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24.11.2022, 16:45 Uhr
Kunstministerium
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© Andreas Zitt

Förderstipendium Neustart-Paket Freie Kunst an Anton Leiss-Huber

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© Wolfgang Maria Weber/StMWK

Lyrik, Comics und Romane: Am 28. September 2022 wurden in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 22 Schriftstellerinnen und Schriftsteller von Kunstminister Markus Blume mit den Förder- und Arbeitsstipendien des Freistaates Bayern ausgezeichnet. Unter den geförderten Publikationsvorhaben finden sich Lyrik-, Erzähl- und Comicbände ebenso wie die Geschichte einer potenziellen Amour fou sowie eine im 19. Jahrhundert angesiedelte gesellschaftskritische „biofiction“. Das Literaturportal Bayern stellt in den kommenden 11 Wochen jeweils zwei der Preisträgerinnen und Preisträger mit einem Porträt und einem Textauszug vor.

Anton Leiss-Huber wurde 1980 in Altötting geboren. Er ist studierter Opernsänger und Schauspieler. Einem breiten Publikum wurde er in den letzten Jahren vor allem durch seine Auftritte im deutschen Fernsehen bekannt. Man kennt ihn aus der Musiksendung des BR Fernsehens Brettl-Spitzen, der bayerischen Kultserie Im Schleudergang oder der Radio-Sendung Schmankerl auf BR-Heimat. Seit 2015 schreibt er die in Altötting spielende Krimi-Serie über den jungen Oberkommissar Max Kramer und seine Jugendliebe die Novizin Maria Evita. Der fünfte Band Karfreitagstod erschien 2022 im Gmeiner Verlag.

Auszug aus Der UfA Bluff (Romanvorhaben)

Der Außenminister trommelte mit den Fingernägeln auf der Armlehne seines Sessels. „Drei Schauspieler zusammen in einem Raum und keiner sagt was. Das erlebt man selten.“ Seine Begleiter und von Rissen lachten. „Können Sie nicht irgendwas rezitieren?“ Ribbentrop hatte Elisabeth Flickenschildt ins Auge gefasst, die Gründgens mit einem hilfesuchenden Blick streifte.

„Etwas aus Faust, Elisabeth,“ ermunterte sie der General-Intendant. „Die Verse der Hexe“, konkretisierte er seinen Vorschlag.

Die Flickenschildt hustete. „Du musst verstehn! Aus eins mach zehn, und zwei lass gehn, und drei mach gleich, so bist du reich…“ Jedes >R< rollte sie mehrmals auf der Zunge. Die Bühnenaussprache unterschied sich deutlich vom Film. Auf Luis wirkte die Rezitation affig.

Gründgens unterbrach seine Nachbarin. „Nicht die Hexenküche, Elisabeth. Lieber die Walpurgisnacht. Oder was meinen Sie, Herr Reichsaußenminister?“

„Walpurgisnacht“, stimmte von Ribbentrop zu.

Gründgens streckte affektiert seinen Arm durch. „Mephistopheles tanzt mit der alten Hexe: >Einst hatt' ich einen wüsten Traum, da sah ich einen gespaltnen Baum, der hatt' ein ungeheures Loch; So groß es war, gefiel mir's doch<.“

Von Ribbentrop lachte verhalten.

Wieder erhob die Flickenschildt ihre Stimme und setzte an der von Gründgens gewählten Stelle mit dem Tonfall der alten Hexe ein: „Ich biete meinen besten Gruß dem Ritter mit dem Pferdefuß! Halt er einen rechten Pfropf bereit, wenn er das große Loch nicht scheut.“

Der Außenminister applaudierte und lachte dabei schallend. „Goethe war ein richtiges Schwein!“ Er sah zu Luis herüber. „Was können Sie aus dem Stand aufsagen, Herr Adrian?“

„Nicht viel, ich bin beim Film.“

Von Rissen machte sich bemerkbar. „Was sagen Sie in >Gewitter über der Heide< nochmal? In der Szene als Sie und die anderen Burschen auf der Brücke vor dem Dorf stehen und der Großgrundbesitzer seine Schergen schickt, um die Häuser der säumigen Schuldner niederzubrennen.“

„Den Boden, den meine Vorväter mit ihrem Blut verteidigt haben, werde ich nicht kampflos aufgeben. Heute sterben wir nicht!“

„Das war 's. Bravo! Aus ihrem Mund bekommt jedes Wort eine immense Kraft. Ich habe Gänsehaut. Auf das, was wir lieben: Unser Volk, unser Reich, unsern Führer!“

Von Ribbentrop sprang auf, was die Übrigen dazu veranlasste, seinem Beispiel zu folgen. „Unser Volk, unser Reich, unsern Führer!“, erklang es von allen Seiten.

Luis wurde bei jedem Wort lauter. Die Beschwörungsformel fühlte sich gut an. Sie war trotzdem falsch.