Info
Geb.: 3. 6.1926 in Naumburg an der Saale
Gest.: 23.6.1988 in Gröbenzell
Martin Gregor-Dellin im Juli 1987 © Bayerische Staatsbibliothek München/Timpe
Namensvarianten: Martin Gregor Schmidt (früh. Name), Martin Gustav Schmidt (wirkl. Name); Martin Gregor

Martin Gregor-Dellin

Martin Gregor-Dellin (1926-1988) arbeitet als freier Schriftsteller, Essayist, Hörspielautor und Literaturkritiker. Außerdem macht er sich als Biograf, vor allem Richard Wagners, sowie als Herausgeber, Kulturpolitiker einen Namen und ist Mitbegründer der Münchner Autorenbuchhandlung.

Werdegang

Martin Gregor-Dellin wird in Naumburg an der Saale als Sohn eines Kaufmanns geboren, er wächst im benachbarten Weißenfels auf. Nach seinem Abitur im Jahr 1944 wird er in die Wehrmacht eingezogen und gerät bei Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft, aus der er im März 1946 entlassen wird. Nach musikalischen und literarischen Studien beginnt er im Jahr 1951 als Cheflektor beim Mitteldeutschen Verlag in Halle an der Saale. 1958 wechselt Gregor-Dellin, nach Abschluss des Lektorats von Bruno Apitz' Nackt unter Wölfen, von der DDR in die Bundesrepublik, ab 1961 lebt er zunächst als freier Schriftsteller und Kritiker in Bayreuth, 1961/62 gehört er der Literaturabteilung des Hessischen Rundfunks an, dann wechselt er als Cheflektor zur Nymphenburger Verlagsanstalt nach München, wo er unter anderem die Werke von Klaus Mann betreut.

1966 verlässt er den Verlag und arbeitet fortan – ab 1967 in Gröbenzell bei München – als freier Schriftsteller und Kritiker. 1973 gründet er gemeinsam mit Inge Poppe, Jürgen Kolbe, Michael Krüger, Fritz Arnold, Paul Wühr, Christoph Buggert, Günter Herburger, Tankred Dorst und Peter Laemmle die Münchner Autorenbuchhandlung.

Wichtige Werke (Auswahl)

Sein erster Roman Jüdisches Largo, der eine frühe literarische Verarbeitung des Holocaust darstellt, erscheint 1956 – und erst acht Jahre später unter dem Titel Jakob Haferglanz in der BRD. Weitere Werke sind u.a. Möglichkeiten einer Fahrt (1964), Unsichere Zeiten (1969), Föhn (1974), Im Zeitalter Kafkas (1979), Luther (1983) und Meister, Monster und Mumien (1985). 1984 erscheint eine Biografie zu Heinrich Schütz, ein Komponist des Frühbarocks. 1986 erscheint Gregor-Dellins letztes Prosawerk namens Italienisches Traumbuch, vor seinem Tod vollendet er noch das „deutsche Lustspiel“ Luthers Hochzeit

1976 initiiert Martin Gregor-Dellin zusammen mit dem Münchner Universitätsprofessor Dr. Wolfgang R. Langenbucher und dem Filmregisseur Volker Schlöndorff die sozial-liberale „Aktion Das andere Bayern“. Zahlreiche bayerische Autoren, von Herbert Achternbusch, Carl Amery, Bernt Engelmann, Walter Kolbenhoff, Dieter Lattmann bis hin zu Reiner Zimnik, unterschreiben diesen Aufruf – er soll Bayern als liberales Land mit einer alten demokratischen Tradition ins Bewusstsein heben. Das Konzept erscheint gleichzeitig 1976 als Lesebuch zu einem Freistaat: Das andere Bayern in der Nymphenburger Verlagsanstalt.

Mitgliedschaften

1972 wird er Vorsitzender des Verbands Deutscher Schriftsteller in Bayern, der ihn bis 1978 als Autorenvertreter in den Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks entsendet. Seit 1980/81 gehört Gregor-Dellin der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt an, 1982 wird er Walter Jens' Nachfolger als Präsident des deutschen P.E.N.-Zentrums.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Moser, Dietz-Rüdiger (Hg.) (1997): Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. Bd. 1. München, S. 420-422.

Schweiggert, Alfons (2004): Martin Gregor-Dellin (3.6.1926 – 23.6.1988). Ein außerordentlich breitgefächertes Werk. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 263.


Externe Links:

Literatur von Martin Gregor-Dellin im BVB

Literatur über Martin Gregor-Dellin im BVB

Martin Gregor-Dellin in der Wikipedia