Info
Geb.: 16. 2.1879 in Kronstadt (Siebenbürgen)
Gest.: 27.10.1958 in München
Fotografie 1948/49 (Bayerische Staatsbibliothek München/Fruhstorfer)
Namensvarianten: Gustav Arthur Gräser; Gusto Gras

Gusto Gräser

Gusto Gräser wird in Kronstadt/Siebenbürgen geboren, dem damals zur k. u. k. Donaumonarchie gehörenden Siedlungsgebiet deutscher Auswanderer. Seine Vorfahren sind Historiker und Bischöfe, sein Vater ist Bezirksrichter. Im Alter von 16 Jahren verlässt er das Gymnasium, um bei einem Goldschmied und Kunstschlosser in die Lehre zu gehen, die er nach ein paar Wochen wieder abbricht. Bei der Budapester Weltausstellung 1896 wird ihm immerhin der erste Preis für eine Schnitzarbeit zuerkannt – Gräser geht nach Wien in die Kunstgewerbeschule, zerstört alle seine Bilder und begibt sich auf Wanderschaft. Zusammen mit seinem älteren Bruder Karl gründet er in Galizien eine Landkommune, die sich Ohne Zwang nennt; deren Initial „O.Z.“ wird Gusto noch lange Zeit darauf unter seine Gedichte stempeln oder in Wohnhöhlen schnitzen.

In München sammeln sich um die Gebrüder Gräser sieben Menschen, die aus der bestehenden Gesellschaft ausbrechen wollen und gemeinsam mit ihnen über die Alpen zum Monte Verità bei Ascona wandern, wo sie eine Siedlung gründen. Von dem Usurpator Henri Oedenkoven vertrieben, endet das Zusammenleben allerdings; Gräser verweigert 1902 den Militärdienst und sitzt eine einjährige Kerkerhaft in Österreich ein. Vier Jahre später wandert er wieder mit Freunden quer durch Europa – der Schriftsteller Hermann Hesse schließt sich ihm an und verbringt einige Wochen in und bei der Höhle von Arcegno, die Gräser von der umliegenden Gemeinde überlassen worden ist. Während Hesse sich zum zweiten Mal auf Monte Verità aufhält, tritt Gräser 1907 in München mit Gedichten, Tänzen und Vorträgen an die Öffentlichkeit. Dort hat er ab 1910 auch Auftritte in der Künstlerkneipe Simplicissimus. Es beginnt eine Zeit, die Gräser mit Frau und Kind im Wohnwagen quer durch Deutschland zubringt. Er wird mehrmals ausgewiesen, bis er 1915 in Budapest als Spion verhaftet und in Siebenbürgen zurückgewiesen wird. Wieder auf Monte Verità begegnet er im Herbst 1916 erneut Hermann Hesse, dem er seine Nachdichtung auf TAO TE KING anvertraut, der im Gegenzug Gräser im Demian und in anderen Dichtungen ein literarisches Denkmal setzt.

Während der Münchner Räterevolution 1919 predigt Gräser Gewaltlosigkeit, er wird jedoch nach dem Sieg der Weißen verhaftet und aus München ausgewiesen. Als er 1926 zurückkehren will, um Vorträge zu halten, wird er abermals verhaftet: die Ausweisung aus dem Deutschen Reich wird indes abgewendet durch das Einschreiten mehrerer deutscher Schriftsteller, darunter Michael Georg Conrad, Hermann Bahr, Rudolf von Delius, Ludwig Held, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann. Gräser zieht nach Berlin, arbeitet im Anti-Kriegsmuseum und hält monatelang Vortragsreihen. Die dortige Siedlung Grünhorst seiner Tochter Gertrud wird ein Treffpunkt der Wandervögel, der Biologischen Bewegung und des NS-Widerstands. Von den Nationalsozialisten verhaftet, wird Gräser 1940 ein Schreibverbot erteilt. Er flieht nach München, wo er ab 1942 in Dachkammern bei Professoren wohnt. Fast täglich sitzt er in der Bayerischen Staatsbibliothek, arbeitend, schreibend, sein Gemüsenetz neben sich. Dort entstehen seine Hauptwerke Siebenmahl und Brieflein Wunderbar. Völlig vereinsamt und unbemerkt stirbt er in München-Freimann und wird in einem Armengrab beigesetzt.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Skasa, Michael (2004): Gusto Gräser (16.2.1879 – 27.10.1958). „Dieser Mensch ist reinen Herzens ...“ In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 102f.


Externe Links:

Literatur von Gusto Gräser im BVB

Literatur über Gusto Gräser im BVB

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Gusto Gräser im SbZ-Archiv

Hermann Hesse

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