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Geb.: 28. 7.1932 in Nürnberg
© Fachverlag Hans Carl
Namensvarianten: Kinast-Edi

Eduard Dietz

Eduard Dietz ist zwar in Nürnberg geboren, wird aber kriegsbedingt 1943 in die Oberpfalz evakuiert und wächst im Markt Breitenbrunn (Lkr. Neumarkt) im Altmühltal in bescheidenen Verhältnissen auf. Er erlernt den Beruf eines Bau- und Möbeltischlers, absolviert eine Ausbildung zum technischen Zeichner und wächst – an der Sprachgrenze Oberpfalz/Franken – dialektal „mehrsprachig“ auf. Seit 1955 wohnt Eduard Dietz wieder in Nürnberg.

Die Liebe zu seinen beiden Heimatregionen drückt sich besonders in seinen Mundartdichtungen aus – sowohl in der Nürnberger als auch Oberpfälzer Mundart. Als Oberpfälzer Dialektdichter nennt er sich nach seinem traditionellen Hausnamen „Kinast-Edi“: „Lang bevor daß a Schrift gebm hot,/ hotsis schou gebm, unsa Sprouch./ Und äitz mächtma halt aa/ In unserer Sprouch/ schreibm.“

1980 veröffentlicht Eduard Dietz seinen ersten fränkischen Mundartband Es woar alles ganz anderscht, 1981 als „Kinast-Edi“ sein A Falk mächt i sei. Gedanken zwischen Altmühl und Naab. Es folgen in Nürnberger Mundart Iich sooch goarnix (1984), Dou gibbts nix zum Lachn (1988), Wäis Lebm asuu läfft (1992) und Weihnachtn aaf Fränkisch. Jeds Joahr widder. Gedankn rund um Weihnachtn und Advent (1989, 4. Aufl. 2008). Letzteres wird von dem bekannten bayerischen Volksschauspieler und Fernsehkommissar Wilfried Klaus (*1941) bis heute als Kulturevent in Kirchen und Sälen präsentiert. Schon zu Weihnachten 1986 ist Eduard Dietzens Sankt Jakober Hirtenerzählung in der ev.-luth. St. Jakobskirche in Nürnberg erstmals szenisch zu hören: eine Weihnachtsgeschichte aus Sicht eines Hirten, seiner Frau und einer Hebamme, ganz in der Tradition literarischer Klassiker wie Ludwig Thoma und Otfried Preußler.

Chronistisch geht es in seiner Oberpfälzer Heimatgeschichte Preitprunnin: 2000 Jahre Geschichte im Tal der Laber (1986) zu. Schon 1976 hat Eduard Dietz die Festschrift zur 1100 Jahrfeier. Markt Breitenbrunn 1100 Jahre verfasst. Oberpfälzer Geschichte vereint auch sein Erzählband Die viereckige Seel. Geschichten aus der bairischen Landschaft (1992).

1984 veröffentlicht Eduard Dietz in Hochdeutsch seinen sozialen Entwicklungsroman Steinlese, in dem er die Lebensgeschichte seines Großvaters erzählt. Zeitlich zwischen 1884 bis 1952 angesiedelt, entfaltet Dietz nicht nur die Geschichte eines einfachen und mühseligen Bauern-, Soldaten- und Arbeiterlebens, sondern schildert auch am Beispiel eines zeitgenössischen Dorf- und Heimatromans das gesellschaftliche Spiegelbild des abgelegenen kleinen Ortes Laber im Altmühltal. Steinlese ist gleichzeitig eine persönliche Hommage an die karge und doch heimatliche Oberpfalz, die „Steinpfalz“:

Die Landschaft seiner Kindheit lag da, wo immer schon die Not zu Hause war und wo auf den Feldern die Steine wachsen. Es ist die Landschaft, die der Schönwerth-Sage nach nicht einmal der Teufel haben wollte, als sie ihm vom Herrgott angeboten wurde: „Pf'halt's!“, soll er gesagt haben, und damit hat er ihr auch gleich den Namen gegeben: Pfalz, die obere Pfalz, die Oberpfalz ist es und wohl in ihrer steinigsten Ecke wurde er [der Großvater] geboren [...].

Der Roman gehört neben Carlamaria Heims Josefa Halbinger. Jahrgang 1900, Anna Wimschneiders Herbstmilch oder Werner Fritschs Lebensgeschichte des Oberpfälzer Knechts Cherubim in die Reihe „Erzählen vom eigenen Leben“ (Eberhard Dünninger) und eröffnet – aufgrund des Lebensschicksals des Großvaters – eine neue Dimension des sprachlichen Zugangs, durchaus inspiriert von Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter.

Der ebenso wie Dietz aus dem Landkreis Neumarkt stammende Münchner Filmregisseur Josef Rödl (*1949) erarbeitet für Steinlese schließlich ein Film-Exposé für das ZDF. Die Ausarbeitung fällt allerdings zeitlich mit der Heimattrilogie Heimat – Eine deutsche Chronik (1984) des Regisseurs Edgar Reitz zusammen, weshalb Steinlese filmisch ins Hintertreffen gerät.

In zahlreichen Anthologien ist Eduard Dietz vertreten, so in Erika Eichenseers Oberpfälzer Mundart-Lesebuch (1983, 3. Aufl. 1997), im Lesebuch des „Sindlbacher Kreises“ Wouher da Wind waht. Gereimtes und Ungereimtes aus der Oberpfalz (1985), in Mein Juraland-Lesebuch (1988) von Gerold Bielohlawek-Hübel sowie in Eberhard Dünningers Kern Teutschlands, Oberpfalz, Dein Ruhm hat mich entbrannt. Literarische Entdeckungsreise durch zwölf Jahrhunderte (1992).

Am 15. März 1985 kommt es in Weiden zu einer „Oberpfälzer Gemeinschaftsmundartlesung“ mit Eduard Dietz und seinen Mundartkollegen Harald Grill (Wald) und Ludwig „Wigg“ Bäuml (Waldthurn/Kallmünz). Im Mai 1987 nimmt Dietz auch an den 3. Weidener Literaturtagen „Mundart – Was ist das?“ teil.

1991 sendet der Bayerische Rundfunk sein Hörspiel Golliad (Regie: Herbert Lehnert), das von einem kleinwüchsigen fränkischen Gelegenheitsarbeiter handelt, der deshalb den Scherznamen „Golliad“ erhält. Eine Immobilienfirma bietet für dessen Grundstück eine enorme Summe, um darauf ein mondänes Altersheim zu bauen. Doch das Schicksal hat für Golliad kein bürgerlich gesichertes Leben zugedacht, alles bleibt beim Alten.

Eduard Dietz ist Mitglied im „Sindlbacher Kreis“. Seit einem Seminar des Bezirks Oberpfalz im Sommer 1982 nennen sich die MundartautorInnen der westlichen Oberpfalz Anneliese Bachert, Eduard Dietz, Josef Fechner, Georg Gick und Helga Hollweck nach einer Zusammenkunft in Sindlbach „Sindlbacher Kreis“.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

De Gruyter, Walter (2004): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begr. von Wilhelm Kosch, hg. von Lutz Hagestedt. Bd. 6. München, S. 249f.


Externe Links:

Literatur von Eduard Dietz im BVB

Fränkische Dialekte im Historischen Lexikon Bayerns

Kommentare

Bernhard M. Baron am 22.06.2015 um 18:09

Eine wahre Renaissance erlebte das Werk von Eduard Dietz am 15. Juli 2006 bei der Veranstaltung "Fränkisches und anderes G'schmarri" des "Thalia"-Theaters Nürnberg in Zirndorf (Landgasthaus "Linder Grube") und am 30. Juli 2006 in Simmelsdorf (Biergarten der Simmelsdorfer Mühle). Dabei kamen u.a. die Sketche/Einakter Die Urlaubsbekanntschaft, Die Amtseinführung, Gleichung mit zwei Unbekannten und Was ma hat, des hat ma zur Aufführung.



Gerda Stauner am 26.10.2016 um 10:27

Auf Empfehlung von Bernhard M. Baron habe ich mich der Lektüre von Steinlese gewidmet. Ich selbst wurde nur wenige Kilometer vom Handlungsort des Romans - Schloss Breitenegg bei Breitenbrunn - geboren und habe mich dank der zurückhaltenden, aber dennoch sehr treffenden Beschreibung der Landschaft sofort heimisch gefühlt. "Dies ist die Geschichte einer Landschaft, über die man normalerweise nicht schreibt." Der Satz am Anfang des sozialkritischen Romans fasst das Selbstverständnis der Einheimischen Ende des 19. Jahrhunderts zusammen: sich klein machen, unterordnen und irgendwie überleben in der kargen "Stoapfalz". Nur will das dem Sebastian, dem Wastl, nicht gelingen. Alles in ihm sträubt sich gegen die jahrhundertealten, scheinbar gottgegebenen Regeln und Normen des bäuerlichen Zusammenlebens. Steinlese ist eine Verbeugung des Autors vor dem eigenen Großvater, ein Juwel in der steinigen Oberpfalz!



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