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07.05.2013, 10:26 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [149]: Letzte Fortsetzung des Bamberger Berichts

War das schon alles? Zwei kurze Aufenthalte, und dann ist Schluss mit Bamberg und Jean Paul? Mitnichten. Oder: Ganz im Gegenteil – denn die Staatsbibliothek beherbergt seit dem Jahr 2010 einen wahren Schatz an Jeanpauliana. Die Oberfrankenstiftung hat ein „Ensemble“ von nicht weniger als 1181 Briefen und Billets erworben, die er an seinen Freund Emanuel Osmund geschrieben hat.

Tausendeinhunderteinundachtzig! Freilich sind die meisten dieser Briefschaften bereits veröffentlicht worden, überraschende Funde wird die Philologie und Jean-Paul-Biographik kaum machen können. Auf der Seite der Staatsbibliothek kann man sich übrigens alle Briefe anschauen.

Am 26. August 1810 hatte er noch geschrieben:

Guten Morgen, mein herzlich Geliebter! Nehmen Sie mein letztes und erstes und erstes Wort, das ich heute auf meinem Schreibtische schreibe, als Dank für Ihre gestrige Güte an! Möchten doch Sie immer auch einen Emanuel. für sich finden! Leben Sie wol, Guter!

R.

Mein Max weint aus Liebe, weil ich fortgehe. Du guter Junge! Denn es war nicht blos Pferde-Liebe, obwol auch einige darunter.

Aus dem April 1821 findet sich in der Bamberger Sammlung leider kein Stück, das sich auf Bamberg bezieht. Wer also keine Lust hat, in die Bibliothek (gleich welche) zu gehen, um sich einen der vielen Briefbände Jean Pauls auszuleihen, kann nun im Netz endlich viele der kleinen, so charakteristischen Schreiben des großen Belletristen lesen und sich im Faksimile anschauen. Der Zittauer Notar Franz Ulrich Apelt hatte die kulturhistorisch wertvolle Sammlung 1921 vom Urenkel Emanuel Osmunds erworben. „Den Kauf hatte“, lese ich auf der Homepage der Staatsbibliothek, „der damalige Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe aller Werke Jean Pauls, Eduard Berend (1883-1973), vermittelt, mit dem Apelt bereits seit vielen Jahren in engem Austausch zu Fragen der Romantik allgemein und Jean Pauls im besonderen stand.“ Und weiter:

In der Folgezeit und auch über den Tod Franz Apelts 1944 hinaus – weitgehend unterbrochen allerdings durch die Zeit des Dritten Reiches, während der der Jude Berend seine Forschungstätigkeit in Deutschland nicht fortführen konnte – stützte sich Berend für seine Edition ganz wesentlich auf die Sammlung Apelt, weshalb die darin enthaltenen Jean-Paul-Autographen mit nur wenigen Ausnahmen bereits publiziert sind. Als in den 1970er Jahren die Enteignung der wertvollen Sammlung durch die Machthaber der devisenhungrigen DDR zu befürchten war, gelang es den Erben Franz Apelts, die Autographen in die Bundesrepublik zu bringen und somit vor der erneuten Gefahr einer Zerstreuung zu retten.

Es ist schön, so etwas zu lesen: wie alte Papiere zusammengehalten und über Diktaturen hinweg gerettet werden – und wie so etwas in gedruckte Bücher gerät, auf die wir uns stützen, wenn wir erfahren wollen, wie Jean Paul – populär ausgedrückt – „so als Mensch war“. Die Ausstellung also zeigt einiges von diesen belletristischen Schätzen.

Hier geht's lang zur schönen Jean-Paul-Ausstellung der Staatsbibliothek Bamberg.

Ein Brief an Kunz befindet sich übrigens auch in der Sammlung: 1816 ist von einem Kästchen die Rede, das einige Bücher aus dessen berühmter Leihbibliothek nach Bayreuth enthielt. Jean Paul hat es ja oft in seiner Bayreuther Zeit beklagt: dass er sich die geistreiche Gesellschaft eingebunden und aus fremden Städten bestellen müsse

Und wieder grüßt er huldvoll sein Volk: König Max I. Joseph von Bayern (Fotos: Frank Piontek, 3.5. 2013).

Und wir hätten schließlich noch den König, natürlich. Dem beliebten ersten bayerischen König, Max I. Joseph, der den Dichter 1820 in München begrüßte, hat man auch in Bamberg ein Denkmal gesetzt. Er ist das gekrönte Haupt des Maximilianbrunnens, der sich gleich neben dem Haus am Grünen Markt befindet. Jean Paul hat ihn weder 1810 noch 1821 hier sehen können, denn erst 1888 wurde der Brunnen mit den Figuren Ferdinand von Millers[1] eingeweiht. Man konnte sich den König offensichtlich nicht anders denn als „huldvoll“ vorstellen, wie der Vergleich mit dem Münchner Denkmal zeigt. Als der Dichter 1810 in Bamberg weilte, stand auch der König noch in voller Blüte. Die Festschrift der Feier des fünf und zwanzig jährigen Regierungs-Jubiläums seiner Majestät, die 1824 herauskam und die Dekorationen des Maximilianplatzes publizierte[2], vermerkt als herausragendes Ereignis des Jahres 1810 das Octoberfest – das passt zu Jean Paul.

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[1] Bei „von Miller“ muß ich eher an Oskar von Miller denken. Der Oskar-von-Miller-Ring... bei diesem Namen muß ich reflexhaft an meine ersten Münchner Aufenthalte denken, damals, in den frühen 80er Jahren, als wir Preußen öfters nach München fuhren, wo der Schnee lag und gleichzeitig der weißblaue Himmel strahlte. Ich denke an das Bayerische Nationalmuseum, ich denke an die Theater und die kurzen Wege, die mich abends von der Stadt in mein Quartier in der Kardinal-Döpfner-Straße führten, das schon lange nicht mehr existiert. Ja, die Erinnerungen sind das einzige Paradies...

[2] Im Katalog der interessanten Ausstellung Bayerns Krone 1806. 200 Jahre Königreich Bayern, die der Blogger damals in der Münchner Residenz besucht hat, und dessen Katalog er nun in der Bamberger Residenz erworben hat (weil es vielleicht so sein musste, weil es gerade „passt“), kann man sie sämtlichst finden.



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