Max Uthoff: Advocatus diaboli

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(c) Michel Neumeister

Uthoff ist einer, der nicht nur den Finger, sondern gern gleich den ganzen Arm in die Wunden der Gesellschaft legt. Sozialer Friede, Turbo-Kapitalismus, rechtsextremer Terror, Hartz-IV-Armut, die Abgründe der Finanzmärkte: Alles muss raus. Ginge es nach Uthoff, würde er auf die den zugespitzten Fakten- und Gedankenstrom zuweilen unterbrechenden soften Themen wie E-Bikes, Youporn und die Geissens glatt verzichten, um nonstop auf die Großkopferten und Unverschämten einprügeln zu können. Man wird sich ja noch mal aufregen.

(Quelle: Becker, Thomas [2014]: Alles muss raus. In: SZ vom 15. Oktober.)

Den zynischen Advocatus diaboli gibt Max Uthof, der Volljurist unter den Kabarettisten, in Anzug und Krawatte nur auf der Bühne. Seit Februar 2014 leitet der Münchner Kabarettist, Jahrgang 1967, gemeinsam mit Claus von Wagner das monatliche ZDF-Satireformat Die Anstalt.

Uthofs Vater gründet 1965 das Rationaltheater und betreibt es 30 Jahre lang als Familienbetrieb mit ihm als Servicemitarbeiter und Ensemblemitglied. Der Kabarettbühnenbetreibersohn ist inzwischen selbst Familienvater. Als Volljurist arbeitet er zunächst in einer Baurechtskanzlei. Mitte der Nullerjahre, mit 39 Jahren, steht er zum ersten Mal als Solist auf der Kabarettbühne im kleinen Wohnzimmertheater in Köln beim Offene-Bühne-Abend.

Bei Jura lernt man Urteile zu fällen über Dinge von denen man kaum etwas versteht. Da ist es nur ein ganz kleiner Schritt zum Kabarett. Was aber wirklich geholfen hat ist, dass man bei Jura gezwungen wird, Texte sehr genau zu lesen.

(Quelle: Steierer, Thomas [2014]: Wenn man Gegenwind spürt ist man zumindest schon mal in Fahrt. Interview mit Max Utthoff, URL: http://www.mucbook.de/2014/10/09/wenn-man-gegenwind-spuert-ist-man-zumindest-schon-mal-in-fahrt/, 06.08.2015)

Erst seit dem Jahr 2007 tritt Uthoff als Solokünstler auf. Der Spätberufene ist aber bereits vielfach prämiert, u.a. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett und dem Bayerischen Kabarettpreis, Kategorie Senkrechtstarter.

Der Titel seines dritten Solos „Gegendarstellung“ aus dem Jahr 2014 ist für Uthoff Programm. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf die einstweilige Verfügung gegen die Anstalt-Sendung Ende April. Zwei Journalisten der Wochenzeitung Die Zeit wehren sich gerichtlich gegen die Aussage Uthoffs und von Wagners, der Herausgeber der Wochenzeitung würde Lobbyismus-Journalismus betreiben, als Mitautor eines Strategiepapiers zur Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik – in Die Zeit wohlwollend kommentiert. Uthoff sieht dies als Bestätigung.

Wenn man Gegenwind spürt, ist man zumindest schon mal in Fahrt. Wir freuen uns darüber dass „die Zeit“, uneitel wie sie ist, das Thema journalistische Unabhängigkeit mit Nachdruck in die Öffentlichkeit gebracht hat.

(Quelle: Ebda.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Thomas Steierer

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