Django Asül: Der Paradederblecker

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(c) Ron Ronson

Django Asül, Jahrgang 1972, geboren als Uğur Bağışlayıcı in Deggendorf, sieht sich mit einem Augenzwinkern selbst als „doppelter Fundamentalist“, nämlich als „Türke und Bayer“. Wenn er etwa beim Maibockanstich im Hofbräuhaus im breiten Niederbayerisch die zumeist anwesende bayerische Politikerprominenz intelligent-hinterfotzig derbleckt, wird sofort klar, warum ihn der ehemalige CSU-Vorsitzende Erwin Huber zum Botschafter Niederbayerns ernannt hat.

Bei Auftritten im gesamten Bundesgebiet mit seinen mittlerweile fünf Bühnenprogrammen seit 1997 kommentiert der türkischstämmige Niederbayer, gelernte Bankkaufmann und Ex-Tennislehrer, aufgewachsen in der Marktgemeinde Hengersberg bei Deggendorf, scharfzüngig wie wortgewaltig das politische Geschehen in Bayern und in der Welt.

Auch Alltagserlebnisse als türkischstämmiger Deutscher bringt er auf der Bühne zur Sprache sowie in seiner eigenen Satiresendung, dem BR-Format Asül für alle, in dem er eine fiktive Ausländerbehörde leitet. Ihm geht es um niveauvolle Unterhaltung ohne Missionierungseifer:

Für mich ist es wichtig, dass das Publikum einen schönen, individuellen Abend erlebt und dabei lachen kann, ohne das Hirn ausschalten zu müssen. Unterhaltung mit Niveau im besten Sinne eben. Aber da spreche ich nur für mich. Vielleicht gibt es ja auch Kollegen, deren Missionierungseifer höhere Dimensionen erreicht.

(Quelle: Steierer, Thomas [2011]: Niveauvolle Unterhaltung ohne Missionierungseifer. Interview mit Django Asül für Nachrichtenagentur dapd.)

Der begeisterte Tennisspieler und Fußballfan fungiert zudem als Autor, schreibt Sport-Kolumnen für verschiedene Printmedien:

Wenn der Sport ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, darf er natürlich in Sachen Unvernunft, Größenwahn und Realitätsausblendung der Wirtschaft und Politik nicht nachstehen.

(Quelle: Ebda.)

Im Jahr 2007 wird Asül Fastenprediger bei der Starkbierprobe auf dem Münchner Nockherberg, als Nachfolger von Bruno Jonas. Es bleibt beim einmaligen umjubelten wie teilweise als besonders scharf austeilend empfundenen  Auftritt dort, der Veranstalter setzt ihn ab. Bereits im darauffolgenden Jahr, 2008, wird Asül als Politikerderblecker beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus engagiert. Asül sieht diese Entwicklung zugleich als Höhe- und Tiefpunkt seiner bisherigen Kabarett-Karriere:

Aus ungefähr 2500 Auftritten und unzähligen TV-Sachen lässt sich schwerlich etwas als das absolut Bedeutendste herausstellen. Aber kurios ist, wie schnell sich was Negatives ins Positive drehen kann. Meine Rede am Nockherberg 2007 hat nach Ansicht der Medienwelt gewissermaßen Standards gesetzt. Die Brauereiführung war ebenfalls happy. Firmeninterne Geschichten führten dann dazu, dass ich dort als Redner abgelöst wurde. Das hätte ich als negativen Höhepunkt ansehen können. Aber schon im Jahr darauf holte mich Erwin Huber ins Hofbräuhaus als Festredner beim Maibockanstich.

(Quelle: Ebda.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Thomas Steierer

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