Die bayerische Pompadour: Lola Montez

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Karikatur "Lola auf der Bühne". König Ludwig I. von Bayern in Kostüm als Lola Montez, Lithografie (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung).

Geboren wurde die berühmteste Mätresse Bayerns am 17. Februar 1821 unter dem Namen Elizabeth (Eliza) Rosanna Gilbert in Irland. Ihr Vater war bei der Armee und als Eliza zwei Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Indien, wo der Vater alsbald an Cholera starb. Nach ihrer Wiederheirat sandte die Mutter die fünfjährige Eliza zurück nach Großbritannien, wo sich Verwandte ihrer annahmen, bis sie ins Internat kam. Um einer arrangierten Ehe zu entgehen, brannte sie mit 16 Jahren mit dem um einiges älteren Leutnant Thomas James durch. Zwei Jahre später war sie bereits geschieden. Um 1841 herum nahm sie in London und Spanien erste Tanzstunden und trat von nun an als spanische Tänzerin Maria Dolores de Porris y Montez, kurz Lola Montez, auf. Ihre Auftritte in London waren zwar sehr erfolgreich, als jedoch einige Zuschauer in ihr Eliza Gilbert erkannten, musste sie das Land verlassen, um nicht wegen Betrugs verhaftet zu werden. In Europa wurde sie vor allem wegen ihrer zahlreichen Affären, unter anderem mit Franz Liszt, rasch zu einer Berühmtheit. Auch hier musste sie mehrmals die Flucht ergreifen. In Preußen wurde sie wegen Misshandlung eines Polizisten zu 14 Tagen Haft verurteilt und anschließend ausgewiesen. Am 5. Oktober 1846 tauchte Lola Montez plötzlich in München auf. Während einer Audienz verliebte sich Ludwig I. unsterblich in die außergewöhnlich schöne Frau. Das intime Verhältnis der beiden wurde rasch Stadtgespräch, der Monarch in Karikaturen und Spottliedern öffentlich verspottet. Lolas forsche Art machte sie beim Volk unbeliebt. Dazu kam ihr ungewöhnliches Benehmen. Sie rauchte in aller Öffentlichkeit Zigarren und ließ sich in Begleitung junger Männer sehen. Zudem galt sie als herrisch und schlug des öfteren mit ihrer Reitpeitsche zu. Nachdem der Eindruck entstand, sie beeinflusse die politischen Entscheidungen des Königs, kam es zu ersten Unruhen. Ludwig seinerseits verbat sich jegliche Kritik an Lola Montez, setzte ihr stattdessen eine Apanage aus, die das Gehalt seiner Minister um ein Vielfaches überstieg. Im Februar 1847 ernannte er sie zur Gräfin von Landsfeld und machte sie zur bayerischen Staatsbürgerin. Das Kabinett zeigte sich empört, erste Steine flogen gegen das Haus der Montez. Im Februar 1848 kam es in ganz Deutschland zum Aufstand, auch in Bayern. Hier richtete sich der Volkszorn jedoch weniger gegen die Monarchie als gegen Lola Montez. Nachdem sie Bayern verlassen musste, trat Ludwig I. am 20. März 1848 zurück. Lola tourte fortan als Tänzerin durch Europa, Ärger und Aufruhr immer im Gepäck. 1852 übersiedelte sie in die USA. Nachdem sie eine Zeitlang mit ihrem Programm „Lola Montez in Bavaria“ getingelt war, erwarb sie in Grass Valley/Kalifornien ein Haus und hielt sich einen Grizzlybären. Da ihr das Tanzen zunehmend schwer fiel, verlegte sie sich in ihren letzten Jahren auf Vortragsreisen und das Schreiben von Schönheitsbüchern. Nach einem Schlaganfall 1860 halbseitig gelähmt, starb sie am 17. Januar 1861 mit nur 39 Jahren in New York an einer Lungenentzündung.

(Seymour, Bruce [2000]: Lola Montez. Eine Biographie. Piper Verlag, München/Zürich)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl