Der Festakt zum Kulturellen Ehrenpreis an Dagmar Nick
Der Festakt zum Kulturellen Ehrenpreis 2025 an Dagmar Nick fand stilgerecht im Festsaal des Alten Rathauses statt. Mit dieser höchsten Auszeichnung der Stadt München wird heuer eine Schriftstellerin geehrt, die zu den eindrücklichsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt. Dagmar Nick, die sich selbst als „Weltbürgerin ohne Heimatbewusstsein“ beschreibt, lebt seit 1967 in München. Das Literaturportal Bayern war bei der feierlichen Verleihung vor Ort.
*
Prima Wetter, lautete das erste Lied, das sich Dagmar Nick für diesen Abend gewünscht hatte. Der Text, der von ihrem Förderer und literarischen Entdecker Erich Kästner stammt und der von ihrem Vater, dem Komponisten Edmund Nick vertont und gesanglich wunderbar stimmig von Susanne Brantl vorgetragen wurde, ließ gleich zu Beginn die Stimmungswetterlage im festlichen Saal des Alten Rathauses spürbar hell aufleuchten. Allen Teilnehmenden, die sich durch die nieselig-trübe Februardämmerung nach Feierabend zu den leuchtenden Bögen des Rathauses vorgearbeitet hatten, war die Freude und die Feierbereitschaft deutlich anzumerken. Im Grunde war diese Ehrenbekundung der Stadt München an Dagmar Nick längst überfällig.
„Vor fünf Jahren hätte ich es noch geschafft“, teilte die Schriftstellerin, die in wenigen Wochen ihren 100. Geburtstag feiern wird, ihrem Publikum per Videogrußbotschaft mit.
„Sie hat die Welt gesehen, in ihr gelebt, mit offenen Sinnen und Herzen" - diese zwar recht allgemeinen, aber warmen Worte, die Kulturreferent Marek Wiechers eingangs in Vertretung von Bürgermeister Dominik Krause fand, klangen nach der aufrichtigen Wertschätzung desjenigen, der die Urkunde (samt Blumen und Konfitüre) per Hausbesuch der Schriftstellerin persönlich überreicht hatte und sich von der Präsenz dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit mit eigenen Augen und Ohren überzeugen konnte.
Zur Freude des Publikums zitierte die Dagmar Nick in ihren Dankesworten auch eines ihrer wunderbarsten Gedichte frei aus dem Kopf: Ich, Falknerin; in welchem die Dichterin, in Anlehnung an das berühmte Kürenberger Falken-Gedicht, die Liebe so selbstbewusst-weiblich-frei beschwört. Man hörte ihr so gerne zu, erfreute sich an den klaren, ebenso herzlichen wie erfrischend salopp-humorvollen Worten der fast Hundertjährigen: „Ich war überrascht von dem Ganzen“, lautete zum Beispiel ihre Reaktion auf diese Auszeichnung. Man sah das dazugehörige Augenzwinkern geradezu vor sich. Man hätte ihr ewig zuhören können.
„Wenn ich Gedichte schreibe, möchte ich sie auch sprechen können, sie müssen eine Schwingung haben“, so Dagmar Nick. Und in der Tat ist ihren Gedichten eine angenehm unaufdringliche musikalische Struktur eigen, die sich den Lesenden wie Hörenden sofort mitteilt.
Flucht, Vertreibung, Herkunft, weibliche Selbstentwürfe sind neben der Liebe und ihrer unbezwingbaren Kraft, die gewichtigen Themen, die die Dichterin mit jüdischen Wurzeln stets eindringlich und frei von Pathos in ihrem Lebenswerk immer wieder neu ins Wort holt und in Texten von besonders einprägsamer Klarheit und Schönheit anverwandelt.
„Empfindsamkeit und Scharfblick gehen eine poetische Verbindung ein“, würdigte Laudator Gert Heidenreich in klugen, bewegenden Worte die Lebensleistung der ihm nahestehenden Dichterin. Diese bedankte sich dann auch ausdrücklich in ihren eigenen Dankesworten bei Gerd Heidenreich.
Auch die ausgewählten Liedbeiträge Prima Wetter, Möblierte Moral und O Du mein Österreich (Text: Erich Kästner, Komposition: Edmund Nick) waren durch die temperamentvoll-virtuose Interpretation von Susanne Brantl (Gesang), Anton Waas (Klavier), Ludwig Hahn (Geige) und Norbert Bürger (Banjo/Gitarre) ein weiteres Highlight, da die persönliche Bedeutung dieser Lieder für Dagmar Nick samt ihrer Aussagen: mit Humor und Scharfsinn auf unhaltbare Zustände zu reagieren, hörbar wurde.
Und während sie ihr Publikum, insbesondere die zahlreich anwesenden Dichterkolleginnen und -kollegen mit so anregenden Aussagen wie „Gedichte sind wie Ventile. Ich öffne es, und ein Gedicht kommt“ oder „Ein Gedicht passiert“ auch im anschließenden Stehempfang weiter beschäftigte: ist das so, oder gelingt dies eben nur der Grande Dame der Dichtung?, wünscht man Dagmar Nick von Herzen, dass die Antwort auf die folgende von ihr gestellte Frage noch eine ganze Weile auf sich warten lässt:
„Wie geht es wohl weiter nach dem letzten Sterben?“
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Der Festakt zum Kulturellen Ehrenpreis 2025 an Dagmar Nick fand stilgerecht im Festsaal des Alten Rathauses statt. Mit dieser höchsten Auszeichnung der Stadt München wird heuer eine Schriftstellerin geehrt, die zu den eindrücklichsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt. Dagmar Nick, die sich selbst als „Weltbürgerin ohne Heimatbewusstsein“ beschreibt, lebt seit 1967 in München. Das Literaturportal Bayern war bei der feierlichen Verleihung vor Ort.
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Prima Wetter, lautete das erste Lied, das sich Dagmar Nick für diesen Abend gewünscht hatte. Der Text, der von ihrem Förderer und literarischen Entdecker Erich Kästner stammt und der von ihrem Vater, dem Komponisten Edmund Nick vertont und gesanglich wunderbar stimmig von Susanne Brantl vorgetragen wurde, ließ gleich zu Beginn die Stimmungswetterlage im festlichen Saal des Alten Rathauses spürbar hell aufleuchten. Allen Teilnehmenden, die sich durch die nieselig-trübe Februardämmerung nach Feierabend zu den leuchtenden Bögen des Rathauses vorgearbeitet hatten, war die Freude und die Feierbereitschaft deutlich anzumerken. Im Grunde war diese Ehrenbekundung der Stadt München an Dagmar Nick längst überfällig.
„Vor fünf Jahren hätte ich es noch geschafft“, teilte die Schriftstellerin, die in wenigen Wochen ihren 100. Geburtstag feiern wird, ihrem Publikum per Videogrußbotschaft mit.
„Sie hat die Welt gesehen, in ihr gelebt, mit offenen Sinnen und Herzen" - diese zwar recht allgemeinen, aber warmen Worte, die Kulturreferent Marek Wiechers eingangs in Vertretung von Bürgermeister Dominik Krause fand, klangen nach der aufrichtigen Wertschätzung desjenigen, der die Urkunde (samt Blumen und Konfitüre) per Hausbesuch der Schriftstellerin persönlich überreicht hatte und sich von der Präsenz dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit mit eigenen Augen und Ohren überzeugen konnte.
Zur Freude des Publikums zitierte die Dagmar Nick in ihren Dankesworten auch eines ihrer wunderbarsten Gedichte frei aus dem Kopf: Ich, Falknerin; in welchem die Dichterin, in Anlehnung an das berühmte Kürenberger Falken-Gedicht, die Liebe so selbstbewusst-weiblich-frei beschwört. Man hörte ihr so gerne zu, erfreute sich an den klaren, ebenso herzlichen wie erfrischend salopp-humorvollen Worten der fast Hundertjährigen: „Ich war überrascht von dem Ganzen“, lautete zum Beispiel ihre Reaktion auf diese Auszeichnung. Man sah das dazugehörige Augenzwinkern geradezu vor sich. Man hätte ihr ewig zuhören können.
„Wenn ich Gedichte schreibe, möchte ich sie auch sprechen können, sie müssen eine Schwingung haben“, so Dagmar Nick. Und in der Tat ist ihren Gedichten eine angenehm unaufdringliche musikalische Struktur eigen, die sich den Lesenden wie Hörenden sofort mitteilt.
Flucht, Vertreibung, Herkunft, weibliche Selbstentwürfe sind neben der Liebe und ihrer unbezwingbaren Kraft, die gewichtigen Themen, die die Dichterin mit jüdischen Wurzeln stets eindringlich und frei von Pathos in ihrem Lebenswerk immer wieder neu ins Wort holt und in Texten von besonders einprägsamer Klarheit und Schönheit anverwandelt.
„Empfindsamkeit und Scharfblick gehen eine poetische Verbindung ein“, würdigte Laudator Gert Heidenreich in klugen, bewegenden Worte die Lebensleistung der ihm nahestehenden Dichterin. Diese bedankte sich dann auch ausdrücklich in ihren eigenen Dankesworten bei Gerd Heidenreich.
Auch die ausgewählten Liedbeiträge Prima Wetter, Möblierte Moral und O Du mein Österreich (Text: Erich Kästner, Komposition: Edmund Nick) waren durch die temperamentvoll-virtuose Interpretation von Susanne Brantl (Gesang), Anton Waas (Klavier), Ludwig Hahn (Geige) und Norbert Bürger (Banjo/Gitarre) ein weiteres Highlight, da die persönliche Bedeutung dieser Lieder für Dagmar Nick samt ihrer Aussagen: mit Humor und Scharfsinn auf unhaltbare Zustände zu reagieren, hörbar wurde.
Und während sie ihr Publikum, insbesondere die zahlreich anwesenden Dichterkolleginnen und -kollegen mit so anregenden Aussagen wie „Gedichte sind wie Ventile. Ich öffne es, und ein Gedicht kommt“ oder „Ein Gedicht passiert“ auch im anschließenden Stehempfang weiter beschäftigte: ist das so, oder gelingt dies eben nur der Grande Dame der Dichtung?, wünscht man Dagmar Nick von Herzen, dass die Antwort auf die folgende von ihr gestellte Frage noch eine ganze Weile auf sich warten lässt:
„Wie geht es wohl weiter nach dem letzten Sterben?“
