Franziska zu Reventlow in Bayern

Extreme und Fluchtlinien bestimmen Franziska zu Reventlows Existenz, nachdem sie ihre norddeutsche Heimat verlassen hat, um im fernen München ein Leben in Freiheit zu realisieren. Lebenskünstlerin, Schriftstellerin, erotisches Genie, alleinerziehende Mutter und vor allem selbstbestimmte Frau –  ihr aufregendes Leben klingt wie ein moderner Roman. 

Franziska zu Reventlow wird am 18. Mai 1871 als Tochter des Landrats Ludwig Graf zu Reventlow und seiner Frau Gräfin Emilie, geb. zu Rantzau, in Husum als 5. von 6 Kindern geboren. Sie stirbt am 26. Juni 1918 nach einem Fahrradunfall und anschließender Operation in einer Klinik in Locarno. 

Schon früh rebelliert Franziska zu Reventlow gegen ihre Erziehung zur höheren Tochter und entdeckt für sich eine Fluchtlinie, die ihre lebhafte Phantasie anregt und ihr gleichzeitig Sicherheit verleiht: das Schreiben. Sie führt Tagebuch und eine ebenso umfang- wie aufschlussreiche Korrespondenz. 1893 geht sie nach München, um sich als Malerin ausbilden zu lassen. Dort gesellt sich bald eine weitere Kunstform zu Malerei und Literatur: das Leben selbst! Franziska zu Reventlow propagiert das Leben als Kunstwerk, als permanentes Fest. Sie entwickelt die Utopie einer erotischen Kultur, lebt radikal, souverän und unverhohlen einen subtilen und individuellen Lebensstil, in dem sie sich alle Freiheiten – vor allem auch sexuelle – nimmt, die sie will. 

Von ihren Liebhabern wird sie bezeichnet als heidnische Madonna, Inkarnation der erotischen Rebellion, moderne Hetäre, Schleswig-Holsteinische Venus, große Amouröse, tolle Gräfin, Königin der Boheme, Virtuosin des Lebens.

Ihr stark autobiografisch geprägtes literarisches Werk umfasst neben Gedichten, Erzählungen und Essays 5 Romane, welche die wichtigsten Themen ihres Lebens widerspiegeln: Weibliche Identität (Ellen Olestjerne), Männer (Von Paul zu Pedro), Boheme (Herrn Dames Aufzeichnungen), Geld (Der Geldkomplex), Leben und Tod (Der Selbstmordverein).


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

Sekundärliteratur:

Korfiz Holm: Ich – kleingeschrieben. Heitere Erlebnisse eines Verlegers. Langen Müller Verlag, München 1932.

Erich Mühsam: Unpolitische Erinnerungen. Aufbau Verlag, Berlin 2003.

Rolf Reventlow: Kaleidoskop des Lebens. Typoskript im Institut für Zeitgeschichte in München o.J.

Franziska zu Reventlow: Sämtliche Werke in fünf Bänden. Hg. von Michael Schardt u.a. Igel Verlag, Oldenburg 2004.
Band 1: Ellen Olestjerne. Von Paul zu Pedro.
Band 2: Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil. Der Geldkomplex. Der Selbstmordverein.
Band 3: Tagebücher 1886 bis 1910.
Band 4: Briefe 1890 bis 1917.
Band 5: Gedichte, Skizzen, Novellen, Kritisches, Schwabinger Beobachter, Übersetzung.

F. Gräfin zu Reventlow: „Wir sehen uns ins Auge, das Leben und ich“. Tagebücher 1895-1910. Hg. von Irene Weiser und Jürgen Gutsch. Verlag Karl Stutz, Passau 2006.

F. Gräfin zu Reventlow, Bohdan von Suchocki: „Wir üben uns jetzt wie Esel schreien“. Briefwechsel 1903-1909. Hg. von Irene Weiser, Irene, Detlef Seydel und Jürgen Gutsch. Verlag Karl Stutz, Passau 2004.

 

Bauer, Helmut (1998): Schwabing – Kunst und Leben um 1900. Münchner Stadtmuseum, München.

Bauer, Helmut; Tworek, Elisabeth (Hg.) (1998): Schwabing – Kunst und Leben um 1900. Essays. Münchner Stadtmuseum, München.

Fritz, Helmut (1980): Die erotische Rebellion. Das Leben der Franziska Gräfin zu Reventlow. Fischer Verlag, Frankfurt.

Schmitz, Walter (Hg.) (1990): Die Münchner Moderne. Die literarische Szene in der Kunststadt um die Jahrhundertwende. Philipp Reclam jun, Stuttgart.

Wendt, Gunna (2008): Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin. Aufbau Verlag, Berlin.



Kommentar schreiben
https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbthemes/fzr_800_24dpi517_164.jpg
Franziska zu Reventlow (Archiv Monacensia)