Geb.: 23.11.1938 in München
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Fotografie um 1995 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)
Namensvarianten: Herbert Schild

Herbert Achternbusch wird als Herbert Schild in München geboren. Er ist der uneheliche Sohn einer Sportlehrerein und eines Zahntechnikers. Aufgrund des Freitods seiner Mutter verbringt er die Kindheits- und Jugendjahre von 1943 bis 1960 bei seiner Großmutter in Mietraching im Bayerischen Wald. 1960 wird er von seinem Vater adoptiert und trägt seither dessen Namen Achternbusch.

Nach dem Abitur in Cham (1960) studiert er an der Pädagogischen Hochschule München-Pasing, an der Nürnberger Kunstakademie und der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, u.a. als Zigarettenverkäufer auf dem Münchner Oktoberfest, beginnt er in 1960er-Jahren mit seiner vielfältigen  künstlerischen Arbeit als Schriftsteller, Dramatiker, Maler, Bildhauer, Filmemacher und Schauspieler.

Er veröffentlicht in loser Folge Gedicht- und Erzählbände mit eigenen Illustrationen. Sein erster Roman Die Alexanderschlacht erscheint 1971 und sichert ihm einen festen Platz in der Avantgarde der jungen deutschen Literatur der 1970er- und 1980er-Jahre. „Hier versucht jemand das Schlichteste und letztlich Unmögliche: sich selbst, seine Erfahrungen unmittelbar auf Papier zu bringen, ohne den Umweg über den schönen Schwindel von erfundenen Geschichten oder mit dem strengeren Schwindel der Selbstreflexion“, schreibt der Kritiker Reinhart Baumgart in Der Spiegel.

1977 sorgt Herbert Achternbusch für einen Skandal im Kulturbetrieb, als er den Petrarca-Preis zugesprochen bekommt. Während der Preisverleihung verbrennt er den 20.000 DM-Scheck und verlässt die in seinen Augen unwürdige Schickeria-Veranstaltung.

1978 wird Achternbuschs erstes Theaterstück Ella in Stuttgart uraufgeführt. Es hat das Leben seiner Mutter zum Inhalt. Weitere Stücke folgen. Zu den erfolgreichsten zählt Gust (1986), das, mit Sepp Bierbichler in der Hauptrolle, mehrere Jahre an den Münchner Kammerspielen läuft. Einen weiteren  Höhepunkt seiner Theaterarbeit bedeutet der Monolog Meine Grabinschrift 1996) mit Rolf Boysen.

Anfang der 1970er Jahre beginnt Achternbusch, erste Schmalfilme zu drehen. Er lernt die Vertreter des deutschen Autorenfilms kennen und arbeitet mit Werner Herzog, Volker Schlöndorf und Margarethe von Trotta zusammen. 1974 kommt sein erster Spielfilm Das Andechser Gefühl in die Kinos.

1982 löst sein Film Das Gespenst einen Skandal aus. Thema des Films sind die Konflikte des wiedergekehrten Jesus in der Gegenwart. Achternbusch lässt ihn vom Kreuz steigen, um mit einer jungen Ordensschwester zu schlafen. Der Blasphemievorwurf führt zu einem vorübergehenden Verbot durch die FSK und zur Reduzierung der zugesagten Filmförderung durch Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann. Dieser verweigert 1983 die Auszahlung der letzten Filmförderungsrate, da der Film das religiöse Empfinden verletze. Beim Münchner Filmfest protestieren im selben Jahr 50 Filmschaffende gegen dieses Vorgehen. Achternbusch führt einen zehn Jahre dauernden Rechtsstreit gegen die Bundesrepublik Deutschland, den er 1992 gewinnt, so dass ihm das vorenthaltene Geld ausgezahlt werden muss.

Auch die folgenden Filme Achternbuschs wenden sich gegen Bigotterie, Spießertum und Heimattümelei. In Servus Bayern (1977) lässt er einen nach Grönland ausgewanderten Dichter sagen: „In Bayern will ich nicht einmal gestorben sein.“ In Der junge Mönch (1978) wirft er eine Atombombe auf Bayern, nur ein Münchner Vorort bleibt unbeschädigt. In Der Depp (1982) vergiftet der Titelheld den damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im Hofbräuhaus. In Punch Drunk (1987) spielt er selbst den bayerischen Kultusminister Riesenhuber, der als Krisenverwalter in München fungiert, das nach dem Super-GAU von Tschernobyl zum Notstandsgebiet erklärt wird. In Neue Freiheit. Keine Jobs. Schönes München. Stillstand (1998) fordert der Obdachlose Hick die Abschaffung des Kanzlers Helmut Kohl.

Herbert Achternbuschs Gesamtwerk umfasst etwa 40 Buchpublikationen, mehr als 20 Theaterstücke, fast 30 Spielfilme und Hunderte von großflächigen Bildern. Sein Werk ist vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit der Ludwig-Thoma-Medaille der Stadt München (1975), dem Petrarca-Preis (1977), den er ablehnt, dem Bundesfilmpreis und Spezialpreis des Filmfestivals von Locarno (1982), dem Mühlheimer Dramatikerpreis (1986 und 1994), dem Tukan-Preis (1989), dem Preis des Hofer Filmfestivals (1990), dem Filmpreis der Stadt München (1992), dem Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis der Stadt Bielefeld (1995), dem Ernst-Hoferichter-Preis (1999) und dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (2010).

Herbert Achternbusch ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er lebt in München und im österreichischen Waldviertel.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Sebald, Katja (2015): Was in meiner Seele vorgesehen war, das habe ich gemacht. Herbert Achternbusch wird müde. In: Literatur in Bayern 30. Jg., H. 121, S. 54-56.


Externe Links:

Literatur von Herbert Achternbusch im BVB

Literatur über Herbert Achternbusch im BVB

Audiolesung (Die Alexanderschlacht)

Artikel bei Spiegel Online

Schlagwort Herbert Achternbusch in Zeit Online



Kommentare

Bernhard M. Baron am 27.02.2014 um 17:03

Wegen einer Herzensangelegenheit hielt sich anfangs der 70er das "Enfant terrible" der bairischen Literatur öfter auch in der nördlichen Oberpfalz auf (was ebenfalls in seiner Alexanderschlacht, 1972, anklingt). Nach einer vermutlich zeitlich eingetretenen Ernüchterung wird Achternbusch in seiner Blauen Blume (1987) konkreter: "Selbstverständlich ist windelweich eine Eigenschaft, die zu allem besser paßt als zu einem Stein, etwa zu Menschen, vor allem denen aus Weiden, so daß man statt Du windelweicher Weidener nur Du Weidener sagt! Weidener schimpfte Herbert den Stein ..."



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