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28.09.2022, 16:01 Uhr
Wolfsmehl
Text & Debatte
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Trauerrede auf Heide von Horix-Schwesinger (1928-2022)

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© Karin Wilck/Der neue Tag

Am 23. September 2022 starb in Augsburg die bayerische Schriftstellerin und Lyrikerin Heide von Horix-Schwesinger im Alter von 94 Jahren. Zu ihren Veröffentlichungen zählen sowohl theologische (Frieden durch dich. Gedanken zum Gottesdienst der Sonntage und Feste, 1982) als auch dichterische Werke (Herzzeitlose. 36 Gedichte, 1998; Blaue Schiffe. Gedichte, 2005). 2011 erhielt sie den Preis der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichts. Bis zu ihrem Tod lebte sie in Augsburg und war Referentin der Katholischen Erwachsenenbildung und Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge. Morgen findet das Requiem in der päpstlichen Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg statt. Aus diesem Anlass und aufgrund der langjährigen Freundschaft zu Heide von Horix-Schwesinger hat der Autor Wolfsmehl eine Trauerrede verfasst. Wir drucken sie hier mit freundlicher Genehmigung ab.

*


Lieber Christoph,
liebe Verwandte von Heide Horix-Schwesinger,
sehr geehrte Trauergemeinde!

 

2001 begegnete ich Heide von Horix-Schwesinger zum ersten Mal bei den Weidener Literaturtagen.

Seltsamer Weise erinnere ich mich noch genau, an diese erste Begegnung:

Es war beim Frühstück. Heide saß am Tisch gegenüber. Wir blickten uns an und lachten.

Im anschließenden Gedränge war es unmöglich, Heide auszuweichen – unmöglich, ihr typisches Lachen nicht auf Anhieb sympathisch zu finden. Ohne viel Aufhebens stellten wir uns einander vor. Und von da an waren wir Freunde. Eine Freundschaft, die ein Leben lang halten sollte.

Diese Freundschaft hob sich stark von meinen anderen ab. Sie war mir sehr wichtig! Heides Gerechtigkeitssinn, ihre Feinsinnigkeit, ihre Gastfreundschaft, ihr Humor, ihr Drang nach Freiheit, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Naturverbundenheit, ihre Unvoreingenommenheit gegenüber jedermann waren es, die mir an Heide so gefielen.

Ihre menschliche und soziale Kompetenz imponierten mir. Sie behielt in jeder Lebenslage Haltung – auch im Alter, in ihrer schweren Zeit, wurde dies besonders deutlich.

Für Heide stand außer Frage, dass sie sich für ihre Werte nicht verbiegen lassen würde. Von niemanden. Von keinem System. Viele Literat*innen, die ihren großen Bücherschrank füllten, waren ihr darin stets ein Vorbild!

Heide studierte Musik und Katholische Theologie. Sie absolviert Konzertreisen im In- und Ausland und ist als Musiklehrerin tätig. Sehr lange war sie als Referentin der Katholischen Erwachsenenbildung und Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge tätig.

Aber vor allem war sie selbst Autorin, und was für eine!

Zu ihren Veröffentlichungen zählen die drei großen Lyrikbände und Werke Herzzeitlose, Blaue Schiffe sowie Frieden durch dich. Gedanken zum Gottesdienst der Sonntage und Feste.

Viele Essays folgen, alle abgedruckt, alle beindruckend.

1986 nimmt Heide am Internationalen Kongress Christlicher Künstler in Rom teil, wo sie bei einer Audienz Papst Johannes Paul II. auch persönlich begegnet.

2011 erhält Heide von Horix-Schwesinger den Preis der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichts.

Heide liebte das Leben, denn sie war mit sich im Reinen, konnte jederzeit in den Spiegel blicken. Wollte so oft wie möglich Literatur produzieren und pflegte mit ihrem Sohn Christoph einen liebevollen Umgang.

Sie besaß Gottvertrauen, echtes Gottvertrauen, war guter Dinge. Stets begrüßte sie mich mit einem Lachen.

Heute nun ist die Zeit da, Abschied zu nehmen – Abschied mit einem Gedicht aus der Feder der großen Lyrikerin Heide von Horix-Schwesinger:

Wanke Schritte
Auf Versfüßen

Grünumränderte Augen
Von den Schatten befreit

Im Gesang einer Drossel
Schaukelt die Sonne

Und brennt Ihre Strahlen
Wund am Glockenstuhl

Liebe Heide, danke für alles!

Ich bin sicher, die Drosseln singen, die Sonne scheint und der Himmel steht Dir weit offen ...

Servus, Heide!

Wolfsmehl

28.09.2022