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09.04.2021, 08:52 Uhr
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Zum 200. Geburtstag: „Lola Montez“. Ein Hörspiel von Wolfsmehl

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© Radioropa Hörbuch

Viele Männer hatten wegen ihr den Kopf verloren, ein König gar seinen Thron. Lola Montez war eine der berühmtesten Frauen ihrer Zeit. Vor genau 200 Jahren, am 17. Februar 1821, wurde „das muthigste und tollkühnste Weib, das je den irdischen Boden betreten“ – so der Violinist und Komponist Miska Hauser (1822-1887) –, geboren. Zeit, um sich der Tänzerin und Schauspielerin, Salondame, Autorin und Vortragsreisenden aus einem neuen Blickwinkel heraus wieder anzunähern. Der in Augsburg lebende Autor Wolfsmehl hat dies unternommen. Herausgekommen ist ein Hörspiel, dessen Hintergründe und Auszüge wir hier im Literaturportal Bayern vorstellen.

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Wer war Lola Montez?

Die als Lola Montez zu Weltruhm gekommene Tänzerin Eliza Rosanna Gilbert wurde am 17. Februar 1821 als Tochter eines schottischen Offiziers und einer irischen Landadeligen geboren.

Aufgewachsen in Indien, England und Schottland ging sie nach einer gescheiterten Ehe 1843 nach London, wo sie sich als spanische Tänzerin Maria de los Dolores Porry y Montez ausgab. Ihr bewegtes, von zahlreichen Affären geprägtes Künstlerleben führte sie 1846 nach München.

Als „gefeierte spanische Tänzerin“, die vor allem mit ihrem Spinnentanz die Männerwelt umgarnte, lernte sie bei einer Audienz hinter verschlossenen Türen König Ludwig I. kennen. Um diese Audienz ranken sich viele Legenden. So soll Ludwig Lola gefragt haben, ob das, was sie unter ihrem Korsett verberge, auch wirklich echt sei.

Zum Beweis habe sie ungeniert mit einer Schere ihr Mieder aufgeschnitten und so einen unwiderlegbaren Beweis ihrer weiblichen Reize dargeboten.

Fortan entbrannte eine heftige Liebesbeziehung, die jedoch mehr und mehr zu einer Farce wurde, in der sich Liebe und Lüge in ständig wogendem Wechsel ein spannendes Duell lieferten. Lola spielte sogar mit dem Gedanken, nach der Krone zu greifen! Ludwig indes verehrte ihr den Phantasietitel „Gräfin von Landsfeld“, wo es doch eine Grafschaft Landsfeld gar nicht gab! Er wollte doch seiner Geliebten einen Herzenswunsch erfüllen.

Mit einem Knall – der Abdankung von Ludwig I. – endete die Affäre. Lola flüchtete zunächst in die Schweiz, in der Hoffnung, dass Ludwig ihr folge. Vergeblich! Fortan bereiste sie die ganze Welt. Sie starb mit 39 Jahren vereinsamt in New York.

Ein pikanter Briefwechsel

Der Briefwechsel zwischen König Ludwig I. und Lola Montez war lange Zeit eines der am besten gehüteten Geheimnisse im Königreich Bayern.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1868 bewahrte der Monarch im Ruhestand seine und Lolas Briefe in einem geheimen Versteck auf. Per Testament wurde die gesamte Korrespondenz der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek übereignet – mit der Auflage, sie 50 Jahre nach seinem Tod der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Als das Königliche Staatsministerium 1918 nach Ablauf dieser Frist vom brisanten Inhalt des Nachlasses Kenntnis erhielt, verfügte man entgegen dem Willen Ludwigs I. eine sofortige weitere Geheimhaltung. Heute befinden sich die Briefe in der Bayerischen Staatsbibliothek und sind im Original jedem Bürger zugänglich, jedoch nur zum Teil übersetzt.

Bei den Recherchen zum Projekt „Lola Montez“ entdeckte Wolfsmehl eine wesentlich vielschichtigere Persönlichkeit der skandalumwitterten Tänzerin und Geliebten des bayerischen Königs Ludwig I. als allgemein bekannt:

Aus dem Briefwechsel ist zu erfahren, dass die Liebesbeziehung zwischen Ludwig I. und Lola Montez abseits der Geschichte eines Königs und seiner nicht standesgemäßen Geliebten ein allgemeingültiges zwischenmenschliches Drama ist, in dem Liebe aus einem verworrenen Netz aus Abhängigkeiten, projizierten Sehnsüchten, Unterstellungen und unerfüllten Wünschen besteht. Ausschlaggebend und bezeichnend für Lolas Beziehung zu dem 35 Jahre älteren Ludwig sind die Erfahrungen in ihrer Kindheit durch den frühen Tod des geliebten Vaters, dessen Idealbild in der Folgezeit kein Mann mehr – nicht einmal ein König – gerecht werden kann.

Als starke Persönlichkeit mit einem begnadeten Aussehen hat sie diesen Komplex in eine Unabhängigkeit umgewandelt, in der sie mit exzentrischem Lebenswandel durch ständigen Männerwechsel ihre eigene Freiheit vorantrieb. Und dies zu einer Zeit, in der Emanzipation noch nahezu ein Fremdwort war. So ist es nicht verwunderlich, dass Lola Montez es am Ende ihres Lebens schaffte, in den USA als Frauenrechtlerin die Hallen mit tausenden Zuhörerinnen zu füllen.

In einem psychologisch dichten Kammerspiel zwischen einem Zeitungsjungen und einer gealterten und verbitterten Lola Montez, die in ihrer kleinen New Yorker Wohnung kurz vor dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges ihr Leben Revue passieren lässt, erfahren wir, wie nahe Liebe und Lüge beieinander liegen.

Die Briefe der beiden Protagonisten – neu und aus einer Hand von Dr. phil. Frank Harslem für dieses Hörspiel übersetzt – dokumentieren diesen Sachverhalt. Gelesen werden die Briefe vom Empfänger – mit Ausnahme des Erpresserbriefes, der von Lola zu Beginn des Hörspiels geschrieben und von Ludwig später gelesen wird.

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Hörproben aus Lola Montez von Wolfsmehl

(Track 4)

(Track 6)

(Track 7)

(Track 9)

(Track 12)

Mitwirkende:
Lola Montez: Elisabeth Trissenaar
Ludwig I.: Karlheinz Böhm
Zeitungsjunge: Tobias Raphael Schmidt
Epilog: Konrad Halver
Hörfassung (Kammerspiel): Wolfsmehl
Regie: Konrad Halver
Co-Regie: Wolfsmehl
Toningenieur: Holger Mees
Casting: Wolfsmehl
Grafik Cover: Wolfsmehl/Bregulla Media, München
Transkription der Briefe: Frank Harslem (Uni Heidelberg)
Produzent: Hessischer Rundfunk hr2, Frankfurt a.M.
Musik: Wagner, Liszt, Mendelssohn-Bartholdy, Puccini, Paganini, Verdi, Strauss, Grieg. „Sometimes I feel like a morherless child“ – gesungen von Diana Köhler, arrangiert und aufgenommen von Jan Hinz in den Graceland-Studios, Hamburg.

Die Original-Briefe wurden von der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek, München, zur Übersetzung für den Hessischen Rundfunk für die Hörspiel-/Hörbuchproduktion freigegeben.

(Text: Wolfsmehl: Lola Montez, Booklet)

Wolfsmehl: Lola Montez. Sprecher: Karlheinz Böhm, Elisabeth Trissenaar u.a. Eine Produktion des Hessischen Rundfunks. RADIOROPA Hörbuch, Hamburg 2006. 1 CD (69 min.)

Sekundärliteratur:

Niedermair, Thomas (2007): Leben, lieben, lügen. München: Lola Montez als Live-Lesung mit Karlheinz Böhm und Elisabeth Trissenaar. In: Augsburger Allgemeine, 3. April.

Witzeling, Klaus (2007): Liebe, Lüge und die Wahrheit über Lola. Theater in der Washingtonallee. In: Hamburger Abendblatt, 13. März.

Externe Links:

Zur Homepage des Autors

Lola Montez (Booklet)

Artikel in der Augsburger Allgemeinen

Erotische Emanze