Die Affäre Lola Montez

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Lola Montez, Lithographie.

Auch in Bayern begann das Jahr 1848 unruhig. Missernten hatten zu den höchsten Lebensmittelpreisen seit 1800 geführt, während die Löhne zugleich ins Bodenlose sanken. In München jedoch konzentrierte sich der Unmut der Bevölkerung auf eine bestimmte Person: Lola Montez.

Arg ist Lolitta (so nenne ich sie) verleumdet, wurde es und wird es noch. Eine Fremde. Die in München bleiben will, die schön ist, die vom König geliebt wird, die geistreich, was bedarf es noch mehr, um Feindschaft, Lüge, Verfolgug zu erregen. [...]

Sie ist nicht nur eine mich Liebende, sondern geichfalls Freundin. Wahrheit, erklärte sie mir, würde sie immer mir sagen, und schon manchmals, was mir unangenehm klang, sagte sie mir...

So geliebt bin ich von ihr. Ich erhalte sie, nicht aber unterhalte ich sie.

(Bruce Seymour: Lola Montez. Eine Biographie. Piper Verlag, München/Zürich 2000, S. 147)

So schrieb Ludwig I. voller Schwärmerei an seinen Freund Tann.

Doch so ganz stimmte das nicht. Dass König Ludwig I. seine Geliebte zur Gräfin Landsfeld gemacht und ihr ein eigenes Palais in der Barer Straße errichtet hatte, von dem aus sie nun für alle sichtbar ihren kostspieligen Lebenswandel zur Schau stellte, ging den Bürgern zu weit. Vor allem da sie vermuten mussten, dass die spanische Tänzerin auch Einfluss auf die Regierungsgeschäfte nahm.

Eine Dame mit großem Schal und blauem Hut kommt die Theatinerstraße herunter und will am Kaffeehaus vorbei in Richtung Schwabing weitergehen. Lola Montez [...]. Sie wird sogleich erkannt. Es beginnt eine Verfolgungsjagd. Die Menge will ihr ans Leben. Erst will sie sich mit gezogener Pistole ins Arcosche Palais retten, wendet sich aber dann in hellster Verzweiflung der Theatiner-Kirche zu. Friedrich Haering, der Actuar vom Zeughaus und zwei Polizisten schützen die Jesuiten-Feindin, damit ausgerechnet sie nach altem Brauch im Schoß der Kirche Zuflucht finden kann. Draußen tobt die aufgebrachte Menge. Militär schreitet ein, räumt den Platz und ermöglicht Lola Montez unter den gellenden Pfiffen ihrer vielen Hundert Todfeinde das Geleit zur sicheren Residenz [...].

(Reinhold Rauh: Lola Montez. Die königliche Mätresse. Diederichs Verlag, München 1996, S. 129-132)

Bis zum Februar 1848 eskalierte die Situation dermaßen, dass Ludwig I. sich gezwungen sah, Lola Montez des Landes zu verweisen.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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