Info
Geb.: 2. 9.1948 in Landau an der Isar
Foto: Edeltraud Oberneder
Namensvarianten: Jean de Laforet

Manfred Böckl

Geboren am 2. September 1948 in Landau an der Isar, legt Manfred Böckl sein Abitur in Dingolfing ab und studiert anschließend in Regensburg Germanistik, Geografie, Jura, Geschichte, Philosophie, Literaturwissenschaft, Psychologie und Theologie, ohne einen Abschluss zu machen. Parallel zur Universität absolviert er ein Volontariat bei der Passauer Neuen Presse.

Danach lebt Böckl für zwei Jahre als freier Schriftsteller in Deggendorf. Bereits 1973 kehrt er als Redakteur zur Passauer Neuen Presse zurück, ehe er sich erneut am 23. Januar 1976 als Schriftsteller in Landau an der Isar selbständig macht.

1979 geht Böckl nach Regensburg und veröffentlicht in den folgenden Jahren – zusammen mit seinem älteren Kollegen und Freund Helmut Watzke aus Starnberg unter dem gemeinsamen Pseudonym Jean de Laforet – die Jugendbuchreihe Geheimbund Blaue Rose im Franz Schneider Verlag. 1984 entsteht sein erster Roman für Erwachsene Der Meister von Amberg; zwei Jahre darauf wird er Stadtschreiber von Otterndorf in Niedersachsen, wo er Das Lied von Haduloha, einen historischen Roman, der mit dem Untergang der Wikinger-Stadt Haithabu und der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066 verknüpft ist, niederschreibt.

1987 erhält Manfred Böckl das Neumüller-Stipendium der Stadt Regensburg. Sein 1989 erscheinender, die Hexenverfolgung der katholischen Kirche im Raum Regensburg/Straubing anprangernder Roman Die Hexe soll brennen hat jedoch zur Folge, dass er den Kulturförderpreis der Stadt nicht bekommt.

Von seinen Gegnern unbeeindruckt, beginnt Böckl nun historische und moderne humanitäre Verbrechen ins Bewusstsein seiner Leserschaft zu bringen: Er greift dort an, wo die Mächtigen ihre Macht missbrauchen (Die Leibeigenen, 1986, 5. Aufl. 2015; Agnes Bernauer, 1993; Der Hexenstein, 1997; Absturz ins Reich der dämonischen Finsternis, 1997, 4. Aufl. 2018) und wo die „geistige Basis eines europäischen Humanismus verleugnet wird.“ (Stefan Rammer) Insbesondere die Hexenverfolgung, die Frauendiskriminierung, aber auch die Ungerechtigkeit der Mächtigen gegenüber freiheitsliebende Renegaten, wie in den Romanen Räuber Heigl (1990), Jennerwein (1993), Mathias Kneißl. Der Raubschütz von der Schachermühle (1998), Prophet der Finsternis. Leben und Visionen des Alois Irlmaier (1999, 4. Aufl. 2018) sowie König der Wildschützen. Das abenteuerliche Leben des Matthäus Klostermayr, genannt Bayerischer Hiasl (2. Aufl. 2016), sind seine bevorzugten Themen. 2015 erscheint in der 3. Aufl. Die Kaiserhure. Das sündige Leben der Regensburgerin Barbara Blomberg über die „Zuführung“ Blombergs 1546 mit dem alternden Kaiser Karl V. Ihr gemeinsamer Sohn Don Juan d'Austria steigt später zum Admiral auf und besiegt die mediterranen Türken, während seine Mutter vom Schicksal als Edelhure gezeichnet ist.

Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit bilden die Propheten – vor allem bayerische, österreichische und böhmische – und ihre Prophezeiungen. 1991 kommt mit Mühlhiasl. Der Seher vom Rabenstein ein Roman heraus, der Böckl zum literarischen Durchbruch in Bayern verhilft (9. Aufl. 2014). Seitdem entstehen etwa ein Dutzend weiterer Romane und Sachbücher zum Thema Hellseher und Visionen.

Daneben beschäftigt der Autor sich mit den Kelten und proklamiert eine „geistige Heimkehr ins keltische Heidentum“. Überzeugt von der versöhnenden und besiegenden Kraft des keltischen Geistes entstehen so Romane und Sachbücher, in denen Böckl über (den historischen) Myrddin/Merlin, die Icener-Königin Boadicea/Boudicca, die Avalon-Priesterin und frühchristliche Bischöfin Branwyn/Theodora sowie über die Große oder Dreifache Göttin unter ihrem kymrischen Namen Ceridwen und das Druidentum schreibt.

2013 erscheint das Buch des „Meisters des Historienromans“: Der Tote am Kalten Baum. Es beinhaltet sieben schaurig-schöne Novellen rund um die sagenhaften Burgen und Ruinen Ostbayerns.

Im Frühjahr 2015 kommt sein Episodenroman Das Amulett aus Keltengold. Zeitreise durch Altbayerns Geschichte heraus, eine Prosageschichte der Oberpfalz von der Römerzeit bis zur Gegenwart um eine durch die Zeiten die Besitzer wechselnde kultische Goldhalskette mit dem keltischen Triskelen-Symbol. Die Triskele steht dabei für die Dreifache Göttin, um die sich in der alteuropäisch-indogermanischen Region alles dreht. Sie ist die Göttin, welche den Lebenskreislauf von der Geburt über die Reife und den Tod bis zur Wiedergeburt schenkt und behütet. Ebenfalls erscheint 2015 in der 2. Aufl. Bischofsmord und Hexenjagd. Die spektakulärsten Kriminalfälle aus dem historischen Bayern, wobei jedes Kapitel mit einem belletristischen Erzählteil beginnt, bevor die kriminalistischen Fakten folgen. Vom Kreuzzug des Wittelsbacher Herzogs Ludwig I. erzählt dann der Roman Kreuzzug bis ans Höllentor. Machtgier und Glaubenswahn im europäischen und islamischen Mittelalter.

Seinem Ruf als Sachbuchautor wird Manfred Böckl mit Das Mysterium der Erdställe (Oktober 2015) gerecht. Darin enträtselt der Autor das Geheimnis der Schratzellöcher, Zwergengänge und Wichtelhöhlen, die im Hochmittelalter entstanden und bis jetzt eines der letzten großen archäologischen Rätsel Europas gewesen sind. Verborgene Schätze in Bayern (2017) heißt dann das neueste Werk, in dem man erfährt, wo und wie in Bayern heidnische Opfergaben, Münzhorte, Waffen, Schmuckstücke und andere historische Relikte gefunden werden können.

Böckls Bücher sind mit rund einer Million Exemplaren und Übersetzungen ins Italienische, Portugiesische, Russische, Estländische, Tschechische, Bulgarische und Niederländische erschienen. Von besonderem literarischen Werk ist seine autobiographische Jugenderinnerung Hasenbrote. Erinnerungen aus dem einen und dem anderen Deutschland (1994).

Der Autor, der von 1992 bis 2008 in Salzweg bei Passau gelebt hat, wohnt in der Nähe von Ringelai im Bayerischen Wald, in seinem keltisch benannten Haus Dinas Draig Goch. Er ist Gast der 13. Weidener Literaturtage im Mai 1997, der 15. und der 24. Weidener Literaturtage 1999/2008.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

De Gruyter, Walter (2011): Kürschners Deutscher Literaturkalender 2010/11. 67. Jg. Berlin, S. 94f.

Meisenberger, Raimund (2015): Der Unermüdliche. Schriftsteller Manfred Böckl hat in diesem Jahr schon sechs Bücher veröffentlicht – Und vielleicht das Rätsel um die Erdställe gelöst. In: Passauer Neue Presse (Feuilleton), 11. August.

Ders. (2016): Der Preis der Freiheit: Seit 40 Jahren ist Manfred Böckl freier Schriftsteller. In: Passauer Neue Presse (Feuilleton), 23. Januar.

Rammer, Stefan (2004): Manfred Böckl (*2.9.1948). Im Dienst von Toleranz und Humanität. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 369f.


Externe Links:

Literatur von Manfred Böckl im BVB

Literatur über Manfred Böckl im BVB

Zur Homepage des Autors

Interview

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Gietl Verlag

Kommentare

Bernhard M. Baron am 28.02.2015 um 11:17

Mit der Oberpfalz und seinen zahlreichen, packenden historisch-fundierten sozialkritischen Romanen zur bayerischen Geschichte hat sich Manfred Böckl, der "Bayerwald-Karl-May" (Wolf Peter Schnetz), in das Herz vieler Leserinnen und Leser geschrieben. Dabei ist ihm die Verbreitung der humanistischen Philosophie und die Wiedergeburt des keltischen Geistes (Die Botschaft der Druiden, 1999; Der Hund des Culann, 2003) besonders wichtig. Auch mit seinem neuesten Episodenroman Das Amulett aus Keltengold gelingt dem akribisch schreibenden Autor eine faszinierende Zeitreise durch die Oberpfalz, die viele Bayern so wohl noch nicht kannten: Markomannen und Narisker gaben sich schon in der nördlichen Oberpfalz ein Stelldichein im "Land der schlafenden Vulkane" zwischen dem "Reich der Mirga" (um den Barbaraberg bei Kloster Speinshart) und dem "Taranisberg" Parkstein. Meist kennen nur lokale Insider oder Schönwerth-Freunde diese und andere Plätze, die allesamt im (deutschen) Kultplatzbuch (1988) der Gisela Graichen fehlen... Manfred Böckl gelingt es meisterhaft, historisch-geographische Plätze in die wechselvolle, durch die Zeiten und von Hand zu Hand wandernde, kultische Goldhalskette mit dem Triskelen-Symbol einzubeziehen. Lebendig sind seine Darstellungen der christlichen Missionare, Minnesänger, Ritter, Hussiten, Schweden und Österreicher. Der Leser erfährt vom historischen "Räuberhauptmann Troglauer" (aus dem Markt Mantel) genauso wie von der "Fuchsmühler Bauernschlacht" und den Ereignissen der großen Weltkriege, die auch die Oberpfalz prägten. Kein Wunder, wenn das magische Kelten-Amulett von der tschechischen Archäologin Hanka im Judenfriedhof von Floss wiedergefunden wird. Resümee des humanen Episodenromans: Möge die "Dreifache Göttin" auch weiterhin über die Zukunft Europas wachen und ihre Menschen beschützen!



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