kommt es nach siebenjähriger Pause wieder zu einem gemeinsamen Auftritt mit Karl Valentin. Er ist schwerkrank und stirbt am 31. Januar 1948.

1948 beginnt Liesl Karlstadts Karriere als Volksschauspielerin an diversen Münchner Theatern sowie im Rundfunk in den Brummlgschichten und in Familie Brandl. Als „Mutter Brandl“ wird sie zur Identifikationsfigur für ein breites Publikum. Zu ihrem 65. Geburtstag erhält sie 1200 Glückwunschkarten. Mit den „Funkhumoristen“ geht sie auf Gastspielreisen und übernimmt kleine Rollen in Film- und  Fernsehproduktionen. Am 27. Juli 1960 stirbt sie überraschend in Garmisch, wo sie mit ihrer Schwester die Ferien verbringt.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Pedarnig, Dietlind; Ziegler, Edda (Hg.) (2013): Bayerische Schriftstellerinnen. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 109-113.


Externe Links:

Literatur von Liesl Karlstadt im BVB

Literatur über Liesl Karlstadt im BVB

Liesl Karlstadt in der BLO

Karl Valentin und Liesl Karlstadt

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