Info
Geb.: 5. 4.1846 in Gnodstadt
Gest.: 20.12.1927 in München
Michael Georg Conrad (Archiv Monacensia)
Titel: Dr. phil.
Namensvarianten: Fritz Hammer

Michael Georg Conrad

Michael Georg Conrad wird am 5. April 1846 in Gnodstadt bei Marktbreit in Unterfranken als ältester Sohn eines Kleinbauern und Büttnermeisters geboren. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Altdorf geht er in den bayerischen Schuldienst. 1864 zieht Conrad nach Genf und beginnt ein Studium der romanischen Philologie, das er in Neapel und Rom fortsetzt. Er wird Journalist, beschäftigt sich mit Fragen der Pädagogik und Schulreform und ist als „Meister vom Stuhl“ in der deutschsprachigen Loge Pestalozzi freimaurerisch tätig. 1878 folgt der Umzug nach Paris, wo er als Journalist und Korrespondent für mehrere deutsche Zeitungen arbeitet. Er begegnet Emile Zola und beginnt, sich intensiv mit dem literarischen Naturalismus auseinanderzusetzen.

Nach insgesamt 12 Jahren im Ausland verlegt Michael Georg Conrad 1882 seinen Wohnsitz nach München, wo er im literarischen Leben der Stadt aktiv wird. Er gründet im Januar 1885 die Zeitschrift Die Gesellschaft, eine „Wochenschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben“, die zum wichtigsten Medium des Naturalismus in München avanciert. Orientiert an Zola, an Nietzsche und Wagner, erklärt Die Gesellschaft es sich zu ihrem Ziel, dem „Verlegenheitsidealismus des Philistertums“ den Kampf anzusagen. Conrad verfasst zahlreiche Artikel, Essays und Literaturkritiken. Heftige Angriffe richten sich vor allem gegen den Dichterkreis um Paul Heyse und dessen Konzeption des künstlerischen Idealismus. 1891 wird Conrad Mitglied der von Otto Julius Bierbaum, Julius Schaumberger, Hanns von Gumppenberg und Georg Hoffmann gegründeten Gesellschaft für modernes Leben, die sich für die Verbreitung modernen Denkens in Literatur und Theater einsetzt.

Michael Georg Conrad veröffentlicht Essaysammlungen, Romane, Novellen, Theaterstücke und den Gedichtband Salve regina (1899). Der Novellen-Zyklus Totentanz der Liebe (1885) gilt als literarische Begründung des süddeutschen Naturalismus. Nach dem Vorbild von Zolas Rougon-Macquart-Zyklus plant er das auf 10 Bände angelegte Romanwerk Was die Isar rauscht (1888), ein Münchner Gesellschaftsroman, der ein Panorama des städtischen Lebens in allen Schichten und Facetten ausbreiten soll. Nach drei veröffentlichten Bänden bleibt das Projekt unvollendet. Zu seinem literarischen Werk zählt auch der phantastische Zukunftsroman In purpurner Finsterniß (1895), den der Schriftsteller und Kulturjournalist Carl Ludwig Reichert als einen „expliziten Beitrag zur Gattung der Phantastik und Utopie innerhalb der deutschen und bayerischen Literatur“ einordnet. Es folgen Majestät. Ein Königsroman (1902) über den bayerischen König Ludwig II. und Der Herrgott am Grenzstein (1904), mit dem Conrad einen „echten Volksroman“ schreiben will, der sein Heimatdorf milieugerecht nachzeichnet.

In Essays und Artikeln beschäftigt sich Conrad immer wieder mit Fragen der Volkserziehung und der Frauenrechte. Seit 1887 ist er in zweiter Ehe mit der Münchner Hofschauspielerin und Ibsen-Interpretin Marie Ramlo (1848-1921) verheiratet, die als Schriftstellerin Erzählungen publiziert und unter dem Pseudonym L. Willfried Literaturkritiken in der Zeitschrift Die Gesellschaft veröffentlicht. Gemeinsam verfasst das Ehepaar das Lustspiel Die Emanzipierten (1888) und die Komödie Firma Goldberg (1889). Von 1893 bis 1898 ist Conrad zudem Reichstagsabgeordneter der Demokratischen Volkspartei.

Michael Georg Conrads große Bedeutung liegt in seiner Rolle als leidenschaftlicher Literaturvermittler und Wegbereiter des Naturalismus in München und Süddeutschland. Seine Bedeutung für die Literatur beginnt zu schwinden, als sich mit Arno Holz und Gerhart Hauptmann der Schwerpunkt des deutschen Naturalismus nach Berlin verlagert. Michael Georg Conrad stirbt am 20. Dezember 1927 in München.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Sylvia Schütz

Sekundärliteratur:

Reichert, Carl-Ludwig: Totentanz der Liebe. Leben und Werk des Michael Georg Conrad. Bayerischer Rundfunk, Land und Leute, Manuskript der Sendung vom 7. April 1996.


Externe Links:

Literatur von Michael Georg Conrad im BVB

Literatur über Michael Georg Conrad im BVB

Michael Georg Conrad in der BLO

Werke bei gutenberg.spiegel.de

Werke bei zeno.org

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