Info
Geb.: 16. 6.1919 in Weng (Postmünster)
Gest.: 1. 1.1993 in Pfarrkirchen

Anna Wimschneider

Am 16. Juni 1919 wird Anna Wimschneider, geb. Traunspurger, als viertes von neun Kindern auf dem „Weng“-Hof in der Gemeinde Neuhofen (seit 1971 Gemeinde Postmünster, Ldkr. Rottal-Inn) geboren. Sie ist erst acht Jahre alt, als ihre Mutter im Kindbett stirbt. Anna muss daher schon mit jungen Jahren den großen Haushalt führen. Eine Nachbarin lehrt ihr das Kochen, Putzen und Waschen. Auf Veranlassung ihres Vaters muss Anna ihre Schulzeit vorzeitig beenden, damit sie mehr Zeit für den Haushalt hat.

1939 heiratet sie Albert Wimschneider (geb. 1916) aus Schwarzenstein bei Pfarrkirchen (Ldkr. Rottal-Inn) und zieht auf den Hof ihres Mannes. Wenige Tage nach der Hochzeit erhält Albert Wimschneider seinen Einberufungsbescheid. In der Folge bleibt es an Anna, die Verwandtschaft ihres Mannes zu versorgen. Annas Arbeitstag beginnt dementsprechend früh, häufig bereits um zwei Uhr morgens, und umfasst neben der Hausarbeit auch die gesamte Stall- und Feldarbeit. Zudem muss sie sich um die Körperpflege der gehbehinderten Onkel kümmern.

Am 23. Juli 1941 kommt die erste  Tochter Carola zur Welt, während Albert noch in Südwestfrankreich dient. 1944 wird Albert verwundet und kehrt nach einem Lazarettaufenthalt im April 1945 nach Hause zurück. Zwei weitere Töchter werden 1949 und 1952 geboren.

Im Winter 1981/82 erkrankt Anna schwer an Asthma und Diabetes und entschließt sich, für ihre Familie ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Per Zufall gelangen ihre Aufzeichnungen zum Münchner Piper-Verlag. Nach anfänglich großen Bedenken lässt sich Anna schließlich zur Publikation des Manuskripts überreden. Es wird 1984 u.d.T. Herbstmilch veröffentlicht.

Herbstmilch wird zum Spiegelbestseller und 1988 verfilmt. Der Titel „Herbstmilch“ geht auf den Namen eines Arme-Leute-Essens zurück, wie es im Buch heißt: „Das Lieblingsessen der Alten war eine gute Herbstmilchsuppe mit viel saurem Rahm und im Rohr gebratene Kartoffeln. Herbstmilch ist eine saure Milch, zu der man fast jeden Tag wieder eine gestöckelte Milch gibt. Dann rührt man um, nimmt einen Liter heraus, verquirlt sie mit etwas Mehl in einem Liter kochendem Wasser und rührt sie dann mit saurem Rahm an.“  

Anna Wimschneider wird 1990 mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Poetentaler ausgezeichnet. 1991 erscheint das Werk Ich bin halt eine vom alten Schlag unter ihrem Namen, enthält aber fast ausschließlich von der Autorin Katharina Meschkowski verfasste und zusammengestellte mündliche Aufzeichnungen.

Anna Wimschneider verstirbt am 1. Januar 1993 im Alter von 73 Jahren in Pfarrkirchen an den Folgen eines Schlaganfalls. Bis zuletzt hat sie mit ihrem Mann auf dem gemeinsamen Hof in Schwarzenstein gelebt. Könnte sie noch einmal leben, „eine Bäuerin würde [sie] nicht mehr werden“.

Ihre Grabstätte liegt auf dem Neuen Südfriedhof in München.

Verfasser: Judith Bauer / Bayerische Staatsbibliothek


Externe Links:

Literatur von Anna Wimschneider im BVB

Literatur über Anna Wimschneider im BVB

Herbstmilch im Historischen Lexikon Bayerns

Kommentare

Gudrun Olm am 27.04.2017 um 20:00

Ich durfte Frau Wimschneider während einer Signierstunde kennen lernen und freue mich, dass sie durch das Literaturportal entsprechend gewürdigt wird.



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