Info
Geb.: 25. 2.1832 in Eschlkam
Gest.: 8.12.1919 in München
Foto: Franz Werner (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)
Titel: Kgl. Hofrat
Namensvarianten: gen. Waldschmidt; Kostüm-Schmidt

Maximilian Schmidt

Maximilian Schmidt besucht die Schulen in Metten (Klostergymnasium), Straubing und Passau. Sein Vater ist Zollbeamter in Hof, seine Mutter Tochter des fürstlich Kemptischen Hof- und Kabinettsrats Johann Jakob von Karg. In Hof besucht Maximilian Schmidt die Gewerbeschule, ab 1848 beginnt er ein Ingenieursstudium in München. 1850 leistet er den Fahneneid beim bayerischen Militär und wird ein Jahr darauf als Inspektionsoffizier zum königlichen Kadettenkorps berufen. Als Instrukteur für Waffenlehre soll er seinen Kadetten die Zusammensetzung des neu eingeführten Podewils-Gewehrs erklären, weshalb Schmidt eine Vers-Broschüre schreibt und damit seinen ersten schriftstellerischen Coup landet. Als eigentlichen Beginn seiner Dichterkarriere wertet Schmidt jedoch seinen 31. Geburtstag 1863, nachdem er König Maximilian II. Prachtausgaben seiner Erstlingserzählungen Das Fräulein von Lichtenegg und Der lateinische Bauer überreichen durfte. Seit diesem Jahr ist er auch mit der reichen Auguste Haßlacher verheiratet. Weil er die Bataillonsfahne vor den Preußen rettet, wird ihm 1866 schließlich ein hoher Orden verliehen.

Nach dem verlorenen Krieg gegen Preußen hängt Schmidt den Militärberuf an den Nagel und versucht sich als Unternehmer. 1869 gründet er in Regenstein bei Kötzting eine Holzstofffabrik, die durch Hochwasser allerdings schwer demoliert wird und bald eingestellt werden muss. Außer dem Herrenhaus in der Briennerstraße und der Villa in Tutzing verliert er seine beiden Münchner Häuser am Karlsplatz.

Seit den 60er Jahren beschäftigt sich Schmidt verstärkt mit der Aufzeichnung von Volksliedern. Viele seiner Prosawerke erreichen dutzende Auflagen, eines seiner Bühnenstücke, Das Austragsstüberl (1882), wird über 1400 Male aufgeführt und reißt sogar das Publikum in Russland und Amerika zu Beifallsstürmen hin. Neben seiner literarischen Tätigkeit setzt sich Schmidt ab 1881 für den Deutschen Schriftstellerverband ein und erwirkt u.a. die Gründung einer Pensionskasse zur finanziellen Sicherstellung deutscher Schriftsteller. 1906 wird er vom Verband zusammen mit Paul Heyse für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen.

Auf Anregung König Ludwigs II. verfasst Schmidt 1884 die Erzählung Die Fischerrosl von St. Heinrich und wird im selben Jahr zum königlichen Hofrat ernannt. Ludwig II. ist von dem Werk Schmidts so angetan, dass er einige Stunden vor seinem Tod im Starnberger See ein Buch von ihm liest. Die Günstlingsstellung bei Hofe setzt sich auch unter Prinzregent Luitpold fort, der Maximilian Schmidt 1898 den vererbbaren Namenszusatz „genannt Waldschmidt“ verleiht.

1890 gründet Schmidt zur Ankurbelung des bis dahin relativ unbedeutenden Tourismus in Bayern den Landesverband zur Hebung des Fremdenverkehrs. Seinen Beinamen „Kostüm-Schmidt“ erwirbt er sich mit seinen Bemühungen um die Volkstracht. Anlässlich des Münchner Oktoberfestes 1895 organisiert er ein historisches Volkstrachtenfest im großen Stil, worauf noch heutige Oktober-Trachtenfestzüge zurückgehen.

In seinen letzten Lebensjahren verliert Maximilian Schmidt das Augenlicht, arbeitet aber noch in Blindenschrift weiter. Sein Gesamtwerk umfasst jetzt etwa 60 größere Erzählungen, 40 Humoresken und Skizzen, 40 Bühnenwerke, einen Dialekt-Gedichtband (Altboarisch) und zahlreiche Gelegenheitsgedichte. Mit seinen Volkserzählungen (Volkserzählungen aus dem Bayerischen Wald, 4 Bde., 1863-68), „Kulturbildern“ und Bauernstücken zählt er zu den bekanntesten Vertretern volkstümlicher Dichtkunst im Bayern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Seitz, Helmut (2004): Maximilian Schmidt (genannt Waldschmidt) (25.2.1832 – 8.12.1919). Bayerischer Bestsellerautor zu Urgroßvaters Zeiten. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 19f.

Waldschmidt, Rolf (1982): Auf den Spuren des Waldschmidt. Erinnerungsband zum 150. Geburtstag von Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt. Morsak Verlag, Grafenau.

Waldschmidt-Verein Eschlkam e.V. (Hg.) (1987): Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt. Führer der Waldschmidt-Ausstellung Eschlkam. Perlinger Druck GmbH, Furth i. Wald.

Weichslgartner, Alois J. (2001): Schreiber und Poeten. Schriftsteller aus Altbayern und Schwaben im 19. Jahrhundert. Bayerland Druckerei und Verlagsanstalt, Dachau.


Externe Links:

Literatur von Maximilian Schmidt im BVB

Literatur über Maximilian Schmidt im BVB

Maximilian Schmidt in der BLO

Werke von Maximilian Schmidt

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