Lesung aus dem „Katalog der Kataloge“ von Tristan Marquardt
Der Lyriker und Veranstalter Tristan Marquardt hat zusammen mit dem Grafiker Andreas Töpfer über viele Jahre an dem
„Katalog der Kataloge“ (kookbooks 2026) gearbeitet. Gemeinsam stellten sie ihr inspirierendes Werk unter der Moderation von Katharina Schultens nun im Lyrik-Kabinett München vor. Das Literaturportal Bayern war vor Ort.
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Strahlhitze, Dränghitze, Unhitze, Glühhitze, Brühhitze, Siechhitze, Überhitze, Stauhitze…
An einem der heißesten Sommerabende, die je gemessen wurden, versammelten sich im Lyrik Kabinett die hartnäckig unverwüstlich Poesiebegeisterten, um Tristan Marquardt und Andreas Töpfer bei der Vorstellung ihres neuen, gemeinsamen Lyrikbandes, dem „Katalog der Kataloge“ zu lauschen und zuzusehen.
Und tatsächlich, über all die dichterisch und zeichnerisch so originell erfassten Arten von Hitze, von der „strahlhitze“ über die „dränghitze", „unhitze“, „glüh“- „brüh“- „siechhitze“, die „über“- und „stauhitze“, vergaß man ganz, dass es einem eigentlich viel zu heiß war.
Die „auszüge eines hitzekatalogs“, in ästhetisch-programmatischer Kleinschreibung von Tristan Marquardt poetisch katalogisiert und nun dem begeisterten Publikum vorgetragen, wurden während seiner Lesung quasi synchron von Andreas Töpfers assoziativ-zeichnerisch umgesetzt und per Leinwand den Anwesenden präsentiert.
Andreas Töpfer beim Zeichnen während der Lesung © Literaturportal Bayern
Unter einer „brühhitze“ kann man sich laut Tristan Marquardt etwa eine „übergriffige hitze“ vorstellen, die so erhitzt, „dass sie auf den aggregatszustand der dinge einwirkt, in ihr zerfließen wiesen, verdampfen straßen.“ Sie ist „die hitze, die befestigt, was in der sicht verschwimmt.“
Es machte große Freude, Marquardt und Töpfer beim „Poesiewerden“ der alltäglichen Dinge und Begriffe wie eben Hitze, Leere, Freundschaft oder Schatten zuzuhören und zuzusehen. Oftmals lachte jemand im Publikum dabei laut auf. Nicht, weil die poetisch vielsinnige und suggestive ars combinatoria Tristan Marquardts so komisch gewesen wäre, sondern weil es so erfrischend überraschend und inspirierend war, im Bekannte das funkelnde Unbekannte zu entdecken und zugleich seine eigene Wahrnehmung der Dinge zu bereichern und zu vertiefen.
„Es gibt freundschaften, in denen man zusammen mehr ist, wie man gern allein wäre.“
Der einfühlsamen und kenntnisreichen Moderation von Katharina Schultens war zudem anzumerken, dass die drei Personen, also Marquardt, Töpfer und Schultens, eine lange freundschaftliche Kollegialität verbindet. Und so heißt es schließlich nicht von ungefähr unter den „facetten der freundschaft“:
„es gibt freundschaften, die ästhetisch ausufern, moralisch einhegen oder intellektuell abheben.“ Und, um den eleganten Bogen zur Hitze zurückzuschlagen: „es gibt freundschaften, die verhalten sich zum liebesleben der freund*innen wie metereolog*innen zum wetter.“
Besonders berührend war die Entscheidung des Dichters, auch aus den sehr persönlich anmutenden „auszügen eines katalogs meiner ängste“ vorzutragen. Das Bedürfnis, hier möglichst viele Zitate und lyrische Bonmots aufzuführen spiegelt die Freude und Dankbarkeit über einen ausgesprochen sinnlich-inspirierenden Abend wider; diese Lesung war ein poetisches und gesamtkünstlerisches Feuerwerk. Und da im Sinne der parallel laufenden Fußball-WM nach der Lesung vor der Lesung ist, kann man jedem nur aus vollem Herzen den „Katalog der Kataloge“ ans Herz legen, um auf eigene Faust noch viele schöne poetische Entdeckungen zu machen.
Lesung aus dem „Katalog der Kataloge“ von Tristan Marquardt >
Der Lyriker und Veranstalter Tristan Marquardt hat zusammen mit dem Grafiker Andreas Töpfer über viele Jahre an dem
„Katalog der Kataloge“ (kookbooks 2026) gearbeitet. Gemeinsam stellten sie ihr inspirierendes Werk unter der Moderation von Katharina Schultens nun im Lyrik-Kabinett München vor. Das Literaturportal Bayern war vor Ort.
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Strahlhitze, Dränghitze, Unhitze, Glühhitze, Brühhitze, Siechhitze, Überhitze, Stauhitze…
An einem der heißesten Sommerabende, die je gemessen wurden, versammelten sich im Lyrik Kabinett die hartnäckig unverwüstlich Poesiebegeisterten, um Tristan Marquardt und Andreas Töpfer bei der Vorstellung ihres neuen, gemeinsamen Lyrikbandes, dem „Katalog der Kataloge“ zu lauschen und zuzusehen.
Und tatsächlich, über all die dichterisch und zeichnerisch so originell erfassten Arten von Hitze, von der „strahlhitze“ über die „dränghitze", „unhitze“, „glüh“- „brüh“- „siechhitze“, die „über“- und „stauhitze“, vergaß man ganz, dass es einem eigentlich viel zu heiß war.
Die „auszüge eines hitzekatalogs“, in ästhetisch-programmatischer Kleinschreibung von Tristan Marquardt poetisch katalogisiert und nun dem begeisterten Publikum vorgetragen, wurden während seiner Lesung quasi synchron von Andreas Töpfers assoziativ-zeichnerisch umgesetzt und per Leinwand den Anwesenden präsentiert.
Andreas Töpfer beim Zeichnen während der Lesung © Literaturportal Bayern
Unter einer „brühhitze“ kann man sich laut Tristan Marquardt etwa eine „übergriffige hitze“ vorstellen, die so erhitzt, „dass sie auf den aggregatszustand der dinge einwirkt, in ihr zerfließen wiesen, verdampfen straßen.“ Sie ist „die hitze, die befestigt, was in der sicht verschwimmt.“
Es machte große Freude, Marquardt und Töpfer beim „Poesiewerden“ der alltäglichen Dinge und Begriffe wie eben Hitze, Leere, Freundschaft oder Schatten zuzuhören und zuzusehen. Oftmals lachte jemand im Publikum dabei laut auf. Nicht, weil die poetisch vielsinnige und suggestive ars combinatoria Tristan Marquardts so komisch gewesen wäre, sondern weil es so erfrischend überraschend und inspirierend war, im Bekannte das funkelnde Unbekannte zu entdecken und zugleich seine eigene Wahrnehmung der Dinge zu bereichern und zu vertiefen.
„Es gibt freundschaften, in denen man zusammen mehr ist, wie man gern allein wäre.“
Der einfühlsamen und kenntnisreichen Moderation von Katharina Schultens war zudem anzumerken, dass die drei Personen, also Marquardt, Töpfer und Schultens, eine lange freundschaftliche Kollegialität verbindet. Und so heißt es schließlich nicht von ungefähr unter den „facetten der freundschaft“:
„es gibt freundschaften, die ästhetisch ausufern, moralisch einhegen oder intellektuell abheben.“ Und, um den eleganten Bogen zur Hitze zurückzuschlagen: „es gibt freundschaften, die verhalten sich zum liebesleben der freund*innen wie metereolog*innen zum wetter.“
Besonders berührend war die Entscheidung des Dichters, auch aus den sehr persönlich anmutenden „auszügen eines katalogs meiner ängste“ vorzutragen. Das Bedürfnis, hier möglichst viele Zitate und lyrische Bonmots aufzuführen spiegelt die Freude und Dankbarkeit über einen ausgesprochen sinnlich-inspirierenden Abend wider; diese Lesung war ein poetisches und gesamtkünstlerisches Feuerwerk. Und da im Sinne der parallel laufenden Fußball-WM nach der Lesung vor der Lesung ist, kann man jedem nur aus vollem Herzen den „Katalog der Kataloge“ ans Herz legen, um auf eigene Faust noch viele schöne poetische Entdeckungen zu machen.

