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Geb.: 8. 7.1973 in Seubersdorf
© Gerda Stauner
Titel: Dipl.-Betriebswirtin (FH)

Gerda Stauner

Die gebürtige Oberpfälzerin wächst mit fünf Geschwistern in Seubersdorf (Landkr. Neumarkt) auf, besucht die Edith-Stein-Realschule in Parsberg und absolviert anschließend eine Ausbildung zur Bürokauffrau. An der Berufsoberschule Regensburg erlangt sie die fachgebundene Hochschulreife. Aus Interesse am Schreiben macht sie Praktika in der Parsberger Zeitungsredaktion und im Regensburger Funkhaus. An der FH Rosenheim studiert Gerda Stauner Betriebswirtschaft.

1999 zieht sie nach Regensburg und eröffnet am Alten Kornmarkt das kleine Themenhotel „Künstlerhaus“, wo auch Musiker, Kabarettisten und Künstler wie die Fantastischen Vier, Georg Ringsgwandl oder Sammy Deluxe absteigen. Daneben führt sie selbst kleinere Veranstaltungen durch. In dieser Zeit beginnt sie Texte zu verfassen, Barbara Krohn und Elfi Hartenstein vermitteln ihr die Einführung ins kreative Schreiben. 2007 läuft der Pachtvertrag aus und Gerda Stauner arbeitet freiberuflich als beratende Betriebswirtin.

2016 erscheint ihr Roman Grasmond, der kriminalistisch angelegt vom ersten Regensburger Bürgerfest im heißen Sommer 1973 handelt und zeitgeschichtlich in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs führt, wo Fremdarbeiter in der Oberpfälzer Landwirtschaft eingesetzt werden. Mit „Grasmond“ (auch „Ostermond“) haben in früheren Jahren die Bauern den Monat April bezeichnet. Grasmond (2011) lautet darüber hinaus ein gleichnamiger Song von Herbert Grönemeyer.

Schon als Kind faszinieren Gerda Stauner die Erzählungen der Großeltern vom Kriegsende, als die US-Army Seubersdorf einnimmt. Entsprechend trägt der fiktive Handlungsort im Roman, das „Dorf Fichtenried“, gedanklich Züge ihres Geburtsorts. Die Kreisstadt Neumarkt in den letzten Kriegstagen im April 1945 ist ebenfalls Teil der Oberpfälzer Familiengeschichte um den Bauern Anderl und seinen Enkel, den 20-jährigen Zeitungsvolontär Melchior. Ungewolltes Bindeglied wird bei einer zufälligen Regensburger Begegnung ausgerechnet ein Staatssekretär mit „brauner“ Vergangenheit aus der bayerischen Landeshauptstadt: „Mei, des wor, weäih g’sagt, vor langer Zeit, im Krieach.“ Melchior kommt bei seiner Recherche einem tiefgründigen Familiengeheimnis auf die Spur.

Grasmond wird so zur Weichenstellung für die Oberpfälzer Autorin. Ihr prosaischer Akzent ist in diesem Debütroman durchweg gelungen. Und ihre Oberpfälzer Heimat, die „Stoapfalz“, wo die Menschen schon immer schwer für ihr Auskommen arbeiten mussten, birgt noch weitere unentdeckte, interessante Geschichten, Ereignisse und Erlebnisse, die es literarisch wert sind, bearbeitet zu werden. Franz Bumeder (BR 2) in seiner „Bücherschau Sommer 2016“: „Man könnte sagen, ein Heimatroman – spielt er doch in der Oberpfalz, in und um Regensburg. [...] Ein leicht zu lesendes Buch, aber durchaus mit Anspruch!“

Im Juli 2017 erscheint ihr zweiter Roman Sauforst. Vom Suchen und Finden der Heimat. Der Familienroman beginnt an Maria Lichtmess 1856 im Sauforst, als Anton Beerbauer, Sohn einer ledigen Mutter, geboren wird. Das gerade entstandene Stahl-Hochofenwerk Maxhütte (benannt nach König Maximilian II. Joseph) und die spätere Industrialisierung der mittleren Oberpfalz verändern den ärmlichen und bäuerlichen Alltag regional, strukturell und gesellschaftlich für immer. Gerda Stauner schildert eine Vatersuche, die auch die Frage zu klären versucht: Was ist eigentlich Heimat? 150 Jahre später überdenkt die Urenkelin Annette – das Alter Ego der Autorin – die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen schicksalhaften Familiengeschichte. Mit diesem weiteren Heimatroman hat sich Gerda Stauner endgültig in die literarisch-geographische Oberpfälzer Tradition von Gottfried Kölwel, Eduard Dietz und Margret Hölle eingeschrieben. Im März 2019 erscheint mit Wolfsgrund. Eine Spurensuche der dritte Teil ihrer Oberpfalz-Trilogie.

2018 wird Gerda Stauner mit dem Kulturförderpreis der Stadt Regensburg ausgezeichnet.

Gerda Stauner ist seit 2001 verheiratet, hat einen Sohn und lebt und arbeitet als freie Autorin in Regensburg.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

http://www.br.de/nachrichten/meldungen/buecherschau-sommer-2016_x-100.html, (15.09.2016).

https://www.onetz.de/deutschland-welt/hohenfels/spurensuche-verlassenen-dorf-id2690942.html, (14.04.2019).

Hildebrand, Ursula (2016): Neuer Roman Grasmond. Gerda Stauner lässt Realität und Fiktion verschmelzen. In: Wochenblatt (Regensburg), Kultur, 11. August.

Interview in der Reihe „Hand aufs Herz“ (2017): Auf ein Wort, Frau Stauner! In: Regensburger Kulturjournal, August/September, S. 54.

Müller, Gerhard (1988): Arbeiterleben und Arbeiterbewegung in der Oberpfalz 1848-1919 (Schriftenreihe des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern, 15), Weiden i.d. OPf.

Ostermann, Rainer (2015): Kriegsende in der Oberpfalz. Ein historisches Tagebuch mit einem Vorwort von Albert von Schirnding. Regenstauf.

Tost, Peter (2016): Seubersdorferin schreibt einen Roman. Grasmond spielt Ende des Zweiten Weltkriegs. Vom Schreiben war Gerda Stauner schon als Jugendliche fasziniert. In: Mittelbayerische Zeitung (Regensburg), Region Neumarkt, 31. August.

Ders. (2017): Auf der Suche nach der Heimat. Gerda Stauners neues Buch heißt Sauforst, spielt wieder in der Oberpfalz und ist dieser Tage erschienen. In: Mittelbayerische / Neumarkter Tagblatt (Regensburg), Landkreis-Literatur (Sonderseite), 14. Juli, S. 39.


Externe Links:

Zur Homepage der Autorin

Gerda Stauner im SüdOst-Verlag

Thema Gerda Stauner bei Onetz

BR-Mediathek-Video zu Gerda Stauner

TVA-Mediathek-Video zu Gerda Stauner

Youtube-Video zum Roman Wolfsgrund

Kommentare

Thomas Dobler am 04.05.2017 um 14:58

Eine interessante Autorin!



Bernhard M. Baron am 14.07.2017 um 06:59

Wahrlich, ein opulentes "Heimat"-Sittengemälde präsentiert die Regensburger Autorin Gerda Stauner in ihrem soeben erschienenen zweiten Roman Sauforst. Vom Suchen und Finden der Heimat. Ihr Familienroman beginnt an Mariä Lichtmess 1856 im "Sauforst", einer kargen Süd-Oberpfälzer Landschaft, der heutigen Maxhütte-Haidhof. Anton Beerbauer wird als Sohn einer ledigen Mutter und eines italienischen Wanderarbeiters geboren. Das gerade entstandene Stahl-Hochofenwerk "Maxhütte" (benannt nach dem bayerischen König Maximilian II. Joseph) und die spätere Industrialisierung der mittleren Oberpfalz verändern den ärmlichen und bäuerlichen Alltag regional, strukturell und gesellschaftlich für immer. Arbeitssuchende aus katholischen Großfamilien suchen ihr Utopia in Amerika. Bürgerrecht, Heimatrecht und Eheschließungsgenehmigungen erschweren Protestanten und Italienern (die ersten "Gastarbeiter"!) die gesellschaftliche Integration. Gerda Stauner, von Heribert Prantl (SZ) schon liebevoll als "Oberpfälzer Heimatschriftstellerin" postuliert, schildert anschaulich und einfühlsam eine "Vatersuche", die untrennbar verbunden ist mit der Frage: "Was ist eigentlich Heimat?" 150 Jahre später überdenkt die spurensuchende Ur-Enkelin Annette (Jg. 1960) - das alter ego der Autorin - die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen schicksalhaften Familiengeschichte. Mit diesem gelungenen Familienroman, der durchaus in der literarisch-sprachlichen Art von Edgar Reitz, August Kühn und Eduard Dietz gesehen werden kann, setzt Gerda Stauner, die aus der geographischen Oberpfälzer Tradition von Gottfried Kölwel und Margret Hölle stammt, einen wichtigen aussagekräftigen und niveauvollen Akzent in der bayerischen Literatur!



Thomas Dobler am 18.07.2017 um 09:11

Sehr schöner Kommentar zum Buch, macht Lust aufs Lesen! Das Buch habe ich schon, jetzt braucht es nur noch die Muse...



Stefan Wirner am 18.07.2017 um 10:06

Danke für diesen Tipp, das macht Lust auf „Sauforst“!



Bernhard M. Baron am 15.04.2019 um 13:11

Einst zwang die Jalta-Konferenz vom Februar 1945 14 Millionen Deutsche zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur Flucht bzw. zur Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten Richtung Westen. Vertreibung und Flucht fanden breiten und berechtigten Eingang in die deutsche Literatur. Doch niemand kümmerte sich um die literarische Aufarbeitung der menschlichen Schicksale der zwangsaufgelassenen Orte auf den Oberpfälzer US-Truppenübungsplätzen Grafenwöhr (1910/1935) bzw. Hohenfels (1938 bzw. Herbst 1951). Zwar mussten einige tausend Oberpfälzer nicht hunderte oder tausende Kilomenter weit fliehen wie ihre schlesischen (darunter auch meine Mutter mit meinen drei Geschwistern!), pommerschen, ostpreußischen, baltischen Landsleuten - aber dennoch war das ehemalige Zuhause für immer unerreichbar geworden, weil es nach der Zwangsaussiedlung in einem militärischen Sperrgebiet lag. Es ist das große Verdienst von Gerda Stauner, die mit ihrem neuen Roman Wolfsgrund (2019) am Beispiel einer fiktiv-realen Familiengeschichte hier einen beachtlichen literarischen Akzent setzt. Gerda Stauners Alter Ego ist in diesem dritten Teil ihrer eindrucksvollen Oberpfälzer Saga der Regensburger Journalist "Melchior" (den wir schon aus Grasmond, 2016, kennen), der bei einer Zeitungsrecherche über die Rückkehr der Wölfe in die Oberpfalz auf die Existenz ehemaliger Dörfer im nahen US-Truppenübungsplatz Hohenfels seiner eigenen Familiengeschichte, der "Familie Beerbauer" (seit 1900), auf die Spur kommt und sie dem Leser/der Leserin anschaulich in einem einzigartigen sprachlichen Sittengemälde näherbringt. Mahnend nimmt der Leser/die Leserin die letzten verblichenen Worte einer Wandbemalung in einem ehemaligen Wirtshaus (im Gelände des Truppenübungsplatzes Hohenfels) auf, die ein letzter Vertriebener als Menetekel schrieb: "Möge ihnen die Fremde Heimat werden, denn in der Heimat sind sie niemals Fremde." Vertreibung gab es auch in der Oberpfalz, und es ist gut, dass sie jetzt Eingang in die bairische Literatur gefunden hat! Mit Wolfsgrund (2019), dem Abschluss ihrer Trilogie, ist der begnadeten Erzählerin Gerda Stauner mit der Perspektive "der kleinen Leute" ein bleibender, wahrer "Heimatroman" gelungen, der mit "Heimatverlust" nachdenklich bis in die Gegenwart reicht.



Thomas Dobler am 16.04.2019 um 07:48

Gute Buchvorstellung, Bernhard. Auch Der neue Tag hat über den letzten Band der Trilogie berichtet: https://www.onetz.de/deutschland-welt/hohenfels/spurensuche-verlassenen-dorf-id2690942.html?fbclid=IwAR3jYxVnVNsq58A-udVLGanW_pbyQLJHYrvLdd1NZ1bdjreIpO1JMywYQuQ



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