Buchblogger im Porträt (5) – Stephanie Sack

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Viele lesenswerte Bücherblogs befinden sich im Internet. Buchblogger (Booktuber, Bookstagrammer, Booktiktoker, Bookpodcaster, Bookvlogger, Bookfacebooker, Booktwitterer) spielen eine wachsende Rolle in der Literaturlandschaft. Was treibt diese Book-Influencer an? Wo verorten sie sich in der Bücherwelt? Welche dieser Multiplikatoren gewinnen an Bedeutung und warum? Die neue Journal-Kolumne „Buchblogger im Porträt“ von Autor, Journalist und Übersetzer Nicola Bardola porträtiert leidenschaftliche Leser*innen, die ihre Erfahrungen auf vielfältige Weise in den sozialen Netzwerken und auf eigenen Webseiten teilen.

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Stephanie Sack (Markt Schwaben)

Durch ihre Tätigkeit als Buchbloggerin durfte Stephanie Sack bereits ein paar Erfolge für sich verbuchen. Sie wurde im Rahmen des Projekts „Warum ich lese“ in der Anthologie aus dem Homunculus Verlag und auf dem offiziellen Plakat zur begleitenden Kampagne „Wege zum Lesen: Kampagne zur individuellen Bedeutung des Lesens“ gemeinsam mit der Stiftung Lesen auf einem Plakat abgedruckt. Sie war Buchpreisbloggerin für den Bayerischen Buchpreis 2019 und darf sich dieser Aufgabe in diesem Jahr noch einmal widmen, hat im Rahmen der Buchkampagne „20 Bücher die bleiben“ ihr persönliches Herzensbuch Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren in allen Hugendubel Filialen Deutschlands empfohlen und durfte diverse Büchertische und Schaufenster in verschiedenen Buchhandlungen gestalten. Darüber hinaus liebt sie die Projekte, denen sie gemeinsam mit anderen Buchblogger*innen Leben einhaucht. Dazu gehören unter anderem das Projekt #ausliebezumpappbuch mit @ronja.waldgaenger, einer Sammlung von besonderen Pappbüchern für die Kleinsten, die Sammlung #wirlesenunsnachnangijala mit @superheldliestgern, eine Auswahl besonders einfühlsamer und schöner Kinderbücher zum Thema Trauer, Tod und Verlust und der Podcast #GlockenbachWelle mit Arndt Stroscher vom Blog „AstroLibrium“, der Glockenbachbuchhandlung und dem Literatur Radio Hörbahn.

Seit 2009 ist Stephanie Sack Mitglied bei der Buchcommunity LovelyBooks. Viele ihrer Blog-Besprechungen sind auch dort zu finden. Sie schätzt den persönlichen Austausch dort, hat früher an sehr vielen Leserunden teilgenommen und Leser*innen als auch Autor*innen und ihre Bücher näher kennengelernt.

Ich meine, die erste Leserunde, an der ich teilgenommen habe, war zum Roman ‚Zwitschernde Fische‘ von Andreas Séché. Ein Buch, das sich in mein Herz geschlichen und nachhaltig in meinem Gedächtnis verankert hat. Diese literarische Entdeckung hat mir Lovelybooks beschert. Sicher hätte ich sonst niemals zu diesem Buch gegriffen, das mit einem sehr speziellen Titel und Cover daherkommt. Auch das Angebot von Vorablesen habe ich lange rege in Anspruch genommen. Seit letztem Jahr bin ich auf beiden Plattformen allerdings nur noch selten unterwegs.

Stephanie Sacks Blog Nur Lesen ist schöner ist im Januar 2011 in einer Nacht- und Nebelaktion entstanden. Ihr gefiel die Idee, einen Ort zu schaffen, wo sie ihre persönlichen Gedanken über Bücher vereinen kann. Denn Bücher begleiten sie bereits seit ihrer Kindheit, sie sind die wohl treuesten Wegbegleiter ihres Lebens. Schon während des Lesens juckt es sie in den Fingern. „Ich kann gar nicht anders, als mir besondere Textstellen in den Büchern zu kennzeichnen, die liebsten Zitate und Gedanken zur Geschichte anschließend in persönlichen Zeilen festzuhalten. Der Blog schenkt mir Raum dafür. Hier kann ich mich frei entfalten, meinen eigenen Regeln folgen. Er ist das Spiegelbild meines Lesens, quasi als meine literarische Visitenkarte zu betrachten“, so Stephanie Sack.

Während der Blog ihr anfangs nur als virtuelle Gedankenbibliothek dienen sollte, ist er in den letzten zehn Jahren zu einer lebendigen Kommunikationsplattform gewachsen, auf der die persönlichen Gedanken und Meinungen eines jeden Einzelnen willkommen sind. „Ich liebe es, dass bibliophile Menschen aus der ganzen Welt auf meinen Blog gespült werden und sich mit mir über Bücher austauschen oder ich sie immer wieder für neue Geschichten entflammen kann. Denn genau dann habe ich meine Mission erfüllt. Nur Lesen ist schöner soll Menschen zum Lesen inspirieren.“

Bevor sie Mutter geworden ist hat sie zwei bis drei ausführliche Besprechungen pro Woche auf ihrem Blog veröffentlicht. Aktuell beschränkt sich das auf zwei bis drei Besprechungen pro Monat. Allerdings hat sie über die letzten Jahre die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram für sich genutzt und Instagram als präferiertes Medium entdeckt. „Hier kann ich auch in kleinen Zeitfenstern und mit abgespecktem Zeichenvorrat Bücher empfehlen oder Menschen an den literarischen Momentaufnahmen aus meinem Leben teilhaben lassen. Mir gefällt es, dass hier die Bilder im Fokus stehen. Sie locken potentielle Leser*innen ähnlich wie ein hübsches Buchcover.“

Stephanie Sack fokussiert sich nicht auf ein bestimmtes Genre. Sie stellt die Bücher vor, die sie nachhaltig beschäftigen, egal ob in negativer oder positiver Hinsicht. Von der Belletristik über das Sachbuch bis hin zum Kinder- und Jugendroman ist alles dabei. Seit sie eine Tochter hat, sind die Besprechungen zu Kinderbüchern auf ihrem Blog präsenter, „was daran liegt, dass ich mittendrin stecke, wenn ein neues Buch das Kinderzimmer erobert. Schon als Patentante habe ich erste Erfahrungen als Lesebegleiterin sammeln dürfen und gelernt, wie unterschiedlich der Blickwinkel auf ein Buch ausfallen kann. Deshalb präsentiere ich Kinderbücher in meiner Rubrik ‚Kinderfreuden‘ auch aus großen und kleinen Augen. Weil ich sowohl die Perspektive eines Erwachsenen als auch die Perspektive eines Kindes vermitteln möchte. Denn ein Buch, das mir gefällt, muss nicht zwangsweise auch einem Kind gefallen. Aktuell lasse ich mich von vier kleinen LeserInnen bei den Kinderbuchbesprechungen unterstützen“, erklärt Stephanie Sack.

Sie weiß die persönlichen Besprechungen von Buchblogger*innen zu schätzen: „Ich liebe die Leidenschaft und Authentizität, die zwischen den Zeilen steckt. Sie geben nicht nur die Geschichten von Büchern preis, sondern auch von den Menschen, die sie geschrieben haben. Sie sind verwoben mit Lebensgeschichten, werden von persönlichen Erfahrungen und Gefühlen geleitet. Ich glaube, Verlage wissen längst um die Bedeutung dieser persönlichen Zeilen und haben die Möglichkeiten, die sich aus der engen Zusammenarbeit mit Buchblogger*innen ergeben, erkannt. Es ist nichts gegen das Feuilleton, gegen Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen zu sagen. Warum auch? Sie bedienen ein ganz unterschiedliches Publikum, werden den verschiedensten Ansprüchen und Vorlieben gerecht und sprechen zudem auch noch ganz unterschiedliche Sinne an. Ich glaube, dass man hier keine Vergleiche ziehen, sondern vielmehr Synergien schaffen sollte. Denn ihr Zusammenspiel kann unglaublich bereichernd sein. Dafür ist die GlockenbachWelle ein Paradebeispiel“, erklärt Stephanie Sack.

„Die Idee des literarischen Podcasts GlockenbachWelle ist bei Arndt Stroscher entstanden, als er mit dem Autor David Mellem nach einer geeigneten Location außerhalb seines Hotels für ein Radiointerview gesucht hat und direkt in die Glockenbachbuchhandlung gespült wurde. Er wurde dort so herzlich empfangen, dass ihn die Idee, die entzückende kleine Buchhandlung zum regelmäßigen Dreh- und Angelpunkt von Radiointerviews zu machen, nicht mehr losließ. Die Begeisterung für das Projekt ist zu den Buchhändlerinnen übergeschwappt und so war die GlockenbachWelle geboren.

Und als ich mich ganz unverhofft bei der Premiere dieses Herzensprojekts live vor Ort wiederfand, hat es nicht lange auf sich warten lassen, bis die Welle auch mich erreicht hat. Es ist eine Symbiose aus Buchhandlung, Literaturblogs und Radio daraus entstanden, die ganz wunderbar zeigt, wie sich unterschiedliche Medien gegenseitig bereichern können. Ich erachte es als unglaubliches Privileg, an diesem Herzensprojekt aktiv mitwirken und daran wachsen zu können.“

Stephanie Sack empfiehlt drei Buchblogs, deren Beiträge sie immer wieder aufs Neue begeistern, inspirieren und bereichern.

Arndt Stroscher und seine kleine literarische Sternwarte „AstroLibrium“ kenne ich schon sehr lange. Auf seinem Blog hat er schon so viele literarische Fixsterne für mich freigelegt, dass es mir an Bücherschätzen sicher niemals mangeln wird. Ich mag seinen ausschmückenden Schreibstil, seinen allumfassenden Blick, der seine Rezensionen immer mit dem aktuellen Zeitgeschehen verwebt und die Werke unterschiedlichster AutorInnen zueinanderfinden lässt. Die GlockenbachWelle ist nur eines von vielen Herzensprojekten, das uns miteinander verbindet. Uwe Kalkowski, besser bekannt als „Kaffeehaussitzer“ hat es sich auf seinem gleichnamigen Blog zur Aufgabe gemacht, Momentaufnahmen seiner Lektüren im jeweiligen Kaffeehaus einzufangen. Seine von sehr ästhetischen Fotos begleiteten Besprechungen haben in mir nicht nur die Leidenschaft fürs Fotografieren entflammt, sondern mich auch schon vielen Büchern widmen lassen, die ich lange Zeit für mich als zu anspruchsvoll hielt. Seine Zeilen sind von sehr persönlicher Natur und genau das ist es, was ich an ihnen zu schätzen weiß. Auf dem Blog „Leselebenszeichen“ von Ulrike Sokul fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Denn ihre Besprechungen sind genremäßig nicht nur genauso vielfältig angesiedelt wie meine, sie drehen sich auch in den meisten Fällen um Bücher, die ich ebenfalls schon gelesen habe oder noch lesen möchte. Der geschulte Blick der Buchhändlerin hat mein Lesen schon in vielerlei Hinsicht bereichert. Oft haben sich mir durch ihre Zeilen neue Blickwinkel und Denkansätze eröffnet.

Wenn Stephanie Sack ein Buch nicht gefällt, versucht sie stets ihre Irritation oder Abneigung so neutral wie möglich zum Ausdruck zu bringen. Den Autor*innen sei es sicher nicht geholfen, wenn man ihre Werke über den Klee lobt, wenn man sie eigentlich furchtbar fand. Es sei aber auch nicht fair, ein Buch in der Luft zu zerreißen, nur weil man keinen Zugang dazu fand. Sie mag es nicht, dass Denis Scheck sich das Recht herausnimmt zu entscheiden, welche Bücher die schlechtesten Bücher der Weltliteratur sind: „Ich finde, damit stellt er seine Meinung über die Meinung anderer. Denn letzten Endes ist sie subjektiv“.

 

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