Buchblogger im Porträt (7) – Andrea Schuster

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(c) Andrea Schuster

Viele lesenswerte Bücherblogs befinden sich im Internet. Buchblogger (Booktuber, Bookstagrammer, Booktiktoker, Bookpodcaster, Bookvlogger, Bookfacebooker, Booktwitterer) spielen eine wachsende Rolle in der Literaturlandschaft. Was treibt diese Book-Influencer an? Wo verorten sie sich in der Bücherwelt? Welche dieser Multiplikatoren gewinnen an Bedeutung und warum? Die neue Journal-Kolumne „Buchblogger im Porträt“ von Autor, Journalist und Übersetzer Nicola Bardola porträtiert leidenschaftliche Leser*innen, die ihre Erfahrungen auf vielfältige Weise in den sozialen Netzwerken und auf eigenen Webseiten teilen.

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Andrea Schuster (München)

 

Andrea Schuster bloggt seit August 2017. Sie ist vielseitig unterwegs, u.a. auf ihrem Blog „Lesen... in vollen Zügen“, ihrem Instagram-Account @leseninvollenzuegen und zurzeit hauptsächlich als Moderatorin des Hugendubel-Podcasts „Seite an Seite“: „Ich möchte möglichst zugänglich über Bücher sprechen und schreiben und auch den Menschen, die das Lesen irgendwann aufgehört haben, meine Freude und Leidenschaft vermitteln“, sagt Schuster. Ihre Podcasts fesseln die Hörer. Ihre Stimme ist angenehmer als manche professionelle Rundfunk- oder Hörbuchstimme. Erst vor kurzem hat sie sich ausführlich mit Bestsellerautor, Livecoach und seinerseits auch Podcaster Lars Amend unterhalten. „Andrea und Lars finden heraus, warum es sich lohnt, zu seinen Träumen zu stehen, träumen mit Delfinen und überstehen anderthalb Sinneskrisen, was im Leben eigentlich wichtig ist. Eine Stunde voller Philosophie, guter Bücher und #rockyourlife, nach der der Erfolg von ganz alleine kommt“, wird der Podcast angekündigt. Und die kurzweilige Bücherstunde bietet viele Überraschungen, von vergriffenen Bestsellern bis zu unterschätzten Rockstars.

Andrea Schuster liest am liebsten Romane, Autobiografien und Graphic Novels. „Als Buchhändlerin lernt man Autor*innen oft an Verlagsabenden kennen und ist durch diese Begegnung dann meist näher am Buch, als man es sonst wäre. Durch meine Moderationstätigkeit beim ‚Seite an Seite‘-Podcast habe ich mich inzwischen mit einigen Autor*innen sehr ausgiebig unterhalten können und dabei nochmal viele Hintergründe zu ihren Geschichten gehört. Dadurch wachsen mir dann oft auch ihre Bücher sehr ans Herz“, so Schuster. Das zeigt sich auch optisch auf ihrem Instagram-Account @leseninvollenzuegen. Dort setzt sie die Bücher, die sie vorstellt, sorgfältig in Szene. Zuletzt u.a. Lauren Oylers Roman Fake Accounts.

 

(c) Andrea Schuster

Schuster fasst zunächst eigenwillig den Inhalt des Romans zusammen, um danach sehr differenziert das Buch zu beurteilen. Schuster weist darauf hin, dass bisherige Literaturkritiker teilweise begeistert, teilweise sehr enttäuscht waren. Und wie erging es ihr? „Die Ich-Erzählerin ist einfach keine Sympathieträgerin. Sie lässt nichts und niemanden an sich heran, hält sich für etwas Besseres und blickt beinahe schon angeekelt auf jeden, der ihr begegnet, herab, allerdings trieft das Buch auch vor Sarkasmus, schwarzem Humor und offensichtlich widersprüchlicher Kritik. Mit der Zeit habe ich mich dann immer mehr an Leif Randts Allegro Pastell erinnert gefühlt, welches ich ja ziemlich gefeiert habe. Fake Accounts ist für mich definitiv ein ‚Love it or hate it‘-Buch. Als ich es beendet hatte, sagte ich aber laut zu mir selbst: ‚Ich find das gut!‘“

Dank ihrer Blogger-Aktivitäten konnte Andrea Schuster viele Menschen kennenlernen, die ihr Leben fast täglich bereichern, sei es wenn sie sich online über ein Buch austauscht, das sie geliebt hat, oder weil sie zu netten Treffen mit Autor*innen eingeladen wird. „Als Buchhändlerin weiß man, dass die Empfehlung einer guten Freundin oft mehr zählt, als eine gute Rezension oder ein Verriss in der Zeitung. Buchblogger*innen nehmen oft die Stelle der guten Freundin oder des guten Freundes ein, denen man meist mehr vertraut als professionellen Journalist*innen“, so Schuster. Ihre Lieblingsblogger sind Tino Schlench vom Literaturpalast, Alexandra Koch vom Read Pack Blog und Mona Ameziane auf Instagram. Wie diese Kolleg*innen warnt Andrea Schuster selten vor Büchern: „Über Bücher zu schreiben, die ich nicht leiden konnte, ist für mich meist verschwendete Zeit.“

 

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