Stundenbuch eines Versuchs. Ein Langgedicht von Tania Rupel Tera
Stundenbuch eines Versuchs heißt das neue, vielversprechende Langgedicht von Tania Rupel Tera. Mit ihrer eigenwilligen Form- und Zeichensetzung schärft die Lyrikerin künstlerisch-eindringlich den Blick für die Frage, was bleibt im Zeitalter eines permanenten Sich-Zerlegens, Polarisierens, Verfehlens? Von der Integrität der Person als Frau, als Künstlerin, als Liebende.
*
wir sieben. sieben weiter. sieben Tage nacheinander. sieben. schauen. was bleibt. sieben. schauen. bleibt was? zügellos die Zunge. Schale voller Orte. das Fell einer aussterbenden Zartheit. Trampolin eines Ver/sprechens. das bewegende Denkmal der Sprachlosigkeit. statt Tränen, zeige ich dir Zunge
zwei große Buchstaben deine Schultern. zwei Brocken von einem dunklen Verschweigen. nachdem es mein Alltag wurde, dir zermatschte Silben zu servieren. und dein Gezische mich jedes Mal an der Gurgel packte. der Halbmond war ein Komma. von Mord zu Mord an jedem Wort. bin Halbfrau Halbwort geworden. meine Hände wortkarg. Fingerkuppen ohne sanfte Ströme. Füße ohne perlende Pfade. wie sind wir soweit?
wir sieben. sieben andauernd. sehen uns kaum an. Winterrufe treiben das Licht. ein streitsüchtiger Vogel brütet auf meiner steinernen Zunge. wie an jener Küste, erinnerst du dich? manchmal waren die Wolken prächtig. Monumente der Momente. wir beobachteten etwas und entdeckten uns neu. wir lernten das Unsichtbare zu betrachten. ich glaube, ich sah das Volle. das Leere. das Vergehende. waren wir das? gaben wir uns ein Wort? ich töte es mit hunderten Schlägen auf die Wiederholungstaste
wir sieben. sieben weiter. wenn Geier über uns kreisen, denke ich, wir sind am Ende. merkst du sie? aber dann vermute ich mutig: später erzählen unsere Knochen das Wichtigste. weg mit den Keimen der Kränkungen. der Lügen. her mit dem: aus dem Bauch heraus. aus dem Fleisch. ihre ausgetrocknete Sprache der Wahrheit
wenn du glaubst, es gibt so viel zu besprechen. und nichts mehr zu sagen hast. aber wir halten den Rest fest. und sieben die Stille langsam. deine Pupillen ein Doppelpunkt ohne Aussage. ich schneide mein Schweigen. nennen wir es einmal beim Namen. dieses Ermatten. all die Blitze, die unsere Gesichter knicken. wir lernen gemessen. neue Sprachen sind nicht meine Stärke. verflixt. ich suche nach einem Begriff
sieben. schauen. die akrobatischen Bewegungen der Augäpfel. die Überreife der Blasen unsere Handvoll Hoffnungen. ja, ich habe es zugestimmt. aber Meins ist alt und hat begrenzten Wortschatz. er weiß nicht mehr, wie sich Leichtigkeit oder Leidenschaft ausspricht. so wird er ins Pokern verführt. große Geste gedeihen allein in meiner grünen Birne
die Arme mit ihren Wellen. die Pirouetten der Gedanken. Strophen aus der Steinzeit. wir haben es verlernt. wir sind verletzt. uns trafen Worte auf dem Weg. die Finger fliehen wieder mal. kein Asyl in diesem Tal. es kribbelt dennoch. in welchem Organ brennt das Verlangen? nach Rache? nach Liebe? sieben. schauen. sieben. Frieden
ich spreche mit meinen vier Freundinnen. sie haben Ohren. Verständnis für mich. all das, was an dich abprallt, hören sie. mit der unvergänglichen Farbe der Einsamkeit gestrichen. du merkst nichts. nachts lassen sie meine Worte frei. dann ist mein Herz im Wind. ich wende mich im Traum. Worte. Winde. Wege. du bist eine Mauer. ich werfe Worte auf dich. wie Vasen mit blutlosen Blumen. wie Teller voll Spucke aus ekligen Sprüchen
mein Torso, Fragment aus dem eigenen falschen Satz, bebt im Bett. sieben. schauen. welche Geister ziehen. durch die Räume aus Widerhall. plötzlich spielen die Teile in geglätteten Ärmeln und Hosenbeinen. Wünsche steppen und verkrampfen in der Wüste aus Plastik. wie frei ist meine Taille, um es zuzugeben? noch schmiegsam genug, es zu überleben? wann versteht jemand je was, das nicht seins ist? der Kater leckt sich
wir zerreden. zerlegen die Dinge. zu viele Worte. auf Regalen. in Gläser. Gekocht. Geschält. kalt gepresst. ihre Tiefe. Weite. Leere. durch meinen Schädel jagen heiße Projektile. der Körper eine Wortbildung? Neuschöpfung ist ihm wichtig. ausdrucksvoll. wenn auch schmerzvoll. Meins glaubt, er baut Brücken. dein Adamsapfel rauf runter. durch deinen Kehlkopf geht ein Schatten deiner Stimme auf Zehenspitzen. du schluckst und schluckst herunter. dein Körper redet fließend Stille. es wird gesiebt. geschaut. was noch kommen mag. es ist der zweite Tag
am dritten bin ich Schwindel am Rand. wenn du nicht weiterweißt. es sagt sich so leicht. es fühlt sich an wie eine Klamm. der Kopf hängt am Schall eines Albtraums. die Luft schürft sich durch geizige Gewebe. sieben. schauen. guten Morgen ohne alles. ich dachte, es wird leichter. vergisst du, dass es gesiebt wird? ich vergesse ständig zu schauen. war da irgendwann irgendetwas?
während sich der Staub auf die Kommode legt. auf den Abdruck vom verschwundenen Vertrauen. stehen deine Widerworte gerade. der Blick aber eine Ratte. als Autodidakt-Semiotikerin lese ich Zeichen. der Absatz eben war unkorrekt. mit beiden Beinen auf dem Boden. sie in die Hand genommen. die ewige Zerrissenheit
aus den Fingernägeln Zuversicht kauen. weiter schauen. sieben. sieben. danach sich ins Bett flüchten. eine Hand stets unterm Kissen. da versteckt jeder was. zurzeit bei mir eine Faust. die andere am Bettkasten, wo Traumzeug aufbewahrt wird. der Körper drückt sich im Schlaf aus. entfesselt die Nacht. wann kommt der letzte Tag?
kontaktlose Pflege des Kontakts. Mensch. das Unmögliche gewagt. in einem einzigen Wort die Welt. von der Erde zu den Sternen und zurück. was für eine Last. Laute. Buchstaben brechen. Kinderarme zeichnen. ich sehe es. hochhüpfen. die Dimension unerreichbar. etwas im Innern spürte damals noch die Klippe im Wort. ich bleibe beim Fenster. Vogel. Eintopf. irgendwo dazwischen die Substanz vom Trost
mir fehlt der Respekt vom Satzbau. auf einmal tippst du eine Ode auf den Tisch. die Wimpern plappern überschwänglich. spielst du Ennios-Lied? deine Augenbrauen machen Besprechung. wir sieben ständig. ändert sich was? mit welcher Gebärde stehst du zum gegebenen Wort? wieso setzt du einen Bindestrich nach dem anderen? ich wollte ein Wort zum Schutz. der Punkt ist am Zug
sieben Uhr. Eile im Flur. sieben. sieben. sieben. kein Grund fürs Schauen. die junge Stunde wedelt in meinen Haaren. ich höre - dein Körper krächzt, als sie dich ins Gesicht peitschen. oh, Mann. diese Enge. Meins geht aus seiner Haut. Gelenke, Gerüst knacken an der Stelle die blauäugigen Stille. er stottert aufgestauten Frust. die Sehnen sprechen Bände. die Adern äußern ihre Meinung. kennst du freie Übersetzung? diese ist nicht frei. ich muss meine innere Haltung ganz genau ergreifen.
es passiert so viel gleichzeitig. während dein Körper barbarisch ein Gefühl in Geiselhaft hält. kein Mucks von deinen Muskeln. sag es offen. die kurzen Sätze deines Rumpfs nehmen Stellung. sie legen sich mit ihrer ganzen Schwere auf meine Seele. Schritte knallen ihre Tüten durch die tauben Stuben der Stunden. oh, sind wir stur. einen ähnlichen Film habe ich gesehen. ich erkläre dir den Titel. schau zu. kannst du dir selber das Ende denken
sieben. sieben. ab und zu Flöhe aus dem Bewusstseinsstrom schütteln. mein Clochard. sind wir Opfer der Worte? ihre unschuldigen unehrlichen Kinder? noch winzig wurden unsere Wachsseelen in deren harten Formen gegossen. Fremdwörter. du faul und kalt. ich trotzig. naiv. mir dämmert das Synonym. bäm dämlich. bäm däm. jede Menge Dé jà-vus die Jahre. magst du mit Klängen malen?
Dehnungsübung der Fragen. die inneren Seiten der Zeilen zerren. welches Wort das erste? Mama? dein Name? wie oft: das ist mein letztes Wort? wir kranke Wirte der Worte. süchtig nach Stille. sieben. sieben. in welche erkennst du dich wieder? ah, sie funktionieren nicht. die Illusion des Findens. die Unmöglichkeit der Nähe. Brücke über. ich bin müde
womöglich wispert dein Körper was Kluges. ich übersetze Drehen am Spieß. sieben. schauen. die Choreografie der Ruhe proben. jeder Körper ein Land. eigene Landschaften. für jeden Ort ein-zwei Namen. ein Kosewort. manchmal ein Weh durch eine Gegend. manchmal liebt uns der Körper gütig. so wie wir ihn ab und zu streichen und schmieren. zeichnen. verbrennen. stechen. brechen. meistens aus Liebe
was schaut da aus unseren Tränensäcken? unsagbar. die Selbstständigen quasseln und quasseln. aufrichtiger Smalltalk. Körper an der Grenze. neben der Sprache. wir Künstler. neben der Spur. lange habe ich nicht so gelacht. wahrscheinlich auch die Katz
haben wir sie sieben Tage gequält? befreit? ich betrachte dich im Spiegel. fühlst du dich heimisch in deinem Land? wie lange bleiben wir noch da? die Körper irren berührungsscheu. wir bleiben im Spiel des Schweigens. es ist, wie es war. undefinierbar. Knacks. Tanz? sie haben keine Angst. sie können viele Sprachen. die, der Würmer. des Feuers
sag was. die Welt der Worte ist das. später sind wir Stille. ich singe los: paroles, paroles, paroles. kennst du es? Winde wirbeln Worte. durch Steppen und Städte. Bergen aus Rätseln. ich höre Stimmen. Schreie. ich muss sie aufschreiben. und tanzen. auf Narben
deine Stimme verblasst in mir. einige so versunken. ab und zu findet eine zurück im Dunkeln. als ich klein war, brachte Papa ein Magnetophon nach Hause. meine Eltern nahmen unsere Stimmen auf. nach zehn Jahren hörte ich das Gespräch zwischen einer Dreijährigen und einer Giraffe. das Mädchen erkannte ich nicht. danach ging das Ding in den Keller
darum sammelte ich am Strand jene Algen. ich staunte. als ob das Meer seinen Keller aufgeräumt hatte. seine vergessenen Stimmen in den verworrenen Knäuel. aus der Tiefe. aus einem Früher vielleicht, das anders geklungen hat
am Abend flüstert dein Knie etwas zu meinem. wie fühlt sich deine Haut an erfährt der Stoff meines Pyjamas. der Stoff im Kopf, aus welchem sich das Gedächtnis peu à peu verabschiedet, will sich erinnern. sieben. sieben. Augen schließen. bald zieht mich der große Fisch zu sich. ohne beglaubigte Übersetzung des Geträumten. ich werde es dir erzählen. das verschweigt dir meine Embryohaltung. tja, du schnarchst. ich spreche es laut aus. um Wortes Willen. ganz leise. gute Nacht
Stundenbuch eines Versuchs. Ein Langgedicht von Tania Rupel Tera>
Stundenbuch eines Versuchs heißt das neue, vielversprechende Langgedicht von Tania Rupel Tera. Mit ihrer eigenwilligen Form- und Zeichensetzung schärft die Lyrikerin künstlerisch-eindringlich den Blick für die Frage, was bleibt im Zeitalter eines permanenten Sich-Zerlegens, Polarisierens, Verfehlens? Von der Integrität der Person als Frau, als Künstlerin, als Liebende.
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wir sieben. sieben weiter. sieben Tage nacheinander. sieben. schauen. was bleibt. sieben. schauen. bleibt was? zügellos die Zunge. Schale voller Orte. das Fell einer aussterbenden Zartheit. Trampolin eines Ver/sprechens. das bewegende Denkmal der Sprachlosigkeit. statt Tränen, zeige ich dir Zunge
zwei große Buchstaben deine Schultern. zwei Brocken von einem dunklen Verschweigen. nachdem es mein Alltag wurde, dir zermatschte Silben zu servieren. und dein Gezische mich jedes Mal an der Gurgel packte. der Halbmond war ein Komma. von Mord zu Mord an jedem Wort. bin Halbfrau Halbwort geworden. meine Hände wortkarg. Fingerkuppen ohne sanfte Ströme. Füße ohne perlende Pfade. wie sind wir soweit?
wir sieben. sieben andauernd. sehen uns kaum an. Winterrufe treiben das Licht. ein streitsüchtiger Vogel brütet auf meiner steinernen Zunge. wie an jener Küste, erinnerst du dich? manchmal waren die Wolken prächtig. Monumente der Momente. wir beobachteten etwas und entdeckten uns neu. wir lernten das Unsichtbare zu betrachten. ich glaube, ich sah das Volle. das Leere. das Vergehende. waren wir das? gaben wir uns ein Wort? ich töte es mit hunderten Schlägen auf die Wiederholungstaste
wir sieben. sieben weiter. wenn Geier über uns kreisen, denke ich, wir sind am Ende. merkst du sie? aber dann vermute ich mutig: später erzählen unsere Knochen das Wichtigste. weg mit den Keimen der Kränkungen. der Lügen. her mit dem: aus dem Bauch heraus. aus dem Fleisch. ihre ausgetrocknete Sprache der Wahrheit
wenn du glaubst, es gibt so viel zu besprechen. und nichts mehr zu sagen hast. aber wir halten den Rest fest. und sieben die Stille langsam. deine Pupillen ein Doppelpunkt ohne Aussage. ich schneide mein Schweigen. nennen wir es einmal beim Namen. dieses Ermatten. all die Blitze, die unsere Gesichter knicken. wir lernen gemessen. neue Sprachen sind nicht meine Stärke. verflixt. ich suche nach einem Begriff
sieben. schauen. die akrobatischen Bewegungen der Augäpfel. die Überreife der Blasen unsere Handvoll Hoffnungen. ja, ich habe es zugestimmt. aber Meins ist alt und hat begrenzten Wortschatz. er weiß nicht mehr, wie sich Leichtigkeit oder Leidenschaft ausspricht. so wird er ins Pokern verführt. große Geste gedeihen allein in meiner grünen Birne
die Arme mit ihren Wellen. die Pirouetten der Gedanken. Strophen aus der Steinzeit. wir haben es verlernt. wir sind verletzt. uns trafen Worte auf dem Weg. die Finger fliehen wieder mal. kein Asyl in diesem Tal. es kribbelt dennoch. in welchem Organ brennt das Verlangen? nach Rache? nach Liebe? sieben. schauen. sieben. Frieden
ich spreche mit meinen vier Freundinnen. sie haben Ohren. Verständnis für mich. all das, was an dich abprallt, hören sie. mit der unvergänglichen Farbe der Einsamkeit gestrichen. du merkst nichts. nachts lassen sie meine Worte frei. dann ist mein Herz im Wind. ich wende mich im Traum. Worte. Winde. Wege. du bist eine Mauer. ich werfe Worte auf dich. wie Vasen mit blutlosen Blumen. wie Teller voll Spucke aus ekligen Sprüchen
mein Torso, Fragment aus dem eigenen falschen Satz, bebt im Bett. sieben. schauen. welche Geister ziehen. durch die Räume aus Widerhall. plötzlich spielen die Teile in geglätteten Ärmeln und Hosenbeinen. Wünsche steppen und verkrampfen in der Wüste aus Plastik. wie frei ist meine Taille, um es zuzugeben? noch schmiegsam genug, es zu überleben? wann versteht jemand je was, das nicht seins ist? der Kater leckt sich
wir zerreden. zerlegen die Dinge. zu viele Worte. auf Regalen. in Gläser. Gekocht. Geschält. kalt gepresst. ihre Tiefe. Weite. Leere. durch meinen Schädel jagen heiße Projektile. der Körper eine Wortbildung? Neuschöpfung ist ihm wichtig. ausdrucksvoll. wenn auch schmerzvoll. Meins glaubt, er baut Brücken. dein Adamsapfel rauf runter. durch deinen Kehlkopf geht ein Schatten deiner Stimme auf Zehenspitzen. du schluckst und schluckst herunter. dein Körper redet fließend Stille. es wird gesiebt. geschaut. was noch kommen mag. es ist der zweite Tag
am dritten bin ich Schwindel am Rand. wenn du nicht weiterweißt. es sagt sich so leicht. es fühlt sich an wie eine Klamm. der Kopf hängt am Schall eines Albtraums. die Luft schürft sich durch geizige Gewebe. sieben. schauen. guten Morgen ohne alles. ich dachte, es wird leichter. vergisst du, dass es gesiebt wird? ich vergesse ständig zu schauen. war da irgendwann irgendetwas?
während sich der Staub auf die Kommode legt. auf den Abdruck vom verschwundenen Vertrauen. stehen deine Widerworte gerade. der Blick aber eine Ratte. als Autodidakt-Semiotikerin lese ich Zeichen. der Absatz eben war unkorrekt. mit beiden Beinen auf dem Boden. sie in die Hand genommen. die ewige Zerrissenheit
aus den Fingernägeln Zuversicht kauen. weiter schauen. sieben. sieben. danach sich ins Bett flüchten. eine Hand stets unterm Kissen. da versteckt jeder was. zurzeit bei mir eine Faust. die andere am Bettkasten, wo Traumzeug aufbewahrt wird. der Körper drückt sich im Schlaf aus. entfesselt die Nacht. wann kommt der letzte Tag?
kontaktlose Pflege des Kontakts. Mensch. das Unmögliche gewagt. in einem einzigen Wort die Welt. von der Erde zu den Sternen und zurück. was für eine Last. Laute. Buchstaben brechen. Kinderarme zeichnen. ich sehe es. hochhüpfen. die Dimension unerreichbar. etwas im Innern spürte damals noch die Klippe im Wort. ich bleibe beim Fenster. Vogel. Eintopf. irgendwo dazwischen die Substanz vom Trost
mir fehlt der Respekt vom Satzbau. auf einmal tippst du eine Ode auf den Tisch. die Wimpern plappern überschwänglich. spielst du Ennios-Lied? deine Augenbrauen machen Besprechung. wir sieben ständig. ändert sich was? mit welcher Gebärde stehst du zum gegebenen Wort? wieso setzt du einen Bindestrich nach dem anderen? ich wollte ein Wort zum Schutz. der Punkt ist am Zug
sieben Uhr. Eile im Flur. sieben. sieben. sieben. kein Grund fürs Schauen. die junge Stunde wedelt in meinen Haaren. ich höre - dein Körper krächzt, als sie dich ins Gesicht peitschen. oh, Mann. diese Enge. Meins geht aus seiner Haut. Gelenke, Gerüst knacken an der Stelle die blauäugigen Stille. er stottert aufgestauten Frust. die Sehnen sprechen Bände. die Adern äußern ihre Meinung. kennst du freie Übersetzung? diese ist nicht frei. ich muss meine innere Haltung ganz genau ergreifen.
es passiert so viel gleichzeitig. während dein Körper barbarisch ein Gefühl in Geiselhaft hält. kein Mucks von deinen Muskeln. sag es offen. die kurzen Sätze deines Rumpfs nehmen Stellung. sie legen sich mit ihrer ganzen Schwere auf meine Seele. Schritte knallen ihre Tüten durch die tauben Stuben der Stunden. oh, sind wir stur. einen ähnlichen Film habe ich gesehen. ich erkläre dir den Titel. schau zu. kannst du dir selber das Ende denken
sieben. sieben. ab und zu Flöhe aus dem Bewusstseinsstrom schütteln. mein Clochard. sind wir Opfer der Worte? ihre unschuldigen unehrlichen Kinder? noch winzig wurden unsere Wachsseelen in deren harten Formen gegossen. Fremdwörter. du faul und kalt. ich trotzig. naiv. mir dämmert das Synonym. bäm dämlich. bäm däm. jede Menge Dé jà-vus die Jahre. magst du mit Klängen malen?
Dehnungsübung der Fragen. die inneren Seiten der Zeilen zerren. welches Wort das erste? Mama? dein Name? wie oft: das ist mein letztes Wort? wir kranke Wirte der Worte. süchtig nach Stille. sieben. sieben. in welche erkennst du dich wieder? ah, sie funktionieren nicht. die Illusion des Findens. die Unmöglichkeit der Nähe. Brücke über. ich bin müde
womöglich wispert dein Körper was Kluges. ich übersetze Drehen am Spieß. sieben. schauen. die Choreografie der Ruhe proben. jeder Körper ein Land. eigene Landschaften. für jeden Ort ein-zwei Namen. ein Kosewort. manchmal ein Weh durch eine Gegend. manchmal liebt uns der Körper gütig. so wie wir ihn ab und zu streichen und schmieren. zeichnen. verbrennen. stechen. brechen. meistens aus Liebe
was schaut da aus unseren Tränensäcken? unsagbar. die Selbstständigen quasseln und quasseln. aufrichtiger Smalltalk. Körper an der Grenze. neben der Sprache. wir Künstler. neben der Spur. lange habe ich nicht so gelacht. wahrscheinlich auch die Katz
haben wir sie sieben Tage gequält? befreit? ich betrachte dich im Spiegel. fühlst du dich heimisch in deinem Land? wie lange bleiben wir noch da? die Körper irren berührungsscheu. wir bleiben im Spiel des Schweigens. es ist, wie es war. undefinierbar. Knacks. Tanz? sie haben keine Angst. sie können viele Sprachen. die, der Würmer. des Feuers
sag was. die Welt der Worte ist das. später sind wir Stille. ich singe los: paroles, paroles, paroles. kennst du es? Winde wirbeln Worte. durch Steppen und Städte. Bergen aus Rätseln. ich höre Stimmen. Schreie. ich muss sie aufschreiben. und tanzen. auf Narben
deine Stimme verblasst in mir. einige so versunken. ab und zu findet eine zurück im Dunkeln. als ich klein war, brachte Papa ein Magnetophon nach Hause. meine Eltern nahmen unsere Stimmen auf. nach zehn Jahren hörte ich das Gespräch zwischen einer Dreijährigen und einer Giraffe. das Mädchen erkannte ich nicht. danach ging das Ding in den Keller
darum sammelte ich am Strand jene Algen. ich staunte. als ob das Meer seinen Keller aufgeräumt hatte. seine vergessenen Stimmen in den verworrenen Knäuel. aus der Tiefe. aus einem Früher vielleicht, das anders geklungen hat
am Abend flüstert dein Knie etwas zu meinem. wie fühlt sich deine Haut an erfährt der Stoff meines Pyjamas. der Stoff im Kopf, aus welchem sich das Gedächtnis peu à peu verabschiedet, will sich erinnern. sieben. sieben. Augen schließen. bald zieht mich der große Fisch zu sich. ohne beglaubigte Übersetzung des Geträumten. ich werde es dir erzählen. das verschweigt dir meine Embryohaltung. tja, du schnarchst. ich spreche es laut aus. um Wortes Willen. ganz leise. gute Nacht
