Bayerisch-tschechisches Vernetzungstreffen 2026

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Exkursion der Teilnehmenden zum Konzentrationslager Flossenbürg © Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg

Auf Einladung des Literaturhauses Oberpfalz, des Adalbert Stifter Vereins München, und des Tschechischen Literaturzentrums Prag, (Ceske Literarní Centrum) fand vom 23.-25.9.2025 ein bayerisch-tschechisches Vernetzungstreffen zum Thema „Nie wieder ist jetzt! 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs“ statt. Die eingeladenen Autorinnen und Autoren Eli Beneš, Alice Horačková, Štěpan Kučera, Annegret Liepold und Fridolin Schley (Dana von Suffrin musste leider wegen Krankheit kurzfristig absagen), befassen sich in ihren aktuellen Werken auf unterschiedliche Weise mit dem Thema. Das Treffen wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert.

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Eli Beneš, geboren 1976 in Prag, studierte Anglistik, Amerikanistik, Bohemistik und Journalistik an Karlsuniversität Prag. Er arbeitete als Moderator bei Radio 1, gründete ein Label für elektronische Musik und komponiert selbst Musik. Als Redakteur war er für diverse Zeitungen tätig; aktuell arbeitet er für das Portal seznam.cz. In seinem Debütroman Nepatrná ztráta osamělosti wartet ein aus dem Konzentrationslager zurückgekehrter Junge in Prag vergeblich auf die Rückkehr seiner Familie und muss mit seinem Trauma und der neuen Nachkriegsrealität alleine zurechtkommen. Seiner deutsch-jüdischen Freundin folgend begibt er sich schließlich auf eine gefährliche Flucht nach Palästina. Der Roman wurde mit dem tschechischen Magnesia Litera-Preis als Debüt des Jahres ausgezeichnet. 2025 ist er in der Übersetzung von Raija Hack unter dem Titel Unmerklicher Verlust der Einsamkeit im Karl Rauch Verlag erschienen.

Alice Horáčková, geboren 1980 in Prag, absolvierte Journalistik an der Fakultät für Sozialwissenschaften an der Karlsuniversität Prag und arbeitet seitdem als freiberufliche Journalistin und Autorin. Ihr zweiter Roman Rozpůlený dům ist ein vielstimmiger Familienroman, in dem sie Familiengeschichten, Erinnerungen und Archivdokumente einfließen lässt. Er schildert die Lebenswelt eines Dorfes im Riesengebirge vor und während des Zweiten Weltkriegs. Rozpůlený dům führt den Lesenden die Unzulänglichkeit der nationalen Zuweisungen angesichts der Anforderungen, die das Leben an die Menschen stellt, vor Augen. 2024 erhielt die Autorin dafür das Förderstipendium des Mörike-Preises. 2026 wird der Roman unter dem Titel Geteiltes Haus in der Übersetzung von Sophia Marzolff bei Diogenes erscheinen.

Štěpán Kučera, geboren1985 in Jablonec nad Nisou, studierte Journalistik und Medienwissenschaften an der Karlsuniversität in Prag und arbeitet heute als Redakteur der Literaturbeilage Salon der Tageszeitung Právo. Als Autor ist er außerordentlich vielseitig; er hat mehrere Erzählbände veröffentlicht, darunter Jidáš byl ufon... a jiné příběhy (Judas war ein Ufo ... und andere Geschichten, 2016). Als Mitherausgeber und Mitautor wirkte er an der tschechisch-polnischen Anthologie Z obou břehů /Z obu brzegów (Von beiden Ufern aus, 2023) mit. In seinem Werk Gablonz/Jablonec (2022) blättert er in der Chronik seiner Heimatstadt zwischen 1900 und 2020 und entwirft ein lebendiges, sensibles und originelles Porträt dieser bis 1945 durchweg multikulturellen und zweisprachigen Stadt. Das Buch erschien in der deutschen Übersetzung von Mirko Kraetsch 2025 im Balaena Verlag.

Annegret Liepold, geboren 1990 in Nürnberg, studierte Komparatistik und Politikwissenschaften in München und Paris. In ihrem Debütroman Unter Grund (2025) schreibt sie über eine Jugend auf dem Land zwischen der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und radikaler Wut, über das Abdriften einer jungen Frau in rechtsradikale Kreise und die blinden Flecken in der eigenen Familiengeschichte. Für die Arbeit an diesem Roman erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Literaturstipendium der Stadt München. 2022 war sie Finalistin des Literaturwettbewerbs open mike. Derzeit arbeitet sie für die Bayerische Akademie des Schreibens am Literaturhaus München.

Fridolin Schley, geboren 1976 in München, studierte Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München sowie Germanistik, Philosophie und Politik in München und Berlin. Er promovierte über das Essaywerk von W. G. Sebald. Auf den Roman Verloren, mein Vater (2001) folgten weitere literarische und publizistische Veröffentlichungen, zuletzt der Roman Die Verteidigung (2021) über die Nürnberger Prozesse und die Rolle der Familie von Weizsäcker dabei. Fridolin Schley erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter der Tukan-Preis und der Franz-Hessel-Preis. Aktuell leitet er den Bereich Literatur und Preise beim Kulturreferat der Stadt München.

Kurze Video-Statements der Autorinnen und Autoren zum Thema können auf dem Youtube-Kanal des Adalbert Stifter-Vereins abgerufen werden.

Im Anschluss an das Treffen und angeregt durch eine Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entstanden kurze essayistische Texte über die Rolle der Literatur als Teil einer Erinnerungskultur, die nicht in Formeln erstarrt und als Warnung wirksam ist. Die Übersetzungen aus dem Tschechischen stammen von Julia Miesenböck.

Diese Texte werden ab 14.4.2026 im Literaturportal Bayern veröffentlicht.

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