Info
Geb.: 22. 1.1820 in Lindau (Bodensee)
Gest.: 18.6.1905 in München
Fotografie von Franz Seraph Hanfstaengl (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)
Namensvarianten: Hermann Ritter von Lingg

Hermann Lingg

Hermann Lingg wird als Sohn eines Gerichtsadvokaten im bayerischen Schwaben geboren. Seine Kindheit verbringt er am Bodensee, seit 1831 besucht er das Gymnasium in Kempten. Schon früh fühlt er sich zur Literatur und Geschichte hingezogen, was sich im Aufschreiben von Gedichten und seitenlangen Tagebucheintragungen niederschlägt. Auf Wunsch des Vaters wird er jedoch Arzt, nachdem er seit 1837 in München Medizin studiert und 1843 mit der Promotion abgeschlossen hat. Lingg findet eine Anstellung bei der bayerischen Armee, die ihn als Unterarzt in Augsburg beschäftigt.

Die Revolution von 1848 bringt sein Seelenleben schließlich gehörig durcheinander: Durch seine Versetzung nach Straubing, Passau und Unterfranken in den Strudel militärischer Rochaden hineingezogen, kämpft Lingg 1849 gegen die Aufständischen in Baden, obwohl er mit diesen sympathisiert. Er flieht, irrt ziellos umher, bis er geistig verwirrt in ein Sanatorium bei Cannstatt eingeliefert werden muss. Aufgrund seines labilen Zustands wird er nicht mehr in den Militärdienst aufgenommen und 1853 zwangspensioniert. Um eine nicht standesgemäße Ehe Linggs zu verhindern, versuchen seine Verwandten ihn gerichtlich zu entmündigen.

Die Heirat mit der Forstaufseherstochter Seraphine Lang führt jedoch zur psychischen Stabilisierung Linggs, der seit 1852 wieder in München lebt. Hinzu kommt die dichterische Anerkennung: Durch Freunde lernt er den Schriftsteller Emanuel Geibel kennen, der Gefallen an seinen Gedichten findet und sie 1854 zur Publikation an den Cotta-Verlag in Stuttgart vermittelt. Zur gleichen Zeit beginnt sich auch König Maximilian II. für Lingg zu interessieren, der ihm durch ein festes Jahresgehalt seinen finanziellen Status absichern hilft. Neben Heyse, Dahn, Schack und Meyr wird Lingg (Vereinsname: ‚Teichkrokodil‘) wenig später zum Mitbegründer der aus dem Münchner Dichterkreis hervorgehenden literarischen Gesellschaft Die Krokodile, die sich nach seinem Gedicht „Das Krokodil von Singapur“ benennt.

Lingg entwickelt sich zum bedeutenden historischen Lyriker seiner Zeit, indem er den Geschmack des sich kulturell aus dem germanischen Mythos legitimierenden neuen deutschen Kaiserreichs trifft. In der Münchner Gesellschaft angesehen, bewährt er sich im Verfassen von Gelegenheitsgedichten und Festprologen. Neben zwei weiteren Gedichtbänden (1868-70), den Vaterländischen Balladen und Gesängen (1869) versucht sich Lingg außerdem als Dramatiker (Catilina, Die Walkyren, beide 1864; Violante, 1871; Die Frauen Salonas, 1887), findet aber nicht den rechten Erfolg. Dagegen preist der Dichter sein 1846 begonnenes Versepos in Oktaven Die Völkerwanderung (1866-68) als sein Hauptwerk. Darüber hinaus veröffentlicht Lingg Erzählungen, so seine Byzantinischen Novellen (1881), den Novellenband Von Wald und See (1883) sowie Furchen – Neue Novellen (1889).

Zum Höhepunkt in seinem Leben wird Linggs Feier seines 70. Geburtstags im Jahr 1890, als er von Prinzregent Luitpold in den Adelsstand erhoben, zum Ehrenbürger der Stadt München ernannt und mit einem glanzvollen Festabend im Münchner Kolosseum geehrt wird. Die letzten Jahre widmet Hermann Lingg u.a. der Niederschrift seiner 1899 erscheinenden Autobiografie Meine Lebensreise, worin der Dichter bekennt, zeitweilig jeden Tag ein Gedicht verfasst zu haben. Am 18. Juni 1905 stirbt Lingg an einer Herzlähmung.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Häntzschel, Günter: Lingg, Hermann Ritter von. In: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 623f., http://www.deutsche-biographie.de/pnd119002248.html, (18.02.2012).

Weichslgartner, Alois J. (2001): Schreiber und Poeten. Schriftsteller aus Altbayern und Schwaben im 19. Jahrhundert. Bayerland Druckerei und Verlagsanstalt, Dachau.


Externe Links:

Literatur von Hermann Lingg im BVB

Literatur über Hermann Lingg im BVB

Hermann Lingg in der BLO

Werke bei gutenberg.spiegel.de

Werke bei zeno.org

Digitalisate

Hermann Lingg im Goethezeitportal

Ueber moderne Lyrik

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