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Geb.: 15. 3.1951 in Schwabach
© Karin Wilck

Gerhard Falkner

Gerhard Falkner wächst in Franken auf und verbringt einen Teil seiner Jugendjahre in Nürnberg. Nach abgeschlossener Buchhändlerlehre arbeitet er in einem Londoner Antiquariat, zeitweilig in einer Nürnberger Buchhandlung, bevor er Mitte der 1970er-Jahre erste Gedichte in Künstlerbüchern und kunstorientierten Zeitschriften veröffentlicht.

„Weitgehend unabhängig vom literarischen Leben Nürnbergs und Münchens und in einer ausgesprochenen Antihaltung zum Kulturbetrieb“ (Erik Grimm) vollzieht sich sein schriftstellerischer Werdegang. 1981 debütiert er mit dem Band so beginnen am körper die tage, einer Sammlung von Gedichten und poetischen Reflexionen, in denen er gegen die fotorealistische Alltagspoesie und Arte povera der 70-er Jahre anschreibt und den eigenen Natur- bzw. Heimatverlust melancholisch registriert. Ein siebenmonatiger Arbeitsaufenthalt in New York, im Rahmen eines Städteförderpreises, bildet dann den Auftakt zu einer Reihe von Reisen: Vermittels mehrerer Stipendien hält sich Falkner in Berlin (1983), München (1984), Amsterdam (1985) und Rom (1986) auf.

Nach der atem unter der erde (1984) kündigt Falkner 1989 mit seinem dritten Gedichtband wemut seinen Abschied von der Lyrik an. Bereits mit Berlin. Eisenherzbriefe (1986) hat er einen postmodernen Mischtext vorgelegt, der eine Formenwende erkennen lässt. Seine Stellung zum Literaturbetrieb hält er u.a. in den Fragmenten und Reflexionen Über den Unwert des Gedichts (1993) fest: Dort ist die Rede vom „im kulturellen Gehege verkümmernden Dichter“, der von einer „Professionalisierung“ gesellschaftlich abgehalten wird, indem er zum Gebrauch einer allgemeinen „geführten“ Sprache, wie man sie in Talkshows, Werbung und Telefongesprächen spricht, verurteilt ist. Den vorläufigen Abschluss von Falkners Lyrikphase bildet 1996 die Sammlung X-te Person Einzahl.

Anfang der 1990er-Jahre bereist Falkner die Vereinigten Staaten sowie Mexiko und arbeitet als Übersetzer von Gedichten und Romanen aus dem englischsprachigen Raum. Als Kurator von Literaturveranstaltungen (u.a. mit dem amerikanischen Dichter John Ashbery) und Herausgeber von Anthologien amerikanischer und ungarischer Lyrik macht er sich zudem einen Namen.

Gegen Ende der 90er erscheinen seine beiden Lesedramen Alte Helden und Der Quälmeister. Mit dem Nürnberger Komponisten Stefan Hippe inszeniert Falkner 2000 eine „Oper der verbrauchten Sprachen“ unter dem Titel A Lady DI es, für die er im Sinne einer perversen Reality-Show ein Libretto verfasst. Seine Rückkehr in die Lyrik begründet er im Herbst desselben Jahres mit dem Band Endogene Gedichte, dem mit Gegensprechstadt – ground zero (2005), Hölderlin Reparatur (2008) und Kanne Blumma (2010) noch weitere Gedichtbände folgen. Vor allem die formale Stimmenvielfalt – vom Komma-Gedicht über Hiphop-Sprechgesang bis zum gereimten Siebenzeiler – bringt ihm viel Lob seitens der Kritik ein.

2003 ist Falkner Stadtschreiber von Rheinsberg. 2008 wird er für sein Gesamtwerk mit dem Kranichsteiner Literaturpreis ausgezeichnet. Für die Novelle Bruno, in der ein depressiver Dichter auf der Suche nach dem Braunbären Bruno durchs Wallis-Gebirge streift, erhält er 2009 den August-Graf-von-Platen-Preis. Neben zahlreichen Stipendien zählen zu seinen weiteren Auszeichnungen: der Bayerische Staatsförderpreis (1987), der Kulturpreis der Stadt Nürnberg (2002), die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2004), der Spycher: Literaturpreis Leuk (2006), der Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik (2009), der Preis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg (2010) sowie der Wolfram-von-Eschenbach-Kulturpreis (2014).

Gerhard Falkner lebt mit seiner Frau in Weigendorf bei Nürnberg und in Berlin.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

http://poetenladen.de/gerhard-falkner.htm, (20.02.2012).

Bihusch, Elke (2004): Der Worte-Wieger. In: Roßmann, Robert; Kratzer, Hans (Hg.): Stadt, Land, Wort. Bayerns Literaten: 22 Porträts. SüdOst Verlag, Waldkirchen, S. 69-72.

Falkner, Gerhard. In: Munzinger Online/Personen - Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000020763, (09.05.2012).


Externe Links:

Literatur von Gerhard Falkner im BVB

Literatur über Gerhard Falkner im BVB

Lese- und Hörproben bei lyrikline.org

Youtube-Video zu Gerhard Falkner

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