Info
Geb.: 27. 9.1939 in Regensburg
Gest.: 2.12.2024 in Regensburg
© Regine Arends
Titel: Dr. phil.
Namensvarianten: Florian Winterstein

Wolf Peter Schnetz

Wolf Peter Schnetz (1939-2024) schreibt Lyrik, Theaterstücke, Libretti und Prosa und ist auch als Übersetzer sowie Publizist tätig. In diversen Funktionen ist er in der bayerischen Kulturszene verankert, so zum Beispiel als Kulturdezernent, als Ehrenvorsitzender des VS-Landesverband Bayern oder als kulturelles Mitglied des Organisationskomitees für die Olympischen Sommerspiele 1972.

Werdegang

Wolf Peter Schnetz wird 1939 in Regensburg geboren. Nach dem Abitur studiert er Germanistik, Anglistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Erlangen, Mainz und München. Schnetz gründet 1963 die Junge Akademie München, die Taschenzeitung sowie die Maistrassenpresse, einen Kleinverlag, worin Erstveröffentlichungen u.a. von Karl Krolow, Günter Eich, Herbert Achternbusch, Angelika Mechtel und Uwe Herms erscheinen. 1966 organisiert er die 1. Tschechoslowakische Woche in München. Ein Jahr darauf ist er im Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele in München 1972 für Kultur zuständig. Passend, denn Wolf Peter Schnetz ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Sportler und Langstreckenläufer: Als Sechzehnjähriger legt er die bayerische Bestleistung im 100-Meter-Lauf mit 11,3 Sekunden ab, 1957 ist er dritter Bayerischer Jugendmeister im Kugelstoßen und 1984 im Diskuswerfen noch Seniorenmeister in der Altersgruppe M45. 

Von 1968 bis 1973 ist er Kulturdezernent in Regensburg, von 1973 bis 2000 in gleicher Funktion in Erlangen. Seit 2001 lebt Wolf Peter Schnetz als freier Schriftsteller wieder in Regensburg. Beim Internationalen Jugendfestspieltreffen/Festival junger Künstler in Bayreuth nimmt er 1966/67 erstmals als Autor und Organisator teil und ist 1999/2000 als Dozent der Literaturwerkstatt, seit 2003 erneut als Dozent in der Nachfolge Herbert Rosendorfers tätig. 2004 ist er Beauftragter für die Bewerbung „Regensburg 2010“ als Kulturhauptstadt Europas (Nominierung für Berlin). 

Wichtige Werke (Auswahl)

Wolf Peter Schnetz schreibt Lyrik, Theaterstücke, Libretti und Prosa. Seit 1962 hat er über 40 Buchpublikationen veröffentlicht, darunter den Roman Vergiß die Stadt, den Fluß, die Steine (1994), die Erzählungen Jugendsünden (1996), Tanzstunde (1999), Im Jahr der Sphinx – Rückkehr in die Stadt am Strom (2003), Parsifal (2005), die Lyrikbände Täglich ein Wunder (1999), Das vergessene Meer (2002), Die Früchte des Regenbogenbaums (2004) sowie die Nachdichtung Lao Tse – Tao Te King (2009). Außerdem übersetzt er Lyrik, u.a. von Habib Bektaş, Gábor Görgey und Francis Bebey. Die Erzählungen wie die Lyrik von Schnetz werden gesehen als „Widerstandshandlungen gegen die Entzauberung der Wirklichkeit“, wie Peter Horst Neumann in der Laudatio zum Friedrich-Baur-Preis für Literatur 2000 schreibt; „überschäumende Vitalität und visionäre Kraft“ finden „zu einer außergewöhnlich sinnlichen, bemerkenswert eigenständigen Sprache“. Kurz vor seinem 75. Geburtstag präsentiert Wolf Peter Schnetz mit seinem Lyrikband Nicht für die Ewigkeit (2014) eine poetische Bestandsaufnahme mit 80 Gedichten zu einem seiner Kerngedanken: die Liebe.

In den Jahren danach werden die Texte spärlicher, Schnetz selbst stellt fest: „Ich habe die Sprache verloren.“ Am 16. April 2024 verfasst er noch das Gedicht „Mein Buch“. Gewidmet an Elfi Hartenstein, die nach dem Ableben des Dichters einen Nachruf auf der Website der VS in ver.di verfasst (zu finden hier). 

Preise & Auszeichnungen

Für sein Werk wird Wolf Peter Schnetz u.a. mit dem Ehrenpreis im Rahmen der Schwabinger Kunstpreise (1966), der Prämierung beim Stückewettbewerb des Internationalen Jugendkulturzentrums Bayreuth (1983), dem Pro Cultura Hungarica, Budapest (1986), dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven (1988), dem Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2000) sowie mit dem Kulturpreis der Stadt Regensburg (2011) ausgezeichnet.

Mitgliedschaften

Er war Mitglied in der Europäischen Autorenvereinigung DIE KOGGE, im P.E.N.-Zentrum Deutschland und im Verband deutscher Schriftsteller (VS), 1986/87 im VS-Bundesvorstand, seit 2005 als Ehrenvorsitzender des VS-Landesverband Bayern. Seit 1976 gehörte Schnetz zudem der Neuen Gesellschaft für Literatur Erlangen an, dessen Gründungsmitglied er zusammen mit Ludwig Fels, Fitzgerald Kusz, Ginka Steinwachs u.a. war.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Heigl, Max (2014): Wolf Peter Schnetz. „Täglich nur einen Satz schreiben!“ In: Literatur in Bayern 117, 29. Jg., Nr. 3, S. 40-42.

Meidinger-Geise, Inge (Hg.) (1982): Erlangen 1950-1980. Ein literarisches Lesebuch. Junge, Erlangen, S. 129-135.

Stoll, Dieter (1999): Selbstporträt. Literatur in Franken. Nach der gleichnamigen Serie in der Abendzeitung. Ars vivendi, Cadolzburg, S. 146-149.

VS Ostbayern; NGL Erlangen [Red.: Krohn, Barbara; Arends, Regine] (Hg.) (2009): Wortgefährten – Weggefährten. Wolf Peter Schnetz zum 70. Geburtstag. Regensburg.

VS IN VER.DI [Red.: Harstenstein, Elfi] (2025): Zum Tod von Wolf Peter Schnetz, URL: https://kunst-kultur.verdi.de/literatur/vs/++co++48c92838-d260-11ef-890a-2776e082dd81


Externe Links:

Literatur von Wolf Peter Schnetz im BVB

Literatur über Wolf Peter Schnetz im BVB

Wolf Peter Schnetz in der Wikipedia

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