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09.10.2026, 14:56 Uhr
Redaktion
Spektakula

Bericht über die Buchvorstellung „Sturm am Tegernsee“

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© Allitera Verlag

Die Tegernseer Woche wartete dieses Jahr mit einem ganz besonderen Projekt auf, dem Sturm am Tegernsee (Allitera 2026). Was es damit auf sich hat, das schaute sich die Redaktion des Literaturportals Bayern vor Ort an.  

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Das Gemeinschaftsprojekt der Kulturschaffenden in der Region Tegernsee, das aktuell in einer Neuauflage des historischen Romans Sturm am Tegernsee von Karl Weinberger (1892-1966) und der Welturaufführung des gleichnamigen Singspiels besteht, fand nicht nur bereits im Vorfeld großen Anklang in den umliegenden Gemeinden – allein 450 Menschen kamen nun auch jüngst zur Premiere des Singspiels, das der Komponist Thomas Rebensburg zusammen mit dem Librettisten Wolfgang Mueller ersonnen hat: ein regionales Kulturereignis.

Bereits 1941 erschien der dem Singspiel zugrunde liegende Roman. Als Bestandteil der jüngeren Literaturgeschichte der Region gehörte das Werk jahrzehntelang zum festen Bestandteil Tegernseer Bibliotheken. Zwischenzeitlich dann fast in Vergessenheit geraten, tritt nun mit der Neuauflage im Allitera Verlag auch der Schriftsteller Karl Weinberger wieder aus dem Schatten ans Licht der öffentlichen Wahrnehmung.  

Zur Buchvorstellung waren zahlreiche und, wie es sich den Gesprächen kurz vor Beginn der Veranstaltung entnehmen lässt, teilweise auch von weither Angereiste erschienen. So unter anderem die Enkelin Karl Weinbergers, die zusammen mit ihrer Familie extra aus Frankreich hergekommen war. Nach einer kurzen informativen Einführung zur Person und dem literarischen Werdegang des produktiven Lokaljournalisten, lyrischen Satirikers und Romanciers Karl Weinbergers, der 1892 in München geboren wurde und 1966 in Holzkirchen verstarb – vom Museumsleiter Edmund Schimeta anschaulich und gut strukturiert vorgetragen – las Martin Unterrainer im regionalen Mundartton aus der Originalausgabe von 1941 vor. 

„Über dem Land von Tölz zum Tegernsee brodelte die Ruhe“; „reglos schwamm der Sommer“; „im Wald wohnt Gott“ – im bilderreichen, teilweise barock-wuchtigen Duktus wird in diesem historischen Roman von Weinberger die Liebe zum Tegernseer Tal beschworen. Das teilte sich auch in den hier vorgetragenen O-Tönen direkt mit.   

Die Geschichte, so die Veranstalter, „um Macht, Intrigen und scheinbar unmögliche Liebe findet sich eingebettet in die herrschaftlichen und regionalen Gegebenheiten der Region im 13. Jahrhundert.“ Und schnell waren die Zuhörenden dann auch in der mittelalterlichen Welt des Tegernseer Tals um 1200, genauer gesagt am Johannistag des Jahres 1207, atmosphärisch eingetaucht in die schicksalshaften Verwicklungen, in denen sich der Ritter Gerwich dem Willen seines Vaters fügt und ins Kloster eintritt, um sein Leben als Mönch zu fristen. Auf dem Weg dorthin aber trifft er auf die faszinierende, autarke Jägerin Heilka, und eine bewegte Geschichte um Liebe und die Freiheit der Selbstbestimmung nimmt ihren Lauf.   

Büchertisch mit den Werken Karl Weinbergers samt Partitur des Singspiels © Literaturportal Bayern

Einen Höhepunkt stellte die anschließende literaturwissenschaftliche Einordung des Textes durch die Autorin und Wissenschaftlerin Frau Dr. Sonja Still dar, die sich im kritischen Nachwort zur Neuausgabe mit der Frage auseinandersetzt, ob man diesen während der NS-Zeit publizierten Roman heute überhaupt nochmal veröffentlichen kann.

Offensichtlich ja. Für einen mit der Region des Tegernseer Tals, in dem, so Still, damals eine der ersten NSDAP-Gruppen überhaupt gegründet wurde, und mit seinen lokalhistorischen Spezifika wenig vertrauten Zuhörenden war dies eindeutig der spannendste Teil: Blut-und-Boden-Metaphorik oder schlicht ein unterhaltsamer Volks- und Bauernroman?  

Nach einer fundierten Analyse der auch von Karl Weinberger ganz im Sinne der Zeit verwendeten Topoi (Volk, Natur, Opfer, Heimat etc.), die in der NS-Literatur durchaus als Propaganda-Schlüsselwörter verwendet wurden, kam die Literaturwissenschaftlerin schließlich zu folgendem Fazit: Jedwede NS-Propaganda-Botschaft fehle im Sturm am Tegernsee. Im Gegenteil: Anders als in der nationalsozialistischen Ideologie, in der der Einzelne nichts zählte und der Mensch zum Wohle des deutschen Volkes an „Blut und Boden“ gebunden blieb, betonte Weinberger anhand der Entscheidungen seiner Protagonisten die Freiheit und Selbstbestimmtheit des Einzelnen auf Basis eines liberalen Frauenbilds, da Heilka ihre eigene Herrin sei. Das Volk, die Bauern werden als die Schwachen dargestellt, die geschützt werden müssen vor den Ansprüchen der Mächtigen: „Der Wolf allein ist feige. Das Rudel aber fällt den Menschen an.“

Grünes Licht also für die Neuauflage, die wie gesagt zugleich auch den Stoff und die Textgrundlage für das gleichnamige Singspiel lieferte. Den krönenden Abschluss bildete dann entsprechend die Hörprobe eines Liebesduetts aus Sturm am Tegernsee, die der anwesende Komponist, Thomas Rebensburger, zum Ausklang den Anwesenden zu Gehör brachte. Eine wunderbare Werbung für den Abend, wo sich die Angereisten auf eine weitere Vorstellung des Singspiels freuen konnten.    

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