Info
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Titelblatt einer Luther-Bibel (c) Landesbibliothek Coburg
Schloss Ehrenburg Schlossplatz 1
96450 Coburg
Leitung: Dr. Silvia Pfister
Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 10.00-17.00 Uhr, Fr.-Sa.: 10.00-13.00 Uhr.
Telefon: 09561 / 8538-0
Fax: 09561 / 8538-201
Website
E-Mail: geschaeftsstelle[at]landesbibliothek-coburg.de

Landesbibliothek Coburg

Im südlich des Thüringer Waldes gelegenen fränkischen Gebiet des Kurfürstentums Sachsen wird im Jahr 1542 für Herzog Johann Ernst (1521-1553), Halbbruder Kurfürst Johann Friedrichs I. (des Großmütigen, 1503-1554), eine selbstständige Herrschaft mit Coburg als Residenz errichtet. Die Hofhaltung wird von der Veste in das von 1543 bis 1549 neu erbaute Stadtschloss Ehrenburg verlegt. Spätestens 1547 ist dort auch eine Bibliothek, die Herzogliche Schlossbibliothek, belegt. Unter Herzog Johann Casimir (1564-1633), Enkel des „geborenen“ Kurfürsten Johann Friedrichs I., wird Coburg endgültig zu einem selbständigen Fürstentum. Unter Eingliederung der Bibliothek seines Vaters baut Johann Casimir ab 1590 die Schlossbibliothek aus und gründet 1605 das Casimirianum.

Unter Herzog Albrecht III. (1648-1699) entsteht aus älteren, der Plünderung im Dreißigjährigen Krieg entgangenen Resten, weiteren Neuanschaffungen sowie wahrscheinlich aus anderen herzoglich-sächsischen Sammlungen übernommenen Beständen eine barocke Schlossbibliothek. In ihr befinden sich unter anderem nahezu alle, noch unter Pseudonym erschienenen, Erstdrucke der Werke Grimmelshausens. Im Zeitalter der Aufklärung betreiben die Herzöge Ernst Friedrich (1724-1800) und Franz Friedrich Anton (1750-1806) von Sachsen-Coburg-Saalfeld eine umfassende und durchdachte Bibliothekspolitik. Der Bestand wird systematisch im enzyklopädischen Stil ausgebaut.

25 Jahre lang, von 1801 bis 1826 wirkt Friedrich Karl Forberg als Bibliothekar; als künstlerischer und literarischer Berater fungiert zeitweise der Schriftsteller Moritz August von Thümmel. In diese Zeit fällt – eine Folge der Napoleonischen Kriege – die Umwandlung der Herzoglichen Bibliothek in eine Herzogliche Hof- und Staatsbibliothek. Ihr Unterhalt wird fortan überwiegend aus öffentlichen Geldern bestritten. Einer der heute berühmtesten Benutzer dieser Jahre ist der Schriftsteller und Orientalist Friedrich Rückert.

Eintrag von „D. Friedrich Rückert“ im Benutzerbuch der damaligen Hof- und Staatsbibliothek am 8. August 1820 (c) Landesbibliothek Coburg

Nach dem Ersten Weltkrieg endet das Herzogtum in Coburg. Zum Zwecke der Übernahme und Bewahrung der herzoglichen Kulturgüter sowie ihrer Bindung an Coburg wird im August 1919 die Coburger Landesstiftung gegründet. Sie übernimmt auch die Verantwortung für die Hof- und Staatsbibliothek, die fortan als Landesbibliothek firmiert. Da der Freistaat Coburg nur eine Übergangslösung für die Nachkriegszeit darstellt, entscheiden dessen Bürger in einem Volksentscheid, eine Vereinigung mit Bayern anzustreben. Diese wird per Staatsvertrag vom 14. Februar 1920 geregelt und zum 1. Juli 1920 vollzogen.

Außenansicht und Bücherschrank (c) Landesbibliothek Coburg

1950 wird die etwa 850 Bände umfassende Luther-Bibliothek angegliedert, 1953 die Bibliotheca Casimiriana, eine auf den Herzog Casimir zurückgehende Gymnasial-Bibliothek, 1954 kauft die Landesstiftung auch die Herzogliche Privatbibliothek an. Noch zahlreiche weitere geschlossene Sammlungen wie die Schlossbibliothek Niederfüllbach, die Kirchenbibliothek von St. Moriz oder die Theaterbibliothek kommen in den folgenden Jahren hinzu. Da es der Landesstiftung an den nötigen finanziellen Mitteln zum weiteren Aufbau und der Konservierung der Bestände sowie für eine angemessene personelle Ausstattung mangelt, übernimmt der Freistaat Bayern am 1. Januar 1973 die Verwaltung der Landesbibliothek „unter Wahrung ihrer historisch-traditionellen Bindung an Coburg“, wie der Vertrag bestimmt. Im Juni 1999 gehen die Zuständigkeiten der damaligen Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken auf die Bayerische Staatsbibliothek über. Die Landesbibliothek Coburg gehört daher heute zusammen mit acht weiteren Bibliotheken zu den der Bayerischen Staatsbibliothek unmittelbar nachgeordneten regionalen staatlichen Bibliotheken. Mit einem Bestand von rund 440.000 Bänden ist sie nach der Staatsbibliothek Bamberg die zweitgrößte der genannten Einrichtungen.