Die Schachermühle

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Schloss Sulzemoos, Kupferstich von Michael Wening 1701.

1886 erwarben die Kneißls die einsam gelegene Schachermühle unweit von Sulzemoos. In der Abgeschiedenheit des Waldes ging die Familie nicht nur der Müller- und Sägewerksarbeit, sondern verstärkt der Wilderei nach. Die Söhne teilten mit den Eltern Leidenschaft und Geschäft und waren bald Meister im Umgang mit dem Gewehr. Obwohl die Gerüchte von den Wilderern in der Schachermühle nie verstummten, konnte man den Kneißls nur selten etwas nachweisen:

Wie verwunschen lag sie da; eingezwängt zwischen Waldrand und Bachufer. Die Linden, die Hiasl aus der Ferne erblickt hatte, erweckten aus der Nähe den Eindruck, als lasteten ihre breit ausladenden Kronen förmlich auf den Dächern des Wohnhauses, des Schuppens, des Geißenstalles und der bescheidenen Wagenremise. Hinter dem Hauptgebäude, wo sich an der Bruchsteinmauer das doppelt mannshohe Mühlrad befand, reichten ihre Äste an einer Stelle so weit herunter, dass ihre äußersten Auswüchse sich mit dem runden Balkenwerk zu verflechten schienen. [...]

„Hier, mitten im Wald brauchen wir zumindest die Polizeistunde nicht einzuhalten“, gab die Pascolinitochter zu bedenken. „Kein Greafrack wird den weiten Weg auf sich nehmen wollen. Und genau das werden gewisse Leute zu schätzen wissen, werden die Geldstücke deswegen wieder bei uns springen lassen…“

(Manfred Böckl: Mathias Kneissl. Der Raubschütz von der Schachermühle. Verlagsanstalt Bayerland Dachau, Dachau 1998, S. 51-54)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Michaela Karl

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