Exilkabarett

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Erika Mann als Harlekin (c) Archiv Monacensia

Trotz großer Publikumserfolge und Kritikerlobs kann sich die Pfeffermühle nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Ende Januar 1933 nur drei Monate in München halten. In der gleichgeschalteten Diktatur ist das Klima äußert ungut für unbequeme Wahrheiten ansprechende Kabarettisten, die sich vielfach ins Exil begeben. Kritische Satire findet nicht mehr öffentlich statt, stattdessen bleibt für Kabarett lediglich eine regimestabilisierende Ventilfunktion, in Form von unkritischen Witzen und Durchhalteparolen. Erika Mann entscheidet sich für einen anderen Weg:

Ich bin weder eine Partisanin, noch würde ich zum Kreuzfahrer taugen. Meine politischen Ansichten und Handlungen sind stets mehr von meinen persönlichen Erfahrungen und Impulsen als von abstrakten Prinzipien bestimmt worden. Das einzige Prinzip, an das ich mich halte, ist mein hartnäckiger Glaube an einige grundlegende moralische Ideale – Wahrheit, Ehre, Anstand, Freiheit, Toleranz.

(Quelle: Lühe, Irmela von der [2009]: Erika Mann. Eine Lebensgeschichte. Reinbek bei Hamburg.)

Nach der Flucht aus Nazi-Deutschland wird die Pfeffermühle zum Exilkabarett. In der Schweiz, Tschechoslowakei und den Benelux-Staaten tritt man mit wesentlich politischeren Programmen, die deutlich das NS-Regime kritisieren und ad absurdum führen, auf. Überwiegend mit großem Erfolg, vor weitgehend deutschsprachigem Publikum, darunter zahlreiche deutsche Emigranten. Immer größer werdender Druck seitens des NS-Außenministeriums auf die lokalen Regierungen zwingt jedoch Erika Mann und ihre Mitstreiter im Sommer 1936, nach über 1000 Vorstellungen auch Europa zu verlassen. Eine Fortführung der Pfeffermühle in den USA im Jahr 1937 als Erika Manns Peppermill misslingt aufgrund fehlenden Publikumsinteresses in New York.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Thomas Steierer

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