Info
Geb.: 11. 7.1964 in Esslingen am Neckar
© Hagen Schnauss/Dumont Buchverlag

Helmut Krausser

Helmut Krausser wächst in München-Schwabing und Germering auf. Nach dem Abitur arbeitet er u.a. als Nachtwächter, Opernkomparse, Zeitungswerber, Popsänger, Rundfunksprecher und Journalist. Von 1985 bis 1989 studiert er provinzialrömische Archäologie, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität München, schließt sein Studium jedoch nicht ab. In der Jugendsendung Pop Sunday des Bayerischen Rundfunks stellt er zwischen 1983 und 1987 eigene Kurzprosatexte vor. Einige dieser Texte werden 1990 in dem Prosaband Spielgeld publiziert. 1986 beteiligt sich Krausser an „Sage und Schreibe“, einem Autorenworkshop des Kulturreferats der Stadt München. Im selben Jahr beendet er seinen ersten Roman, Schweine und Elefanten, den er erst 1999 veröffentlicht. Es ist der Auftakt der Hagen-Trinker-Trilogie. Der zweite Band, Könige über dem Ozean, erscheint 1989, der dritte Band, Fette Welt, 1992. Darin wird die Geschichte des Trinkers, Schriftstellers, Spielers und Aussteigers Hagen erzählt, der sich durch München treiben lässt, bis er der 16-jährigen Ausreißerin Judith begegnet. Die taz nennt Fette Welt einen „Roman zum Verschlingen, ein Buch, das in seiner mitreißenden Sprache nie ein Klischee bedient.“ 1998 wird der Roman mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle von Jan Schütte verfilmt.

1993 erscheint Kraussers Monumentalwerk Melodien, das die Musikgeschichte der Spätrenaissance thematisiert, in der sich die weltliche Oper von der Kirchenmusik zu trennen beginnt. Protagonist der Zeitreise ist der Alchemist Castiglio, der sich auf die Suche nach der „Urmusik“ macht. Die Neue Zürcher Zeitung betrachtet Melodien gleichzeitig als Gegenwartsroman, „der die Dekadenz heutiger Kultur attackiert und ihr den erfundenen Mythos reiner Musik kontrastiert, der sich durch das 16. und 17. Jahrhundert gezogen habe“. 1996 folgt ein weiterer umfangreicher Roman, Thanatos, der die Geschichte der Lebensfälschung eines Romantikforschers erzählt. Der 1997 publizierte Roman Der große Bagarozy ist die Geschichte einer Obsession und eine Hommage an die Opernsängerin Maria Callas. Er wird 1999 von Bernd Eichinger mit Corinna Harfouch und Til Schweiger in den Hauptrollen verfilmt.

Auch in den folgenden Werken, Schmerznovelle (2001), UC Ultrachronos (2003), Eros (2006), spielen Obsessionen die tragende Rolle. Seinen dokumentarischen Roman Die kleinen Gärten des Maestro Puccini (2008) ergänzt Krausser mit dem Begleitband Die Jagd nach Corinna (2008), in dem er seine Recherchen protokolliert. 2010 gilt sein Interesse Zwei ungleichen Rivalen. Puccini und Franchetti. 2009 publiziert Krausser den Episodenroman Einsamkeit und Sex und Mitleid über die Nachtseiten Berlins und 2011 Die letzen schönen Tage. „Das alles ist ganz dicht und doch subtil am Berlin der letzten Monate entlang geschrieben“, so Felicitas von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen, „es ist ein Roman in Geschichten, die ineinandergreifen wie Finger um einen Hals, bevor sie langsam zudrücken“.  Es folgen der Kriminalroman Aussortiert (2011) und Nicht ganz schlechte Menschen (2012).

Neben seinem epischen Werk veröffentlicht Helmut Krausser Gedichtbände, darunter Strom (2003), Plasma (2007), Auf weißen Wüsten (2008), und verfasst Hörspiele und Libretti. Seine publizierten Tagebücher von 1992 bis 2004 sind Werkstattbericht und Kommentar zugleich. Großen Erfolg hat er mit seiner ersten Theaterarbeit Lederfresse (1993): über 300 Inszenierungen in 30 Ländern. Im Oktober 2011 wird Eyjafjallajökull-Tam-Tam am Marstall in München uraufgeführt.

1989 erhält Helmut Krausser das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München, 1993 den Tukan-Preis der Landeshauptstadt München für Melodien, 1998 das Villa-Massimo-Stipendium, 2005 das Heinrich-Heine-Stipendium. 1998 wird Diptychon als Hörspiel des Jahres, 2000 Denotation Babel mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Helmut Krausser lebt in Rom und Potsdam.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek


Externe Links:

Literatur von Helmut Krausser im BVB

Literatur über Helmut Krausser im BVB

Zur Homepage des Autors

Artikel bei Spiegel Online

Schlagwort Helmut Krausser in Zeit Online

Helmut Krausser beim Literaturport

Kommentar schreiben