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Geb.: 12. 6.1966 in Weiden
© Kaja Krajnik
Titel: M.A.

Stefan Wirner

Stefan Wirner besucht in Weiden das neusprachliche Kepler-Gymnasium, das auch die Autoren Helmut Hoehn, Johannes Kreuzer, Werner Fritsch, Robert Dachs, Thomas Stemmer und Michael Brenner absolvieren und an dem der aus Berlin stammende Akzente-Schriftsteller und Pädagoge Franz Joachim Behnisch als Deutsch- und Geschichtslehrer unterrichtet („Weidener Dichterschule“).

Im Juni 1985 macht Stefan Wirner hier sein Abitur. Er studiert Neuere Deutsche Literatur an der Universität zu Köln, an der LMU München und an der Freien Universität Berlin und schließt mit dem Magister ab. Es folgt ein Aufbaustudium „Deutsch als Fremdsprache“ an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Erste lyrische Veröffentlichungen erscheinen in Schülerzeitschriften, von 1982 bis 1984 in Stefan Voits Literaturzeitschrift Das Windrad, 1983 dann auch im Weidener Lesebuch. Aktionistische Lesungen in Rainald-Goetz-Manier erfolgen in Jugendzentren und Galerien. Als Lyriker sieht sich Stefan Wirner in der großen Tradition des französischen surrealistischen Dichters René Char (1907-1988).

Seit 1999 arbeitet Wirner als freier Journalist und verfasst Beiträge, u.a. für die Berliner Zeitung, Die Welt, taz, Netzzeitung, die Jüdische Allgemeine und das Journal von Amnesty International. 2001 wird er Ressortleiter für Innenpolitik der politischen Wochenzeitschrift Jungle World. Seit Januar 2012 ist er als Redaktionsleiter bei der Drehscheibe tätig, einem Magazin für Lokaljournalisten, das von der Bundeszentrale für politische Bildung Berlin herausgegeben wird. Wirner schreibt darüber hinaus Glossen in der Rubrik „Unterm Strich“ in der Berliner Zeitung (BZ).

1998 gibt Stefan Wirner zusammen mit Ralf Hiener, Bettina Mack und Matthias Schillo Hanf, das Kochbuch heraus. Mit diesem überraschend-frischen literarischen Kochbuch feiert der Hanf gewissermaßen sein Comeback in vielen Bereichen – auch in der Küche.

Der Jugoslawienkrieg 1999 mit dem erfolgten NATO-Einsatz gegen Serbien inspiriert Stefan Wirner zu seinem nächsten Buch Installation Sieg. Der Autor präsentiert eine Kalligraphie des Balkan-Krieges in Form einer Text-Collage von Pressezitaten. 2000 erstellt Wirner aus Zeitungsartikeln und Reden eine weitere ironische Collage zum Hauptstadtboom: Berlin Hardcore. Eine deutsche Farce in Zitaten, ein real-satirisches Buch auf das Berlin der Gegenwart und seiner Republik. 2002 folgt – kurz vor der Bundestagswahl – seine Textcollage Schröderstoiber mit zwei fiktiven Reden, die er aus Reden und Interviews des Kanzlers und seines Kandidaten erstellt. Alle drei „cut-up-Romane“ (erschienen im Verbrecher Verlag, Berlin) sind geprägt von der Montagetechnik William S. Burroughs, einer experimentellen Methode, Texten neuen und anderen Sinn zu entlocken, sie gerade dadurch in ihrer Absurdität zu entlarven.

Stefan Wirner neben einer Bronzestatue Fernando Passoas anlässlich seiner Portugalreise (Lissabon, Juni 2016). Foto: privat.

2011 erscheint Wirners Lyriksammlung Love To Go im Selbstverlag. Die leisen „Liebesreise“-Gedichte, die sich thematisch-stilistisch durchaus dem Moralisten Erich Kästner annähern, handeln von verlorener Liebe: Jedes der Gedichte steht für sich, ergibt aber zusammen mit anderen eine lyrische Erzählung in sieben Teilen. Die lyrischen Gedanken umkreisen das Problem der Kommunikation, der psychischen Krankheit, der eigenen Unzulänglichkeit, der Verlorenheit:

Im Hotel

Die Anonymität
der Gegenstände.
Eingängige Bilder
an den Wänden: Eine
Landschaft von Monet,
vielleicht auch eine
von Paul Klee.

Dein Blick fällt
auf die Betten, in denen
weiß Gott wer schlief.
Im muffigen Schrank
hängt dein Anzug schief.

Du richtest dich
vorübergehend ein
und wirst zum
zweiten Inventar,
ein kostenloses
Softgetränk
erwartet dich
in der Zimmerbar.

Die äußere Reise (Paris, Normandie, Brüssel, Schweiz, Tunesien, Lac Léman) wird zu einer inneren und führt in die verschütteten Räume von Herkunft und Kindheit nach Bayern, in die Oberpfalz, so im Gedicht „Steinwald“:  „Das Gewicht der Städte / drückt das Land in die Tiefe,/ doch die Wälder / erheben sich / aus dem Granit.“

Stefan Wirner ist mit einem Beitrag in der Anthologie untertan – texte zur zeit (Geest-Verlag, 2015) und in der Wettbewerbsanthologie des Fördervereins Deutsches Aphorismus-Archiv 2016 vertreten. Neuere Gedichte finden sich in der Europäischen Kulturzeitschrift Sudetenland (1/2016). Zudem ist Wirner erfolgreicher Teilnehmer des Aphorismen- und Gedichtwettbewerbs 2016/17 des Geest-Verlags Vechta. Weitere Aphorismen enthält die Anthologie Die süße Jagd nach Bitternissen, die im März 2017 erschienen ist.

Stefan Wirner lebt seit 1990 als Journalist und Autor in Berlin.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Alkofer, Andreas; Voit, Stefan (Hg.) (1983): Weidener Lesebuch. Für Franz Joachim Behnisch 1920-1983. Weiden i.d. OPf., S. 49-51.

Baron, Bernhard M. (20074): Weiden in der Literaturgeographie. Eine Literaturgeschichte (Weidner Heimatkundliche Arbeiten Nr. 21). Weiden i.d. OPf., S. 67.

Market, Irene (1982): Zwei Weidener Lyrik-Talente. Weig und Wirner lasen Gedichte. In: Oberpfälzer Nachrichten (Weiden i.d. OPf.), 28. April, S. 14.

Wirner, Stefan (2015): Ein Oberpfälzer in Berlin. In: Literatur in Bayern 30. Jg., Nr. 122, S. 23f.

Ders.: Lyrik (2016). In: Sudetenland. Europäische Kulturzeitschrift (München), Nr. 1, S. 93-96.


Externe Links:

Literatur von Stefan Wirner im BVB

Zum Weblog des Autors

Twitterkanal von Stefan Wirner

Stefan Wirner auf drehscheibe.org

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