Info
Geb.: 10. 7.1927 in München
Gest.: 12.7.2016 in Le Pierle bei Passignano sul Trasimeno
© Heidi Fenzl-Schwab
Titel: Dr. h.c.

Paul Wühr

Paul Wühr wird 1927 in München geboren. Er besucht das Wittelsbacher Gymnasium und absolviert danach eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Von 1949 bis 1983 unterrichtet er an einer Schule in Gräfelfing bei München. 1984 wird er, nach 35 Dienstjahren mit vollen Bezügen, in den Ruhestand versetzt.

Der breiteren Öffentlichkeit bekannt wird Wühr, der bereits seit Anfang der 1940er Jahre vor allem Lyrik verfasst, mit seinen Hörspielen für den WDR, wie etwa Das Experiment (1963) und Fensterstürze (1968), auf die eine Reihe von O-Ton-Hörspielen folgen. Neben dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (1971) erhält er von der Stadt München 1976 die Ludwig-Thoma-Medaille für Zivilcourage in der Öffentlichkeit.

Für Aufsehen sorgt sein Buch Gegenmünchen (1970), ein Großpoem, in dem er die brisante Vergangenheit und Gegenwart der Stadt München sprachlich und typografisch inszeniert. Diese Montage von künstlerisch verdichtetem dokumentarischen Stadt-Material schreibt er in Das falsche Buch (1983) und Der faule Strick (1987) fort.

Paul Wühr überschreitet regelmäßig und konsequent alle Gattungsgrenzen, seine Texte verweigern wegen ihrer identitäts- und hierarchiekritischen Skizzenhaftigkeit und der selbstreflexiven Collagetechnik stets die Einordnung in ein Genre; mal sind sie als Reden, mal als Zyklen, mal als Gedichte, mal als Tagebuchprojekte gekennzeichnet. Wühr gilt deshalb sowohl als einer der wichtigsten experimentellen Autoren der Gegenwart wie auch als einer der großen Außenseiter des Literaturbetriebs.

Seit 1986 lebt Paul Wühr mit seiner Frau Inge Poppe – mit ihr und anderen Autoren gründet er 1973 die erste deutsche Autorenbuchhandlung in München – am Trasimenischen See in Umbrien/Italien. Seine letzten Werke verfasst er in Le Pierle bei Passignano sul Trasimeno, wo er auch am 12. Juli 2016 stirbt. Sein Grab liegt im Münchner Westfriedhof.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Setzwein, Bernhard (2004): Paul Wühr (*10.7.1927). Der Dichter-Philosoph und die „Res Publica Poetica“. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 274-276.


Externe Links:

Literatur von Paul Wühr im BVB

Literatur über Paul Wühr im BVB

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Verirrhaus

Lese- und Hörproben bei lyrikline.org

Paul Wühr vom Originalton zur Lyrik

Weltschöpfung durch Sprache

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