Wilhelm Lukas Kristl
Wilhelm Lukas Kristl (1903-1985) arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Auslandskorrespondent. 14 Jahre lang leitet er die Presseabteilung der Bayernwerke. Für die für seine Texte charakteristische ideale Verbindung von Lesen, Sammeln, Erforschen und Verarbeiten wird er beispielsweise mit dem Bayerischen Poetentaler ausgezeichnet.
Werdegang
Geboren wird Wilhelm Lukas Kristl als einziges Kind eines Eisenbahners in Landshut. Seine Kindheit verbringt er zunächst in Passau. Als er zehn Jahre alt ist, zieht die Familie nach München. Kristl macht eine kaufmännische Lehre als Kontokorrentbuchhalter. Die Revolution von 1918 und die Räterepublik machen auf ihn einen ungeheuren Eindruck. Er ist fasziniert von der Idee, durch einen politischen Umbruch eine gerechtere Welt zu schaffen. Später schreibt er Artikelserien über die Revolutionen von 1848 und 1918 und sammelt Flugblätter und Schriften aus der Rätezeit. Er liest viel, schreibt seine ersten literarischen Texte, geht viel ins Theater und sitzt häufig in Kaffeehäusern. In dieser Zeit lernt er Oskar Maria Graf kennen. Bei Graf lernt er durch einen Zufall Ödön von Horváth kennen.
Nach einem längeren Aufenthalt im Tessin 1926 gibt Kristl seinen Beruf als Buchhalter auf. Der Chefredakteur der sozialdemokratischen Münchner Post, Erich Auer, gibt dem jungen unbekannten Journalisten eine Chance. Sechs Jahre lang schreibt er regelmäßig Gerichtsreportagen, Lokalfeuilletons und Filmkritiken. Das dafür nötige Handwerkszeug bringt er sich selbst bei. Als am 9. März 1933 die Münchner Post im Zuge der Gleichschaltung Bayerns verboten wird, ist Wilhelm Lukas Kristls Karriere als Journalist vorerst beendet. Zunächst taucht er bei Verwandten unter. 1935 geht er als Auslandskorrespondent für Schweizer und deutsche Zeitungen nach Madrid. Nach München kehrt er erst nach dem Ende des Dritten Reichs zurück. 1950 wird Wilhelm Lukas Kristl Redakteur der Süddeutschen Sonntagspost und der Illustrierten Weltbild. Ab 1955 leitet er 14 Jahre lang die Presseabteilung der Bayernwerke.
Wichtige Werke (Auswahl)
Mit Ödön von Horváth verfasst er gemeinsam das Volksstück Glaube, Liebe, Hoffnung (1932), das auf einem realen Gerichtsfall beruht. In Spanien entsteht der größte Teil des 1954 veröffentlichten Buches Kampfstiere und Madonnen, das Kristls ganze Liebe zu Spanien zeigt. In seiner Zeit in der Presseabteilung der Bayernwerke und danach entsteht Der weiß-blaue Despot (1965), eine Biografie über Oskar von Miller, den Gründer des Deutschen Museums und Mitbegründer der Bayernwerke. Kristl schreibt die erste Biografie des heute fast vergessenen Dichters Heinrich Lautensack ... und morgen steigt ein Licht herab (1962) und gibt wenige Jahre später seine gesammelten Schriften heraus. 1958 legt er unter dem Titel Kneißl. Bayerns Kriminalfall der Jahrhundertwende erstmals eine ausführliche Darstellung der Lebensgeschichte des Außenseiters und Volkshelden Matthias Kneißl vor. Auch die Biografie Lola, Ludwig und der General (1979) über die skandalumwitterte Tänzerin Lola Montez zeigt die für Kristls Texte charakteristische ideale Verbindung von Lesen, Sammeln, Erforschen und Verarbeiten.
Preise & Auszeichnungen
Für sein literarisches Wirken wird er mehrfach geehrt, u.a. mit dem Tukan-Preis (1966), dem Schwabinger Kunstpreis (1972), dem Ernst-Hoferichter-Preis (1978) und dem Bayerischen Poetentaler (1985).
Sekundärliteratur:
Tworek, Elisabeth (2004): Wilhelm Lukas Kristl (31.10.1903 – 17.6.1985). Weltmann aus Schwabing. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 190-192.
Externe Links:
Literatur von Wilhelm Lukas Kristl im BVB
Wilhelm Lukas Kristl (1903-1985) arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Auslandskorrespondent. 14 Jahre lang leitet er die Presseabteilung der Bayernwerke. Für die für seine Texte charakteristische ideale Verbindung von Lesen, Sammeln, Erforschen und Verarbeiten wird er beispielsweise mit dem Bayerischen Poetentaler ausgezeichnet.
Werdegang
Geboren wird Wilhelm Lukas Kristl als einziges Kind eines Eisenbahners in Landshut. Seine Kindheit verbringt er zunächst in Passau. Als er zehn Jahre alt ist, zieht die Familie nach München. Kristl macht eine kaufmännische Lehre als Kontokorrentbuchhalter. Die Revolution von 1918 und die Räterepublik machen auf ihn einen ungeheuren Eindruck. Er ist fasziniert von der Idee, durch einen politischen Umbruch eine gerechtere Welt zu schaffen. Später schreibt er Artikelserien über die Revolutionen von 1848 und 1918 und sammelt Flugblätter und Schriften aus der Rätezeit. Er liest viel, schreibt seine ersten literarischen Texte, geht viel ins Theater und sitzt häufig in Kaffeehäusern. In dieser Zeit lernt er Oskar Maria Graf kennen. Bei Graf lernt er durch einen Zufall Ödön von Horváth kennen.
Nach einem längeren Aufenthalt im Tessin 1926 gibt Kristl seinen Beruf als Buchhalter auf. Der Chefredakteur der sozialdemokratischen Münchner Post, Erich Auer, gibt dem jungen unbekannten Journalisten eine Chance. Sechs Jahre lang schreibt er regelmäßig Gerichtsreportagen, Lokalfeuilletons und Filmkritiken. Das dafür nötige Handwerkszeug bringt er sich selbst bei. Als am 9. März 1933 die Münchner Post im Zuge der Gleichschaltung Bayerns verboten wird, ist Wilhelm Lukas Kristls Karriere als Journalist vorerst beendet. Zunächst taucht er bei Verwandten unter. 1935 geht er als Auslandskorrespondent für Schweizer und deutsche Zeitungen nach Madrid. Nach München kehrt er erst nach dem Ende des Dritten Reichs zurück. 1950 wird Wilhelm Lukas Kristl Redakteur der Süddeutschen Sonntagspost und der Illustrierten Weltbild. Ab 1955 leitet er 14 Jahre lang die Presseabteilung der Bayernwerke.
Wichtige Werke (Auswahl)
Mit Ödön von Horváth verfasst er gemeinsam das Volksstück Glaube, Liebe, Hoffnung (1932), das auf einem realen Gerichtsfall beruht. In Spanien entsteht der größte Teil des 1954 veröffentlichten Buches Kampfstiere und Madonnen, das Kristls ganze Liebe zu Spanien zeigt. In seiner Zeit in der Presseabteilung der Bayernwerke und danach entsteht Der weiß-blaue Despot (1965), eine Biografie über Oskar von Miller, den Gründer des Deutschen Museums und Mitbegründer der Bayernwerke. Kristl schreibt die erste Biografie des heute fast vergessenen Dichters Heinrich Lautensack ... und morgen steigt ein Licht herab (1962) und gibt wenige Jahre später seine gesammelten Schriften heraus. 1958 legt er unter dem Titel Kneißl. Bayerns Kriminalfall der Jahrhundertwende erstmals eine ausführliche Darstellung der Lebensgeschichte des Außenseiters und Volkshelden Matthias Kneißl vor. Auch die Biografie Lola, Ludwig und der General (1979) über die skandalumwitterte Tänzerin Lola Montez zeigt die für Kristls Texte charakteristische ideale Verbindung von Lesen, Sammeln, Erforschen und Verarbeiten.
Preise & Auszeichnungen
Für sein literarisches Wirken wird er mehrfach geehrt, u.a. mit dem Tukan-Preis (1966), dem Schwabinger Kunstpreis (1972), dem Ernst-Hoferichter-Preis (1978) und dem Bayerischen Poetentaler (1985).
Tworek, Elisabeth (2004): Wilhelm Lukas Kristl (31.10.1903 – 17.6.1985). Weltmann aus Schwabing. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 190-192.
