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Marie von Ebner-Eschenbach (Öl auf Leinwand 1873) nach Karl Blaas

Erbendorf, Pfaben: Der Steinwald als Filmdrehort für „Krambambuli“

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Gemälde „Steinwald“ (Acryl auf Karton, 2007), Mary Baron-Muscat.

„Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Dinge und Wesen. Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er – wenn überhaupt – nur einmal kennen. So wenigstens meint der Herr Revierjäger Hopp. Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und auch gern gehabt; aber lieb, was man sagt lieb und unvergeßlich, ist ihm nur einer gewesen – der Krambambuli.“ So beginnt die rührselige Erzählung Krambambuli der österreichisch-mährischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), Vertreterin des österreichischen Spätrealismus (Das Waldfräulein, 1873; Lotti, die Uhrmacherin, 1880), die erstmals 1883 in ihrem Zyklus Dorf- und Schlossgeschichten veröffentlicht wurde. Einst stand diese lehrreiche Parabel vom Hund „Krambambuli“ auch in jedem bayerischen Schullesebuch.

Marie von Ebner-Eschenbach verzichtet in ihrer Erzählung auf die Entfaltung des sozialen Umfelds, ihr geht es einzig um den Herrschaftsanspruch über eine Kreatur: Ein Hund – oder ein Mensch –, der nicht pariert, ist für den Revierförster in der Novelle einfach „nichts mehr wert“. Dem Hund ist es nicht wichtig, was für einen Charakter sein Herr hat – ob dieser nun Wildschütz oder Mörder ist, der ihn für Schnaps verkauft: „Die Treue ist etwas so Heiliges, dass sie sogar einem unrechtmäßigen Verhältnisse Weihe verleiht.“ „Krambambuli“ war ursprünglich ein Wacholderschnaps der Danziger Likörfabrik „Der Lachs“, der in dem gleichnamigen Studentenlied von Christoph F. Wittekind von 1745 bei „Krambambulikneipen“ fortlebt. Die Novelle selbst geht auf eine wahre Begebenheit aus dem Leben des Bruders von Marie von Ebner-Eschenbach zurück.

Mehrfach wurde sie schon verfilmt: Krambambuli (1940), Heimatland (1955), Ruf der Wälder (1965) und Sie nannten ihn Krambambuli (1972). Im Sommer 1996 ruft die Münchner Almaro Film und TV-Produktions- und Vertriebs GmbH beim Weidener Kulturamtsleiter Bernhard M. Baron auf der Suche nach einer geeigneten „Location“ für eine Neuverfilmung an. Spontan schlägt dieser den Steinwald bei Erbendorf vor mit seinen markanten Felspartien („Räuberfelsen“, „Vogelfelsen“ und „Zipfeltannenfelsen“). Gastronomischer Dreh- und Angelpunkt soll dabei das Landhotel Steinwaldhaus in Pfaben sein. Das nahegelegene Naturschutzgebiet Waldnaabtal bietet sich zudem für die geplanten Wasserszenen an.

Krambambuli (l.), Buchtitel 1979; Tobias Moretti (r.), Bayerischer Filmpreis 2014 – Foto: Helmut Kunz (Weiden i.d. OPf.).

Mit Unterstützung des förstlichen Revierleiters Norbert Reger, Vorsitzender der rührigen Gesellschaft „Steinwaldia“, und seiner Mitarbeiter kommt es dann Herbst 1997 in Pfaben im Steinwald zur filmischen Realisierung. Die Literaturadaption um Treue, Liebe, Eifersucht und Wilderei wird von Michael von Wolkenstein (Piefke-Saga, SOKO Donau) produziert. Regie führt in dieser österreichisch-deutschen Co-Produktion der mehrfach prämierte Wiener Xaver Schwarzenberger (Donauwalzer, Andreas Hofer), der gleichzeitig als Kameramann fungiert. Die Neuverfilmung verfremdet leicht die klassische literarische Vorlage und versetzt sie zeitlich ins Österreich um 1900. Der Tiroler Autor Felix Mitterer, der sich durch zahlreiche sozialkritische Volksstücke (Kein schöner Land, Stigma) bereits einen Namen gemacht hat, schreibt das Drehbuch.

Das Staraufgebot umfasst den Tiroler Theater- und Filmschauspieler Tobias Moretti („Wilderer Wolf Pachler, der Gelbe“), den Wiener Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Gabriel Barylli („Oberförster Georg Walch“) sowie die Münchner Schauspielerin, Hörbuchsprecherin und Sachbuchautorin Christine Neubauer („Försters Ehefrau Johanna Walch“). Den „Krambambuli“ spielt die zweijährige Deutsch-Drahthaar-Hündin „Eike von der Aschenbrocksheide“ mit diversen Tricks ihres Tiertrainers Uwe Heiß.

Drehorte werden der Steinwald bei Pfaben mit seinen markanten Felspartien, das alte Waldhaus und das nahe Waldnaabtal für die Szenen der Flussüberquerung des Wilderers. Die lokalen Aufnahmen dauern vom 27. Oktober bis zum 14. November 1997. Lediglich die Stadtszenen mit dem Wohnsitz des Grafen entstehen vorab im böhmischen Cesky Krumlov (Böhmisch Krumau).

Am 21. Dezember 1998 ist der Heimatfilm erstmals in der ARD zu sehen. Er wird mehrfach preisgekrönt, auch die Hauptdarsteller erhalten Preise. Die Filmkritik lobt die „von rauer Wildheit geprägte Bergwaldlandschaft“ – der Film verarbeite „viele in düsterem Licht gehaltene Szenerien und Einstellungen“. Bildinhalte werden verwendet, die dem Italowestern entlehnt sind. Noch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München am 17. Januar 2014 äußert sich Tobias Moretti dem Weidener Kulturjournalisten Helmut Kunz gegenüber: „Ich kann mich gut erinnern: Eine ganz besondere, zauberhafte, wunderbare, harte, aber für mich auch sehr anziehende Gegend. [...] Diese Gegend hat mir ein bisserl Angst gemacht. Ich komme ja aus den Bergen. Vielleicht aus einer noch härteren Gegend. Trotzdem ist es bei uns immer abgeschlossen. Und bei Euch, da pfeift der Wind drüber. Und trotzdem will man, wenn man dort ist, nicht mehr weg. [...] Also ich war sehr, sehr gern dort.“

Waldhaus – Foto: Jochen Neumann (Erbendorf).

Das Waldhaus im Steinwald, idyllisch gelegen zwischen „Reiseneggerfelsen“ und „Saubadfelsen“, spielt im Film als Försterhaus eine zentrale Rolle. Schon 1831 stand hier ein sogenanntes „Waldwärterhaus“. Nach einer baulichen Umgestaltung wurde es als Forstdienstsitz genutzt. „Danach ist das Waldhaus in einen Dornröschenschlaf gefallen, aus dem es kurz im Jahr 1997 mit der Verfilmung von Krambambuli erwachte“, erinnert sich der Erbendorfer Bürgermeister Hans Donko. Jahre später sollte es wieder zum Leben erweckt werden. Im September 2014 eröffnet der Bayerische Staatssekretär Albert Füracker dort einen gastronomischen Betrieb. Jedes Jahr ist das ehemalige Forsthaus beliebter Treffpunkt für Jung und Alt beim traditionellen „Waldhausfest“.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2017): Vor 20 Jahren: Krambambuli im Steinwald oder Wie Christine Neubauer und Tobias Moretti nach Erbendorf kamen. In: Heimat-Landkreis Tirschenreuth 29, S. 108-116.

Fischer, Ernst (1997): Hauptwerke der österreichischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationen. München, S. 91f.

Meid, Volker (20062): Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17664), S. 196f.

Nenning, Günther (2003): Kostbarkeiten österreichischer Literatur. 111 Porträts in Rot-Weiß-Rot. Wien, S. 57-59.

Strigl, Daniela (2016): Berühmt sein ist nichts. Marie von Ebner-Eschenbach. Eine Biographie. Salzburg.

Voit, Stefan (1997): „Ich sehe meinen Erfolg als Geschenk“. Interview mit dem Schauspieler Tobias Moretti. In: Der neue Tag (Weiden i.d. OPf.) Nr. 257, 8. November, S. 85.

Quelle:

Marie von Ebner-Eschenbach: Krambambuli und andere Erzählungen (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7887). Stuttgart 1986.


Externe Links:

Krambambuli bei zeno.org

Krambambuli in der Wikipedia

Marie von Ebner-Eschenbach in der Wikipedia

Felix Mitterer im Lexikon Literatur in Tirol

Waldhaus im Steinwald

Steinwaldhaus (Hotelanlage)

Stadt Erbendorf

Kommentare

Ottmar Braun am 24.11.2017 um 10:58

Lieber Bernhard, vielen Dank für Deinen großartigen Text. Steinwald, Waldnaabtal, Krumau, Tachau, Mies... für uns Nah- und Erlebnisraum, vor allem auch Heimat. Die meisten meiner einstigen Weggefährten im AK "Sport in Schule und Verein" - ich war 15 Jahre der Vorsitzende - sind nun auch Ruheständler. Aber regeläßig verabreden wir uns zu sportlicher Aktivität. Diesen Sommer unternahmen wir eine Mountainbike-Tour in den Steinwald. Von Weiden aus ging es über Erbendorf und Pfaben auf die "Platte". Da werden die Wadl'n heiß... Gottlob hatte das Waldhaus geöffnet. Bei einer derart unmittelbaren - also nichtmedialen - Begegnung mit der Wirklichkeit kannst du den Steinwald riechen, schmecken, hören, fühlen, eben mit allen Sinnen erleben. Beim Er-fahren mit dem Radl merkst du wieder, was ein Berg ist. Meist wird er ja heute mit dem Niederdrücken des Gaspedals "eingeebnet". Und Krambambuli? Die erste Begegnung mit diesem literarischen Text geht wohl zurück auf eine Vertretungsstunde im Gymnasium, in der uns Albert von Schirnding die Geschichte in unnachahmlicher und unvergesslicher Weise vortrug. T. Moretti hat recht, wenn er sagt, der Steinwald habe etwas Raues, Zauberhaftes, auch wunderbar Anziehendes... Die ideale Kulisse für Krambambuli - dem Bernhard sei Dank.



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