Info
Geb.: 23. 5.1941 in Reichenberg/Böhmen
Gest.: 30.7.2018 in Freising

Uwe Brandner

Uwe Brandner wird in der nordböhmischen Industriestadt Reichenberg geboren, dem Geburtsort des Kinderbuchautors Otfried Preußler und der Schriftstellerin Barbara König. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Vertreibung der Deutschen aus Böhmen wächst Uwe Brandner in Bayreuth auf. Nach dem Abitur arbeitet er als Berichterstatter und Jazzmusiker in Werner Weinelts „New Jazz Group“ und beginnt ein Studium der Theatergeschichte, Germanistik und Philosophie. Als Autor, Filmregisseur, -produzent, -komponist, Drehbuchautor und Schauspieler macht er sich überregional einen Namen.

1962 und 1964 arbeitet Uwe Brandner an zwei Kurzfilmen Werner Herzogs mit (Herakles und Spiel im Sand). Sein erster Spielfilm Ich liebe dich, ich töte dich (1970) – „eine Bildergeschichte aus der Heimat“ mit Rolf Becker in der Hauptrolle – entsteht u.a. im oberpfälzischen Teil des Altmühltals sowie in Regensburg. Es folgen diverse TV-Produktionen und der Spielfilm Halbe-Halbe (1977) mit Hans Peter Hallwachs und Ivan Desny. 1988 ist Uwe Brandner als Darsteller im TV-Vierteiler Hemingway von Bernhard Sinkel zu sehen. Auch agiert er 2008 in der Dokumentation Gegenschuss – Aufbruch der Filmemacher, der auf der Berlinale im gleichen Jahr gezeigt wird.

Seinen Weg als avantgardistischer Schriftsteller beschreitet er 1968 mit seinem Erstling Innerungen, „einem radikal unkonventionellen Abenteuer-Liebes-Kriminal-Zukunfts- und Tatsachenroman“ (Munzinger), der in der Presse weitgehend auf positive Resonanz stößt. 1970 folgt drei uhr angst und 1971 Mutanten-Milieu. Die Gelbe TB-Reihe des Carl Hanser-Verlags, in der Uwe Brandners Bücher erscheinen, wird schließlich vom Pustet-Verlag Regensburg gedruckt. In dieser Reihe edieren auch Wolf Wondratschek und Elias Canetti.

1967 wird Uwe Brandner von Hans Werner Richter zur regulären Tagung der Gruppe 47 in der „Pulvermühle“ in der fränkischen Kleinstadt Waischenfeld eingeladen. Es soll das letzte Treffen der bedeutenden bundesdeutschen Literatenvereinigung sein; ein weiteres Treffen 1968 in der Tschechischen Republik scheitert an der Niederschlagung des Prager Frühlings. Im Oktober 2017 nimmt Brandner dann zum 50-jährigen Jubiläum der „Pulvermühlen-Tagung“ am „Veteranentreffen der Gruppe 47“ (Friedrich Christian Delius) teil, das auf Initiative der früheren Nürnberger Kulturreferentin Karla Fohrbeck stattfindet.

Uwe Brandner und F.C. Delius beim Veteranentreffen der Gruppe 47 im fränkischen Waischenfeld im Oktober 2017, initiiert von Dr. Karla Fohrbeck. Foto: Stefan Dörfler

Brandner wird mit Heinz Badewitz und Werner Weinelt Mitinitiator der Internationalen Hofer Filmtage und 1971 Mitbegründer des Filmverlags der Autoren. 1991 erhält er anlässlich der 25. Hofer Filmtage den Hofer Filmpreis. Im Mai 1998 ist er zudem Gast der 14. Weidener Literaturtage „Die 60er“.

2012 wird Uwe Brandner mit dem von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste erstmals für Film und Medien vergebenen Friedrich-Baur-Preis ausgezeichnet. Die Laudatio hält bei dieser Ehrung Akademiepräsident und ehemaliger Hanser-Verleger Michael Krüger. Preisträger für Literatur ist der Autor Benno Hurt.

Uwe Brandner lebt in München und ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Er stirbt am 30. Juli 2018 im Alter von 77 Jahren in einem Krankenhaus in Freising.

Verfasst von: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

https://www.welt.de/regionales/bayern/article169641129/Veteranentreffen-der-Gruppe-47.html, (22.12.2017).

Brandner, Uwe. In: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000014211, (22.12.2017).

Holba, Herbert; Knorr, Günter; Spiegel, Peter (1984): Reclams deutsches Filmlexikon. Stuttgart, S. 45f.

Schweikert, Rudi (2012): PEN-Zentrum Deutschland. Autorenlexikon 2012/13. Wuppertal, S. 55.


Externe Links:

Literatur von Uwe Brandner im BVB

Uwe Brandner in der Wikipedia

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