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Geb.: 13.10.1951 in Dinkelsbühl
Titel: Dr. phil.

Reinhard Knodt

Reinhard Knodt wird 1951 in Dinkelsbühl als Sohn eines Dorfschullehrer-Ehepaares geboren. Der Großvater war Bäcker am Oberen Markt in Weiden. Er beginnt bereits während des Studiums Kurzgeschichten in der örtlichen Tageszeitung zu publizieren. Während des Examens veröffentlicht er einen ersten Band mit Kurzgeschichten in der Tradition des „magischen Realismus“ (Die Pilzmaschine, 1977, zus. mit Ralf Huwendiek). Als junger promovierter Literaturdozent am päpstlichen University-College Maynooth für mittelalterliche Liebeslyrik schreibt er Lieder, mit denen er beim Nürnberger Bardentreffen 1980 auftritt. 1987 veröffentlicht er einen ersten Roman Das Haus, in dem ein poetisches Ich danach strebt, sich selber zu finden, sich tatsächlich aber ständig in unwesentlichen Renovierungsarbeiten verstrickt. Der Roman wird von Luise Rinser betreut.

Als wissenschaftlicher Angestellter für Literaturgeschichte an der Universität Bayreuth kauft er 1985 die Titelrechte der Nürnberger Blätter, die er mit Freunden in einem Gemisch aus postmoderner Philosophie, Literatur und Fotokunst in wenigen Jahren auf 10.000 Exemplare deutschlandweit hochtreibt – diese werden zwar nur frei ausgegeben, erzeugen aber dennoch Wirkung. Mit Beginn des Internets wird das Projekt in eine Gesprächsreihe umgewandelt, die „Nürnberger Autorengespräche“ (zusammen mit Peter Horst Neumann), bei der sich bundesdeutsche Autoren mit regionalen Schriftstellern treffen, um politische Themen zu diskutieren. In dieser Zeit ist Reinhard Knodt Philosophieassistent, erhält aber zugleich auch einen ersten Literaturpreis der Handwerkskammer und den Förderpreis des Wolfram-von-Eschenbach-Preises für das Buch Gott Liebe oder die Reinhaltung der Luft. In poetischer Kurzprosa thematisiert er darin die großen und kleinen Menschheitshoffnungen sowie die begrenzten Spielräume vernünftigen Handelns im Kleinen.

In den 1980er-Jahren unternimmt Reinhard Knodt zudem Reisen mit Politikerdelegationen (Städtepartnerschaftsarbeit für Erlangen [Wladimir] und Nürnberg [Krakau, Charkiw]),  später literarische Lese- und Vortragsreisen im Rahmen der Europäischen Integration (Schottland, Polen, Ungarn, Ukraine). Darüber hinaus begründet er die Nürnberger Mittagslesungen, die bis heute bestehen. Ebenso ist er an der Begründung des Hermann-Kesten-Preises beteiligt und Juror für den Marie-Luise-Engelhardt-Preis (Mfr.). Des Weiteren ist er im Rahmen des VS und des PEN-Programmes „Writers in Exile“ aktiv.

Mit der Veröffentlichung der Ästhetischen Korrespondenzen (1994) wird Knodt schließlich als Essayist bekannt und vom Reclam-Verlag in die Reihe der „Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts“ aufgenommen. Nach einem USA-Aufenthalt an der Pennsylvania-State-University vertritt er einen Lehrstuhl für Kunstphilosophie an der HDK in Kassel, beschließt jedoch fester Hausautor des Bayerischen Rundfunks in Franken zu werden, wo auch seine Frau und Kinder leben.

Hier entsteht das Buch Aber so kommen Sie doch mit hinunter zum Fluß (1998), das eine winzige Siedlungsstraße in einem kleinen Ort in Bayern – dem Wohnort des Autors – zum Gegenstand hat und zeigt, dass im „Schnackenhof“ die Probleme, Hoffnungen und Dramen des Lebens genauso groß sind wie an den Sehnsuchtszielen der Welt. Kurz darauf entsteht der Brief an den Turmschreiber, ein poetisches Porträt der Stadt Abenberg (Mfr.), in der Knodt 2004 eine Turmschreiberschaft innehat. Andere literarische Arbeiten, etwa Libretti für zwei Oratorien (Zeitenwende / Legenden – Das Leben der Hl. Walburga), folgen.

Für sein Werk hat Reinhard Knodt verschiedene Preise und Auszeichnungen erhalten, neben den bereits erwähnten den Kulturförderpreis des Bezirks Mittelfranken (1996), den Literaturpreis der mittelfränkischen Wirtschaft (zusammen mit Ewald Arenz und Ralf Huwendiek, 1998), den Journalistenpreis des bayerischen Kultusministers für „Jugend forscht“ (2005) sowie den Friedrich-Baur-Preis für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2007). Zudem ist er Träger der Verdienstmedaille des Pegnesischen Blumenordens.

Seit 2005 lebt Reinhard Knodt als freier Schriftsteller in Berlin, lehrt mit Unterbrechungen an der Universität der Künste Kunstphilosophie und pflegt in Franken ein von ihm gegründetes Künstlerhaus, den Schnackenhof. Zu seinen letzten Veröffentlichungen zählen: Schmerz (2014), eine Reihe von poetisch philosophischen Miniaturen („Ich habe einen Chef, Ich habe geheiratet, Ich bin krank, Ich bin die Gefangenschaft als Mensch“) und Undinen. Unmögliche Liebesgeschichten (2015), eine Sammlung von Liebesgeschichten, die das Thema der Undine als dunkle männliche Sehnsucht von der Seite ihres Misslingens aufnimmt.

Verfasser: Reinhard Knodt / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8940223.html, (25.02.2016).

Glaser, Hermann (2015): Franken – eine deutsche Literaturlandschaft: Epochen – Dichter – Werke. Geb. Ausg. Schrenk.

Przybilla, Olaf (2017): Reinhard Knodt: „Ja, lass uns Ruinen bauen.“ Keine Sanierung von Nazi-Architektur [Interview]. In: Süddeutsche Zeitung (München), Bayern, 11. Mai.

Radlmaier, Steffen (1999): Literatur (Essay). In: Diefenbacher, Michael; Endres, Rudolf (Hg.): Stadtlexikon Nürnberg. W. Tümmels Verlag, Nürnberg, S. 636f.

Sichelstiel, Andreas (2010): Ein offenes Haus für Künstler direkt am Fluss. Röthenbach: Im Schackenhof leben, arbeiten und feiern Musiker, Dichter und Maler seit genau 15 Jahren. In: Pegnitz-Zeitung, 14. April.

Sikora, Friedhelm (1986ff.): Reinhard Knodt. In: Killy, Walther (Hg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bd. 6. Bertelsmann-Lexikon Verlag, München, S. 412ff.

Wachter, Clemens (2001): Literaturpflege in Nürnberg nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 88, S. 255-262, hier S. 262.


Externe Links:

Literatur von Reinhard Knodt im BVB

Zur Homepage des Autors

Podcasts

Reinhard Knodt im Nürnberg-Wiki

Der Schnackenhof

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